21/11/2017
Unsere Himmelsgeburt - ein Sternenkind wird verabschiedet
Wir hatten den Traum als Familie in die Welt zu ziehen und es war klar, dass es im Herbst 2017 in Südamerika losgehen sollte. Wir wollen unseren Traum leben, raus aus der Komfortzone und rein in das Leben.
Schwanger?
Im April, in der Nacht zu Ostermontag, hatten mein Freund und ich die erste Nacht für uns allein, ohne meine Tochter, die lieber zum erstmal bei den Großeltern übernachten wollte. Für uns war es eine der wundervollsten und intensivsten Nächte, die wir in unserer Beziehung erlebt hatten. Am nächsten Tag waren wir beide völlig beseelt und hatten das Gefühl, das mehr daraus entstanden sein könnte und wohlmöglich ein kleines Wesen bereits zu uns unterwegs ist.
Als dann meine Tage ausblieben und ein Monat nach dem anderen verging, war es spätestens in der 12 Woche ganz klar. Schwanger! Wir waren über glücklich und für meinen Freund war es noch aufregender, denn es sollte sein erstes Kind sein. Ausserdem belebte dieses freudige Ereignis unseren Traum, mutig in ein neues freies Leben zu springen und hob alles in eine neue Dimension.
Als Tobias dann im Mai/Juni 2017 nach einem dreiwöchigem Retreat bei peruanischen Heilerinnen, aus Peru wiederkam, sah alles nach Führung aus.
Er hatte von einem Jungen geträumt, der in Peru zu Welt kommen sollte, hatte interessante Begegnungen mit Menschen und erzählte von tollen magischen Orten wie, Ollantytambo und Urubamba, in denen es entspannt wäre zu leben. Er traf sogar eine Frau, die eine Hebamme kannte und da waren wir uns sicher, alles würde sich fügen und passend zu uns kommen.
Entschlossen planten wir unser neues Leben. Startpunkt: Peru. Es gab viele Dinge zu erledigen und zu tun. Der Plan war auch uns erstmal ganz von Deutschland abzumelden und mit Geld für ein gutes Jahr und Ideen für ein Online-Business, im Oktober loszuziehen.
Unsere Himmelsgeburt
Diese Schwangerschaft war für mich persönlich ein riesiges Geschenk, denn ich plane seit einigen Monaten als „Natürlich Mutter“ Schwangeren und werdende Eltern zu unterstützen, eine natürliche und intuitive Schwangerschaft, Geburt und Zeit danach zu erleben. Ich wollte also meine Schwangerschaft noch bewußter und intensiver erleben, damit ich all meine Erfahrungen weitergeben kann.
Während unserer Planphase für Peru, merkte ich schon im vierten Monate, das mir alles zuviel wurde mit Auszug, alle Dinge verkaufen, einen Monat noch zu Carmen ziehen, an den eigenen inneren Blockaden zu arbeiten, ein Abschied nach dem anderen, möglichst freimachen von alten Dingen etc.! Schlichtundergreifend fühlte ich mich überfordert. Beim nächsten Hebammen Termin war alles in Ordnung, wir waren froh und machten einen weiteren Termin aus. Danach übergang ich einige Anzeichen, z.B. das ich das kleine Wesen nicht mehr richtig spürte oder das mein Unterbauch weicher war als sonst. Ich hatte Angst überhaupt irgendetwas zu tun.
In der 20. SSW besuchte ich mit meiner Tochter noch einmal meine Eltern. Dort hatte ich auch noch einiges auf dem Dachboden zu erledigen und räumte fleißig auf. Es war anstrengend und ich mußte mich oft ausruhen. In der Nacht zum 25.8.17 wachte ich auf und hatte Bauchschmerzen. Ich wollte das mit Tobias teilen, erreichte ihn aber telefonisch nicht, da er schlief und das Handy aus war. Ich schrieb ihm immer wieder neue aktuelle Nachrichten. Ich dachte es wird sich schon beruhigen. Nicht wahrhaben wollend, dass ich bereits Wehen hatte und ich einige Male zur Toilette gehen musste, stellte ich fest, das ich blutete.
Spätestens da holte mich die Wahrheit ein. Ich wußte was los ist. Auf der einen Seite kämpfte ich dagegen, auf der anderen Seite weckte ich meine Mutter. Sie rief im Geburtshaus an, aber die leiteten uns gleich weiter zum nächsten Krankenhaus. Diejenigen die mich kennen, wissen, dass das ein großer Schritt für mich war, da ich grundsätzlich die Standard-Programme im Krankenhaus oder beim Arzt vermeiden möchte. Ich entschied mich dazu, weil ich dachte uns könnte vielleicht noch geholfen werden.
Als wir im Krankenhaus ankamen, dauerte es noch einige Zeit, bis sich eine, erstmal eher unsympathische Ärztin, um uns kümmerte. Als erstes machte sie einen Ultraschall und schaute lange auf den Bildschirm. Dann sagte sie: „Ich habe lange geguckt, um ihnen einen positive Nachricht zu machen, aber leider finde ich keine Herztöne.“ Da holte mich ein weiteres mal die kalte Wahrheit ein und ich weinte. Meine Gefühle waren unbeschreiblich, zugleich voller Schmerzen, eine unbändige Trauer, Scham, schlechtes Gewissen, alles was Du Dir vorstellen kannst. Zum Glück war meine Mutter an meiner Seite.
Die Ärztin sagte, dann noch, dass sie die Geburt nicht stoppen könne. Sofort telefonierte sie mit der Station und konnte mir ein eigenes Zimmer organisieren, was ich sehr toll fand. Ich hatte im Untersuchungsraum schon recht starke Wehen und spürte, dass sich das Kleine mit einem Mal schon im Geburtskanal befand. Sie brachten mich mit einem Rollstuhl auf das Zimmer und als ich mich auf das Bett legte, hatte ich keine Wehen mehr. Ich sagte, dass einer Schwester, wir schauten nach und tatsächlich war das Köpfchen schon da. Es brauchte nur noch ganz wenig, bis ich unser kleines Wesen in der Hand hielt. Bewegungslos, warm. Tot. Ich spürte eine unglaublich tiefe Liebe und Verbundenheit. Das Kleine war in seiner schützenden Fruchtblase und der Plazenta auf die Welt gekommen. Die Schwester und ich legten es in ein Weidenkörbchen.
Am frühen morgen erreichte ich endlich Tobias und er machte sich gleich auf den Weg von Hamburg ins Münsterland. Er war geschockt, aber noch war es weit weg für ihn. Als meine Eltern mit Rosalie wiederkamen, ließen wir unseren Gefühlen und Tränen gemeinsam freien Lauf. Ausserdem waren Schwester Astrid und eine Seelsorgerin an meiner und unserer Seite und ich fühlte mich gut umsorgt. Dann kam endlich Tobias und wir teilten unseren Schmerz sehr intensiv. Wir schauten uns das Kleine im Krankenhauspark noch einmal an.
Aufregend wurde es dann noch einmal, als es darum ging ob wir das kleine Baby mitnehmen können oder nicht. Mir war entschieden klar, dass ich es in jedem Fall mitnehmen möchte. Es gab einige Gespräche und Diskussionen, aber am Ende löste sich alles in wohlgefallen auf, als die Seelsorgerin uns sagte: "Packen sie ihre Sachen und fahren schnell nach Hause."
Die Feuerzeremonie - die Verabschiedung unseres Sternenkindes
Am nächsten Tag schon fuhren wir nach Hamburg in Tobias Garten, wo das Kleine auch gezeugt wurde, um dort eine Feuerzeremonie zur Verabschiedung nur für uns zu machen. Meine Eltern waren besorgt, ob es nicht zu früh sei für mich, aber das Baby in seinem Weidenkörbchen konnte nicht warten. Mir ging es den Umständen entsprechend gut und ich war froh als wir alles für die Zeremonie vorbereitet hatten.
Als das Feuer brannte und wir das Gefühl hatte jetzt ist es soweit, schauten wir uns gemeinsam mit Rosalie das Baby noch einmal an. Ich nahm es behutsam in die Hand und bewegten es in seiner Fruchtblase. Wir entdeckten seine Fingerchen, Füße und das er ein Junge war. Unser Gefühl die ganze Zeit über war also richtig. Wir hätten einen Sohn bekommen. Das trieb noch einmal die Tränen in unsere Augen und auch Rosalie konnte in meinem Arm weinen. Wir legten ihn dann auf das Feuer und sahen zu, mit unserem vollen Bewußtsein bei ihm, wie er in das Elemente überging.
Dann hatten wir die Idee, die Asche an der Ostsee und auch in Peru den Elementen zu überlassen. Am nächsten Tag besuchten wir Tobias Eltern und fuhren am übernächsten Tag an einen unserer Lieblingsplätze der Ostsee. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es war warm genug zum Baden. Wir fühlten die Asche, bis wir sie in den Wind und das Wasser warfen. Es war ganz wundervoll!
Einige Monate später in Peru
Da unser Sohn in Peru geboren werden sollte, hatten war es uns wichtig einen Teil der Asche mitzunehmen auf unsere Reise und sie am Machu Picchu den Elementen zu übergeben. Nachdem wir nach ca. 2 Wochen gut in Urubamba/Peru angekommen waren, machten wir uns auf den Weg zum Machu Picchu. Der Weg war anstrengend und aufregend! Aber schließlich ein befreiendes und heilendes Erlebnis, unseren Sohn dort dem Wind an diesem heiligen Ort der Inka mitten in Peru, zu übergeben.
Fazit
Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast unsere Geschichte bis hierher zu lesen. An dieser Stelle möchte ich Dir sagen, dass es für mich nichts heilenderes gab, als derTrauer und dem Schmerz die wir erleben, mit allen Beteiligten und anderen Menschen zu teilen und allem den Raum zu geben den es brauchte bzw. braucht. Ich habe mich geöffnet und bin mehr zu mir gekommen, denn je. Von zwei ganz wichtigen Menschen konnte ich mich in meinem Leben nicht verabschieden, mein laiblicher Vater und mein Großvater.
Manchmal habe ich mich gefragt ob mein Sohn sich verabschiedet hatte, damit ich endlich mal zu meiner Trauer komme und ihr den Raum geben kann, um mich so von jemandem zu verabschieden wie ich es möchte. Ausserdem bin ich dankbar dafür, dass ich Rosalie meine Tochter an allem teilhaben lassen habe und ihr zugetraut habe zu trauern, was man mir früher nicht zugetraut hat.
Glücklose Schwangerschaft - eine Himmelsgeburt
Wenn Du ähnliche Erfahrungen gemacht hast und dich innerhalb eines geschützen Raumes darüber austauschen möchtest, schau gern in dieser Gruppe vorbei:
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Alles Liebe, Deine Christina