09/09/2025
Selbstüberschätzung im Pferdetraining
Ich sehe es immer wieder:
Menschen, die im Pferdetraining mit einer unglaublichen Selbstsicherheit auftreten und gleichzeitig völlig übersehen, was direkt vor ihren Augen passiert. Sie sind überzeugt, genug zu wissen, genug Erfahrung zu haben, „das schon im Griff zu kriegen“. Doch genau hier beginnt die Selbstüberschätzung.
Das Pferd wird zum Prüfstein für das eigene Ego.
Plötzlich geht es nicht mehr darum, was das Pferd versteht oder leisten kann, sondern darum, wer hier das Sagen hat. Stresssignale? Überhört. Widerstand? Als „Ungehorsam“ abgestempelt.
Und statt zu reflektieren, ob vielleicht der Mensch zu schnell, zu unklar oder zu hart vorgeht, wird das Pferd als „Problempferd“ bezeichnet.
Aber so funktioniert Horsemanship nicht. Für mich bedeutet es: zuhören, wahrnehmen, zurücktreten. Ein Pferd ist kein Sportgerät, kein Prestigeobjekt und kein Spiegel für unser Ego. Es ist ein ehrlicher Partner, der uns jeden Tag zeigt, wo wir selbst noch wachsen dürfen. Wer glaubt, schon alles zu wissen, verschließt die Tür zum echten Lernen und blockiert nicht nur sich selbst, sondern auch das Pferd.
Ich sage es ganz direkt:
Stärke im Pferdetraining heißt nicht, das Pferd zum Gehorsam zu zwingen. Stärke heißt, sich selbst in Frage zu stellen.
Geduldig zu bleiben, wenn’s nicht klappt.
Einen Schritt zurückzugehen, wenn das Pferd überfordert ist. Und Fehler nicht als Schwäche zu sehen, sondern als Chance.
Und ganz ehrlich, wir alle überschätzen uns manchmal.
Ich auch. Aber der Unterschied liegt darin, ob wir bereit sind, das zu erkennen und daraus zu lernen. Denn nur so entsteht wahres Vertrauen und echte Partnerschaft.
Mich interessiert: Wo seht ihr die größten Gefahren, wenn Menschen sich im Pferdetraining überschätzen? Habt ihr Beispiele, die euch geprägt haben?
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