21/09/2016
I learned from you that I do not crumble,
I learned that strength is something you choose!
DENN EIN PFERD KANN WIRKLICH DEIN GANZES LEBEN VERÄNDERN!
Heute will ich euch mal eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die ich sonst nur sehr selten erzähle, weil ich es selbst etwas beängstigend finde, wie die Dinge sich entwickelt haben und was das Schicksal doch für einen Einfluss auf unser Leben hat.
Als ich einen kleines Mädchen war, habe ich oft abends, wenn ich nicht schlafen konnte, vor mich hingeträumt. Ich habe mir damals vorgestellt ich hätte eine wunderschöne Schimmelstute mit Fliegenpunkten mit der ich großartige Abenteuer erlebe. Wir sind zusammen durch die Welt geflogen und haben die tollsten Orte entdeckt und tolle Menschen auf unserem Weg getroffen. Sattel und Zaumzeug gab es in meinen Kinderträumen nicht! Ich bin einfach auf Moonlights Rücken geklettert, so hatte ich die Stute aus meinen Träumen genannt, und unsere Gedanken haben uns ausgereicht um zu kommunizieren. Keine Worte, keine Hilfsmittel, nur Gefühl, wir waren ein Team! Tja, die Träume eines kleinen Kindes eben!
Wenige Jahre später, mit fünf, bekam ich dann mein erstes Pony, Micky Maus, eine fuchsscheck-farbene Shetlandpony Stute. Sie hat mich lange begleitet und war mir eine großartige Lehrerin, doch es kam irgendwann die Zeit als ich zu groß für sie wurde. (keine Sorge, sie blieb auch dann noch lange bei uns, bis wir einen sehr schönen Platz bei einer Freundin gefunden hatten, wo sie ihren Lebensabend auf großen Wiesen verbringen durfte) Es wurde also Zeit ein neues Pferd für mich zu finden. Ich wollte damals unbedingt Turniere starten und hatte mir schon ausgemalt, dass mein nächstes Pferd nun ein schwarzer Reitponywallach werden sollte. Wie es 10-jährige so an sich haben, hatte dieser Wallach in meinen Gedanken natürlich auch schon einen Namen. Aber es kommt immer anders als man glaubt.
Meine Eltern sind also mit mir losgefahren um Pferde anzuschauen. Darunter war auch diese kleine weiße Stute mit Fliegenpunkten. Ein total zerzaustes Pferdchen mit dem Temperament für 3 Großpferde und den ängstlichsten und traurigsten Augen, die ich je gesehen hatte. Oh und ich hatte Angst vor ihr. Am Putzplatz benahm sie sich bereits wie ein Wildpferd, zappelte rum, versuchte sich loszureißen und hat getreten und auf dem Reitplatz lief es auch nicht besser und ich landete beim Probereiten prompt im Sand. Ich hatte wirklich höllische Angst vor ich und trotzdem hatte sie etwas tief in mir berührt. Als Kind ist man ja noch sehr auf seine Intuition bedacht und mein Herz hatte mir gesagt, dass diese verrückte Schimmelstute zu mir gehört, selbst wenn mein Verstand in ihrer Nähe anfing zu zittern.
Aber schlussendlich kam sie zu uns und es waren wirklich schwere erste Jahre. Sie war keine Boxenhaltung gewöhnt (was uns nicht gesagt worden war) und kam dementsprechend auf jeden der ihre Box betreten wollte, mit gefletschten Zähnen oder gehobenen Hinterbeinen zu. Schnell galt sie daraufhin im gesamten Stall als bösartig und gefährlich. Auch ansonsten war sie nämlich kein Engel: Am Putzplatz trat sie nach allem was sich hinter ihr bewegte, beim Reiten war der einzige Gang den es gab der Rückwärtsgang, nebenbei auch noch Steigen und Bocken. Ging es dann doch mal etwas vorwärts, dauerte es nicht lange bis sie versuchte ihren Reiter durch Wälzen loszuwerden. Wir fanden dann bald heraus, dass sie lange mit einem unpassenden kaputten Sattel geritten worden war und deshalb grauenhafte Rückenschmerzen hatte. Also war erstmal Pause angesagt und sie wurde entsprechend therapeutisch behandelt. Anschließend musste ihre Rückenmuskulatur neu aufgebaut werden, sprich ein halbes Jahr nur Longenarbeit. In meinem jungen Alter traute meine Mutter mir dies nicht zu, also machte sie es und stand bei jeder Einheit mit Reithelm in der Mitte des Longierzirkels, denn man wusste nie wann der kleine Schimmel keine Lust mehr hat und dies dem Menschen unmissverständlich mitteilte.
Schnell wurde sie dann auch umgetauft: Als wir sie bekamen hieß sie „Brana“. Der Name gefiel uns nicht und so änderten wir ihn in Sunshine, doch es fiel uns schnell auf, dass auch dieser Name nicht recht passte. Und so wurde aus „Sunshine“ dann „Sunfire“. Relativ passend für ein Pferd, dass dir bei richtiger Behandlung Wärme und Glück schenkt und dir bei der falschen Behandlung zeigt, welch zerstörerische Kraft in ihr steckt.
Nachdem Sunnys Rücken wieder in Ordnung war ging es langsam bergauf. Sie war immer noch unberechenbar, aber wir hatten neben den vielen Tiefen auch Höhen. Jedoch wurde in dem Stall damals noch nach den altmodischen, harten Methoden trainiert, die Sunny gar nicht gut fand. Und so konnten wir auch nie recht zueinander finden. Doch sie ließ dies nicht auf sich sitzen. Es kam der Tag, an dem sie auf ihre Art dafür sorgte, dass ich endlich aufwache und erkenne.
Ich war etwa 12 und brachte sie nach dem Training wieder auf die Weide, wo bereits ihr Abendheu bereitlag. Also drehte ich das Pferd zu mir um und löste den Karabiner. Daraufhin drehte Sunny sich ebenfalls um und verpasste mir mit ordentlich Schwung einen Tritt in die Rippengegend, woraufhin ich ein Stück durch die Luft flog, am Boden weiterrollte und auf der anderen Seite des Zaunes nach Luft schnappend zum Liegen kam. Sunny hat bereits erkannt was gerade passiert war und war panisch davon gestürmt. Als ich endlich wieder aufstehen konnte (es war glücklicherweise nur eine ordentliche Prellung entstanden), lief ich zurück zum Stallgebäude und informierte meine Mutter über das Geschehen und das sie mir nun helfen müsste das Pferd einzufangen. Sie war natürlich zutiefst geschockt und stand zum ersten Mal in all der Zeit auf der Seite der anderen, die sich in ihrer Überzeugung, Sunny wäre bösartig, bestätigt fühlten und behaupteten, sie wäre zu nichts zu gebrauchen, außer dazu geschlachtet zu werden. Es war unglaublich erschütternd zu sehen wie die ganze Welt an MEINER Stute zweifelte, obwohl ich diejenige war die den Tritt bekommen hatte. Doch es ließ mich gleichzeitig auch noch mehr hinter Sunfire stehen, denn ich wollte diese Menschen nicht recht behalten lassen. Schlussendlich konnte ich meine Mutter überzeugen Sunny zu behalten. Ab da las ich jedes Buch über Natural Horsemanship, das ich finden konnte, sah mir jede Dvd an und las jeden Internetartikel. Sunny hatte mir klar gemacht, dass es so nicht weitergehen konnte, also wollte ich einen anderen Weg finden, unseren Weg.
Und das klappte auch! Es dauerte zwar seine Zeit, schließlich hatten wir beide schlechte Erfahrungen mit dem anderen gemacht, aber wir konnten Schritt für Schritt zueinander finden. Und heute, nach fast 12 gemeinsamen Jahren, sind wir ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig blind vertraut und sich ohne Worte versteht. Und vor einigen Jahren stellte ich in einer Vollmondnacht abends auf der Weide, als Sunny sich nach mir umdrehte um sich mit einem Wiehern für den Abend zu verabschieden, fest, dass die Träume, die ich als kleines Mädchen hatte, nun wahrgeworden waren:
Ich habe diese wunderbare Schimmelstute mit den Fliegenpunkten gefunden, mit der ich das Abenteuer Leben bewältige und zu der ich eine Bindung habe, die weder Hilfsmittel noch Worte braucht, sondern nur ehrliche Gedanken. Kein Sattel, kein Zaumzeug sind mehr nötig, nur wir zwei. Ich hatte diese Kindheitsträume schon lange bevor Sunny in mein Leben kam vollkommen vergessen, doch an diesem Abend fielen sie mir wieder ein. Und plötzlich wurde mir bewusst, welch ein verrücktes Spiel das Schicksal mit uns spielt. Damals hatte es mir die TRÄUME von dieser wunderbaren Stute MOONLIGHT geschenkt, die mir durch schlaflose NÄCHTE half und Jahre später, als ich jemanden brauchte, der mir den richtigen Weg zeigt, hat es mir SUNFIRE geschickt, die mich jeden TAG aufs Neue forderte und mich in die richtige Richtung lenkte. Sie bereichert seit dem mein LEBEN mehr als alles andere und hat mich gelehrt, zu verstehen, zu erkennen und vor allen Dingen zu fühlen und mich in andere Wesen hinein zufühlen. Egal wie hart dieser Weg auch war, ich würde niemals etwas daran ändern, denn wer weiß was sonst aus mir geworden wäre. Wir sind beide zu einem Teil des anderen geworden, untrennbar miteinander verbunden und ich freue mich schon auf die Abenteuer die noch kommen werden!
Ich erzähle heute diese Geschichte, weil ich in letzter Zeit wieder einige heftige Rückschläge (nicht mit Sunny, sondern einfach im Leben) hatte und jetzt jedoch erkannt habe, dass diese Rückschläge nicht dazu da sind mich fertig zu machen, sondern mir eine Chance geben, die Dinge zu überdenken und besser zu machen und vor allen Dingen endlich den Mut zu finden, einen lang ersehnten Traum zu verwirklichen! Das werde ich nun auch tun! (Ein anderes Mal erzähle ich mehr dazu)
Also an alle von euch da draußen, die es momentan auch nicht leicht haben: Lasst euch nicht unterkriegen und seht jeden Rückschritt als eine Möglichkeit an einen besseren Weg zu finden! Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch etwas Gutes hat, denn es gibt keinen Schatten ohne Licht! Also nehmt die Herausforderung an, ändert eure Perspektive und macht das Beste aus jedem Fehlschlag! Ich glaube an euch und ich bin sicher nicht die Einzige!