09/07/2013
Nun folgt noch der (etwas lange) Schlussbericht der Junioren Nati, die nun inzwischen seit Montag wieder heimischen Boden unter den Füssen hat.
Kampagne geht ohne Medaille zu Ende
Die Schweizer Beachhandball Junioren Nationalmannschaft hat ihr angestrebtes Ziel an der EM in Dänemark verpasst und musste die Heimreise ohne Medaille im Gepäck antreten. Die Enttäuschung war bei Spielern und Staff riesig, denn eigentlich fehlte nicht viel.
TAG 3: Der Tag begann für die Junioren um 8 Uhr in der Früh mit dem Morgenessen. Danach begaben sich die jungen Männer zum Turniergelände und wohnten dem ersten Spiel der Schweizer Juniorinnen bei, ehe sie sich selbst einlaufen mussten und sich auf das Spanien-Spiel fokussierten. Zu Beginn des Spiels spürte man den Spielern die Nervosität an, es wollte nicht viel gelingen und die erste Hälfte ging recht deutlich mit 7 Punkten Unterschied an die Spanier. Nach der Pause lief es dann den Schweizern besser. Gekonnt wurde Dominik Wüst am Kreis jeweils mit Flieger-Pässen bedient, sodass seine Tore doppelt zählten. Kurz vor der Sirene lagen die Schweizer mit einem Punkt hinten. Marco Bodmer nahm das Time-Out und sagte, wie die Taktik für den letzten Angriff aussah. Dave Schmid fasste sich daraufhin wie abgemacht ein Herz und zimmerte den Ball unhaltbar in die linke obere Ecke. Da er der sogenannte Spezialist ist, zählen seine Tore immer doppelt und die Schweiz gewann somit den zweiten Umgang mit einem Punkt Vorsprung. Das Shoot.-Out musste über den Sieger entscheiden. Den Schweizer wollte es in drei von fünf Versuchen nicht gelingen, den Ball am spanischen Keeper vorbeizubringen, was gleichbedeutend mit der Niederlage war, da die Schweizer Torhüter keine Schüsse der Iberer entschärfen konnten. Am Abend stand noch die Partie gegen den Testspielgegner vom Vortag auf dem Plan. Die Norweger wollte man unbedingt besiegen, was schlussendlich im Shoot-Out auch gelang. Die erste Halbzeit hatten die Schweizer noch mit grossem Abstand gewonnen, in der zweiten stellten sie sich dann etwas gar unbeholfen an, wodurch die Norweger die Halbzeit mit einem Punkt Unterschied für sich entscheiden konnten. Im Shoot-Out gab man sich im Gegensatz zum Nachmittags-Spiel keine Blösse und verwandelte alle fünf Schüsse souverän. So standen den Schweizern nach dem ersten Turniertag ein Sieg und eine Niederlage zu buche. Den Abend liess man im Hotel bei Kartenspielen und Billard gemütlich ausklingen.
TAG 4: Auch am zweiten Spieltag begaben sich die Schweizer um 8 Uhr an den Frühstückstisch, da bereits zwei Stunden später das Duell mit dem Europameister Russland anstand. In der ersten Halbzeit hatten die Schweizer rein gar nichts zu bestellen. Die Russen waren in allen Belangen besser. In der Abwehr standen sie so kompakt, dass die Flügel Würfe aus schlechten Positionen nehmen mussten, Wüst am Kreis nicht bedient werden konnte und wenn Spezialist Dave Schmid schoss, blieb er meistens am Block des Mittelmannes hängen. So ging die erste Halbzeit mit einer grossen Differenz von elf Punkten verloren. In der zweiten rafften sich die Schweizer noch einmal auf und kämpften, um noch irgendwie ins Shoot-Out zu kommen. Aber die Russen blieben einen Tick besser und routinierter, sodass sie die zweite Halbzeit auch nach Hause brachten. Dies mit fünf Punkten Vorsprung. Danach ging es für die Schweizer in die Hauptrunde, wo man noch am selben Tag auf die Türkei und Serbien traf. Die Türken waren im Vorjahr Finalist und den Schweizern bestens bekannt. Beide Halbzeiten verliefen extrem ausgeglichen, wobei die Türken jeweils knapp die Oberhand hatten. Die erste Hälfte ging mit 14:15 an die Türken und auch die zweite entschieden sie für sich, mit 16:18. Das nervte die Schweizer relativ stark, denn man hätte durchaus gewinnen und sich so eine bessere Ausgangslage für die Viertelfinals verschaffen können. Immerhin konnte man die Serben mehr oder weniger ohne Probleme schlagen, auch wenn diese im Schnitt sicher zwölf Zentimeter grösser waren als die eher kleingewachsenen Schweizer (1.83 Meter im Schnitt). Nach diesem Sieg war schnell klar, dass man im Viertelfinale einen grossen Brocken als Gegner bekam, die Frage war, ob Ungarn oder Russland. Es war die letztere Nation, die die Schweizer am Sontag um 11 Uhr zum Tanz bat. Deshalb gingen die jungen Männer auch früh ins Bett, um ausgeschlafen zu sein, wenn es ernst galt und man die grosse Überraschung des Turnieres schaffen wollte.
TAG 5: Ausgeschlafen stand man um 8 Uhr im Essraum, topmotiviert, die Russen davon abzuhalten, den Titel aus dem Vorjahr verteidigen zu können. Beim Einwärmen spürte man die Spannung, aber auch ein gewisses Stück Nervosität, das die Schweizer in sich trugen. Während dem Spiel machte vor allem die Defensive mit Robi Spiess, Andri Binda und Marco Zanandreis im Tor einen bestechenden Eindruck. Die russischen Flügel bissen sich an Binda förmlich die Zähne aus. Trotzdem gelang es ihnen auch dank ihrem starken Schlussmann, die erste Halbzeit zu gewinnen, mit einem Punkt Vorsprung. Ärgerlich für die Schweizer war vor allem, die schlechte Ausbeute im Abschluss. In der zweiten Hälfte sollte nun alles besser werden, damit man im Shoot-Out die Chance wahren konnte, ins Halbfinale einzuziehen. Aber leider wollten die Bälle immer noch nicht immer den Weg ins russische Tor finden. Die Russen konnten sich so einen kleinen Vorsprung erarbeiten und diesen schlussendlich über die Zeit retten. Für die Aargauer war somit der grosse Traum von der Medaille jäh geplatzt und einige zeigten dies auch, indem sie bittere Tränen der Enttäuschung vergossen. Doch für die grosse Enttäuschung blieb nicht viel Zeit, man musste sich schnell wieder finden und auf das anstehende Spiel gegen Norwegen fokussieren. Dieses wollte man unbedingt gewinnen, um noch auf den fünften Schlussrang zu klettern. In der ersten Halbzeit waren es die Torhüter und die Torumrandungen, die mithalfen, dass das Score relativ niedrig war. Zum Schluss verhalf ein krasser Fehlentscheid, für den in der Pause noch die Entschuldigung der Schiedsrichterin folgte, den Norwegern dazu, die erste Halbzeit zu gewinnen, mit einem Punkt Unterschied. Wie so oft an diesem Turnier war das Glück nicht aufseiten der Schweizer Beacher. Auch im zweiten Umgang durften sich Alessandro Crippa, Marco Zanandreis und ihr norwegischer Antipode viele Paraden notieren lassen. Das Resultat auf der Anzeigetafel war nach den zweiten zehn Minuten ausgeglichen, weshalb es zu einem Golden Goal kam. Und dieses war nichts für schwache Nerven, schlussendlich auch nichts für die Schweizer. Einige Male winkte das Shoot-Out schon, doch immer wieder funkten die rumänischen Schiedsrichterinnen dazwischen und entschieden sich gegen einen Schweizer Penalty, Ballbesitz oder Einwurf. Schlussendlich trafen die Norweger das Tor doch noch und gewannen somit das Spiel. Die Schweizer fühlten sich arg benachteiligt, machen konnten sie aber nichts. Im letzten Spiel gegen Serbien war jeglicher Enthusiasmus von vorangegangenen Partien verflogen. Zum Glück war dies bei den Serbischen Kontrahenten auch der Fall. Beide Teams gewannen je eine Halbzeit. Die Schweizer entschieden anschliessend das Shoot-Out für sich und landeten auf dem siebten und somit vorletzten Rang. Es herrschte eiserne Konsternation bei den Schweizern, die nun so weit weg und doch so nah an den Medaillen dran waren. Dafür holten sie sich die inoffizielle Goldmedaille in Sachen Feiern. An der Players Party hatten alle prächtig Spass und alle wollten mit den Aargauer Jungs mitfeiern. So gab es eine lange Nacht, der eine kurze Zeit zum frühstücken folgte. Danach holte man die Koffern aus den Zimmern, verstaute sie im Car und fuhr mit diesem auf direktem Weg an den Hamburger Flughafen. Nach einem 75-minütigen Flug ohne jegliche Zwischenfälle traf man in Basel am Flughafen ein. Danach verabschiedete man sich und ging auseinander. Die Erkenntnisse der tollen und zugleich auch enttäuschenden Kampagne waren, dass es immer 100% Einsatz und Leistung braucht, um zu gewinnen im Beachhandball und jeder Fehler wird auf diesem hohen Niveau gnadenlos ausgenutzt. Das Team hatte sich dafür auf und neben dem Platz ausgezeichnet verstanden. Auch mit den Juniorinnen aus Nottwil hatte man grossen Spass bei abendlichen Kartenspielen und während den Spielen unterstützte man sich gegenseitig von der Tribüne aus. So ging eine tolle Zeit zu Ende, die sich vielleicht ja in zwei Jahren mit den gleichen Teams bei den Erwachsenen wiederholen wird.
Es waren dabei: Andri Binda, Alessandro Crippa, Arjuna Herrle, Stefan Mühlthaler, Dave Schmid, Michel Schmid, Robi Spiess, Nils Widmer, Dominik Wüst, Marco Zanandreis (Spieler) Marco Bodmer, Joel Hintermann, Sven Kunz (Coaching) Marcel Brengard, Marc Eisenhut, Mike Jaun (Betreuung)
DANKE FÜR ALL DEN SUPPORT!!