09/06/2026
Wann haben wir eigentlich aufgehört, am Wochenende klettern zu gehen?
Diese Frage kam mir vor kurzem in den Sinn.
Nicht, weil wir uns gestritten hätten.
Nicht, weil es einen großen Einschnitt gegeben hätte.
Sondern weil mir plötzlich aufgefallen ist, dass etwas fehlt.
Früher sind mein Partner und ich regelmäßig am Wochenende klettern gegangen. Wir waren unterwegs, haben gemeinsame Zeit verbracht und hatten Aktivitäten, die einfach selbstverständlich zu unserem Alltag gehörten.
Heute führen wir beide neben unserem ursprünglich gelerntem Beruf noch ein weiteres Unternehmen.
Er im Coaching.
Ich im Kommunikationstraining.
Und plötzlich ist immer irgendetwas zu tun.
Noch eine E-Mail.
Noch eine Idee.
Noch ein Projekt.
Noch eine Aufgabe.
Nicht von heute auf morgen.
Sondern Schritt für Schritt.
So langsam, dass wir es lange gar nicht bemerkt haben.
Bis irgendwann die Frage auftauchte:
„Wann haben wir eigentlich aufgehört, am Wochenende klettern zu gehen?“
Je länger ich darüber nachdenke, desto häufiger entdecke ich solche Veränderungen.
Sie kommen selten laut.
Niemand beschließt:
„Ab heute verbringen wir weniger Zeit miteinander.“
Niemand sagt:
„Ab heute ist Arbeit wichtiger als Freizeit.“
Und trotzdem kann genau das passieren.
Nicht nur in Beziehungen.
Auch in Teams.
In Unternehmen.
In Praxen.
Eine Aufgabe bleibt immer bei derselben Person hängen.
Ein bestimmter Ablauf wird zur Gewohnheit.
Eine Erwartung entsteht, ohne dass sie jemals ausgesprochen wurde.
Und irgendwann merkt jemand:
„Eigentlich wollte ich das so gar nicht.“
Bei uns war das nicht nur das Thema Freizeit.
Auch andere Dinge hatten sich eingeschlichen.
Zum Beispiel die Frage, wer sich um das Essen kümmert.
Weil ich häufiger von zu Hause aus arbeite, habe ich immer öfter eingekauft, geplant und gekocht.
Nicht, weil wir das beschlossen hätten.
Sondern weil es sich ergeben hat.
Irgendwann war ich zuständig.
Zumindest gefühlt.
Bis der Punkt kam, an dem ich merkte:
So hatte ich das nie beabsichtigt.
Und: es ist mir zuviel.
Die Lösung war nicht, sofort alles zu verändern.
Zuerst brauchte es etwas anderes:
Das Gespräch.
Es war wichtig, überhaupt erst wahrzunehmen, dass sich etwas verändert hatte.
Darüber sprechen, wie es dazu gekommen ist.
Dann überlegen, was wir künftig anders gestalten möchten.
Inzwischen haben wir beschlossen, unsere Wochenendabende bewusst freizuhalten und wieder gemeinsame Aktivitäten einzuplanen.
Nicht spektakulär.
Erst einmal klein.
Aber bewusst.
Vielleicht beginnt genau dort gute Kommunikation.
Nicht erst dann, wenn ein Konflikt entstanden ist.
Sondern dann, wenn wir uns gemeinsam fragen:
„Ist das eigentlich noch das, was wir wollen?“
Denn vieles, was uns später belastet, beginnt oft mit kleinen Veränderungen, die lange niemand ausgesprochen hat.
Und manchmal ist der wichtigste Schritt nicht die Lösung.
Sondern das Gespräch darüber.