20/12/2022
Kiefergelenke und Kreuzdarmbeingelenke Teil V (Aus „Zusammenhänge im Pferd“)
Wenn wir uns nun also vorstellen, dass das Pferd all diese Bewegungen alleine in seinen Kiefergelenken benötigt, um sich natürlich und losgelassen bewegen zu können, können wir uns leicht ausmalen, welch schwerwiegende Folgen eine Einschränkung in dieser Beweglichkeit hat.
Sei es durch Haken oder Wellen auf den Zähnen, Blockaden oder Erkrankungen der Kiefergelenke, harte Hand, scharfe Gebisse, fest verschnallte Reithalfter, Rollkur / LDR, Schlaufzügel oder dergleichen mehr, es bedeutet:
Der Unterkiefer des Pferdes kann sich nicht nach vorne schieben, das heißt, das Pferd kann, selbst wenn es „vorwärts-abwärts“ geritten wird, nicht loslassen, da diese natürliche Bewegung verhindert wird. Es entsteht ein erheblicher Druck im gesamten Kopfbereich, ein weiterer Grund für die Abwesenheit jeglicher Losgelassenheit.
Es kann die Wendungen nicht in der natürlichen Form einleiten, da der Unterkiefer seitlich nicht beweglich ist, es wird also mit festem Hals und Kopf/Genick, in die Wendung gehen, aber es ist keine fließende, natürliche Bewegung möglich.
Das Kiefergelenk ist permanent „zu“ und unter Spannung, was bedeutet: auch das restliche Pferd kann nicht loslassen.
Aber die Folgen einer Bewegungseinschränkung in den Kiefergelenken gehen noch darüber hinaus:
Die Kiefergelenke stehen in Verbindung mit den Kreuzdarmbeingelenken, und die Auswirkungen reichen somit bis in das Becken hinein.
Die Blockierung eines Kiefergelenkes führt über kurz oder lang zu einer Blockierung des auf der anderen Körperseite liegenden Kreuzdarmbeingelenkes und andersherum.
Das bedeutet, eine Bewegungseinschränkung des Kiefergelenkes kann nicht nur die beschriebenen Schwierigkeiten auslösen, sie kann auch das gesamte Becken und die Schub- und Schwungübertragung aus der Hinterhand auf den Rücken lahmlegen.
Dies ist eine weitere Erklärung dafür, warum mit harter Hand und zugeschnürtem Maul gerittene oder gar gewaltsam aufgerollte Pferde, niemals losgelassen sein können. Morgen in Teil VI: Biomechanik der Kreuzdarmbeingelenke. ©Julie von Bismarck