06/07/2025
Die Beziehung endet nicht mit dem Tod.
Sie verändert sich.
Manchmal beginnt sie erst danach.
Ich habe meinen Vater verloren.
Vor 2,5 Jahren.
Wir hatten keine gute Vater-Tochter-Beziehung.
Er war gewalttätig , körperlich wie psychisch.
Oft hatte ich große Angst.
Ich habe mir immer diesen „perfekten“ Vater erträumt.
Den, den ich nie haben durfte.
Heute sehe ich manches anders.
Sein Verhalten hat mich geprägt.
Es hat dazu beigetragen, dass ich zu der Person geworden bin, die ich heute bin.
Ich habe ihm vergeben,
nicht, um ihn von seiner Schuld zu entbinden,
sondern um mir selbst Frieden zu ermöglichen.
Ich habe ihm sein Päckchen zurückgegeben.
Und ich bin in Dankbarkeit mit ihm verbunden.
Wir hatten viele Jahre keinen Kontakt.
Und doch habe ich Wochen vor seinem Tod gespürt,
dass etwas nicht stimmt.
Ich habe ihn gesucht.
Und ich habe ihn in seinen letzten Wochen begleitet.
Im Sterben.
Im Abschied.
Und ja, ich weine manchmal noch heute.
Ich weine um eine Beziehung,
die so viel schöner hätte sein können.
Ich weine um den Vater,
den ich verdient hätte.
Und doch war es anders.
Manchmal kommt noch Wut.
Aber diese Momente werden seltener.
Ich habe auf meinem Weg lernen müssen,
dass auch schwierige Beziehungen ihren Platz finden dürfen, in meinem Lebensgefäß.
Dass Trauer auch dann Raum hat,
wenn Liebe nicht einfach war.
Rituale helfen mir.
Eine Kerze anzünden.
Seine Musik hören.
Mich erinnern.
Mich verbinden.
Denn auch er war das Kind seines Vaters der es zu Kriegszeiten
nicht besser wusste und viel zu früh gestorben ist.auch er war
ein Sohn der einen Vater gebraucht hätte und nicht haben durfte.
Auch er war Einwohner der Verletzt war. Was nichts entschuldigt
aber vieles verständlicher macht.
Heute trage ich beides:
Dankbarkeit und Schmerz.
Erinnerung und Grenze.
Und eine leise, neue Verbindung.
Nicht jede Trauer ist laut oder eindeutig.
Wenn du Begleitung suchst in deiner Geschichte – melde dich gern.