09/06/2026
SKV hat jetzt vier Weltmeister
Tim Brachtel, Daniel Barth, Lukas Funk und Alen Kujundzic holen bei der Einzel-WM in Schwaz (AUT) Goldmedaillen. Deutsche gewinnen Nationenwertung.
Was für eine Kegelwoche!!! Von Sonntag bis Samstag Spitzensport vom Feinsten und dann auch noch mit wahnsinnigen Erfolgen der Deutschen sowie früherer, aktueller und zukünftiger Zerbster SKV-Kegler. Bei der X. Weltmeisterschaft der Männer und Frauen im Classic-Kegeln im österreichischen Schwaz bewiesen die Gastgeber ein überragendes Organisationstalent und die deutsche Nationalmannschaft ihre dominierende Rolle in der Kegelwelt. Deutschland gewann mit insgesamt vier Gold-, drei Silber- und drei Bronzemedaillen souverän die Nationenwertung.
Wesentlichen Anteil daran hatten die Männer des deutschen Meisters SKV Rot Weiß Zerbst um SKV-Sportchef und Männer-Nationaltrainer Timo Hoffmann. „Ich und mein Trainer-Kollege Milos Ponjavic sind extrem stolz auf das Erreichte. Wir konnten das starke Ergebnis von vor zwei Jahren noch einmal toppen und durch alle unsere Spieler zeigen, dass mit uns in dieser Breite auch zukünftig zu rechnen ist“, schwärmte Hoffmann regelrecht von seinen Spielern.
Die deutschen Frauen unter Trainer Thomas Schneider um ihre Vorzeige-Athletin Bianca Golla erkämpften den Titel im Tandem und gleich drei Silbermedaillen im Paarkampf, dem Frauen-Einzel und der Kombination.
Doch die deutschen Männer „setzten noch Einen“ drauf. Gleich am Montag starteten sie im Paar-Wettbewerb, der mit den Einzel-Ergebnissen auch gleichzeitig als Qualifikation für den Einzel-Wettbewerb und als Teil der Kombination gewertet wurde, überragend. Daniel Barth (690) und Lukas Funk (682) setzten sich früh an die Spitze des Feldes und wurden wegen ihre ausgeglichen starken Ergebnisse mit zusammen 1.372 Kegeln auch nicht mehr eingeholt. Der erste Männer-Titel der WM ging gleich nach Zerbst. Der „Noch-Zerbster“ Lukas Huber verhalf sich und seinem österreichischen Team-Kollegen Philipp Vsetecka (652) mit tollen 712 Kegeln auf den Silberrang. „Jetzt hat Lukas sein wahres Leistungsvermögen wieder auf die Bahn gebracht. Das freut mich sehr für ihn“, meinte Hoffmann zur Leistung seines scheidenden Spielers.
Das zweite deutsche Duo mit den Zerbstern Tim Brachtel und Chris Wilke (637) erkämpfte Bronze. Dabei setzte sich Brachtel mit überragenden 724 Kegeln an die Spitze des gesamten Feldes und schaffte schon hier die Voraussetzungen für ein tolles Kombinationsergebnis. Wilke schaffte als 32. gerade noch die Qualifikation für den Einzel-Wettbewerb, freute sich riesig über das gemeinsame Edelmetall.
Auch das dritte deutsche Paar mit SKV-Rückkehrer Jürgen Pointinger (653) und dem Bamberger Marco Endres (651) performte stark, wurde Zwölfter und beide Spieler qualifizierten sich für den Einzel-Wettbewerb, der ab Donnerstag ausgetragen wurde. „Das kam nicht von ungefähr. Was alle Sechs in der Vorbereitung für Disziplin und Feuer an den Tag gelegt haben, war schon beeindruckend. Wir sind eine eingeschworene Truppe, das war das Fundament für diese Leistung“, wusste Trainer Hoffmann, warum sein Team in der Breite so stark auftrat.
Barth wird zum Spieler der WM
Am Dienstag gingen im Sprint, es werden in direkten Duellen auf zwei Bahnen nur 20 Wurf gespielt, drei Zerbster für Deutschland an den Start. Brachtel und Funk schieden teils sehr unglücklich bereits in der ersten Runde aus, Funk trotz deutlich besserem Gesamt-Ergebnis durch zwei Sudden Victorys, Entscheidungswürfen zuerst nach Kegelgleichheit auf der zweiten Bahn und dann nach Satzgleichstand.
Paar-Weltmeister Barth spielte sich souverän von Runde zu Runde, ohne auch nur einen Satz abgeben zu müssen. Einmalig in der WM-Sprint-Geschichte. Im Viertelfinale fertigte er seinen künftigen Team-Kameraden Alen Kujundzic (SRB) mit 2:0 und dem besten Ergebnis des Wettbewerbs (248), nur sechs Kegel unter Brachtels Weltrekord, ab. Das Halbfinale gegen Ziga Pozar (CRO) war dann ebenso eine klare Sache, wie das Finale gegen den ehemaligen Zerbster Igor Kovacic. So konnte Barth über seinen zweiten WM-Titel jubeln und wurde schon da zum Spieler der WM.
In den Tandem-Wettbewerben, hier spielen zwei Spieler immer abwechselnd auf einer Bahn, durfte jeweils nur ein deutsches Paar an den Start gehen. Im Tandem der Männer gewannen Pointinger und Brachtel in Runde eins klar gegen das rumänische Paar. Leider verloren sie im Viertelfinale gegen die späteren Bronze-Medaillen-Gewinner aus Österreich trotz guter Ergebnisse knapp im Sudden Victory.
Für das Mixed-Tandem der Deutschen, wo ein Mann und eine Frau gemeinsam kegeln, war das französische Duo in Runde eins ebenfalls erst im Sudden Victory Endres und Diana Langhammer knapp überlegen.
Ab Donnerstag ging es dann im „Haupt-Wettbewerb“, dem Einzel, um die Titel und Medaillen. Durch die guten Leistungen im Paarkampf am ersten Wettkampftag hatten sich alle sechs deutschen Männer für die erste K.o.-Runde der besten 32 Starter qualifiziert. Gleich in der ersten Partie standen sich die Paarkampf-Partner Brachtel und Wilke direkt gegenüber. Wilke steigerte sich mit 670 Kegeln deutlich gegenüber dem Qualifikations-Wettkampf hatte aber gegen den erneut stark aufspielenden Brachtel (698) keine Chance. Barth (681) trumpfte gegen den Tschechen Hazva groß auf, Funk (676) kämpfte den Slowaken Kuna nieder und Endres (653) machte mit Krug (POL) kurzen Prozess. Pointinger (618) musste gegen Zapletan (HUN) die Segel streichen.
Deutsch-deutsches Duell
In Runde drei kam es am Freitag zum nächsten deutsch-deutschen Duell, in dem Endres gegen Funk deutlich mit 4:0 die Oberhand behielt und ins Viertelfinale einzog. Gleiches gelang Brachtel und Barth in überzeugender Manier. Dort ging es dann schon um den Einzug in die Medaillenspiele, also um Edelmetall. Brachtel gewann mit dem nächsten Top-Resultat von 706 Kegeln gegen den Franzosen Koell und hatte so schon Bronze sicher. Endres kämpfte sich in einem ganz engen Fight gegen Luki Huber bei 2:2 Sätzen wegen einiger mehr erzielter Kegel in das Halbfinale. Das blieb Barth gegen Kujundzic knapp verwehrt. Der Zerbster Neuzugang der kommenden Saison gewann in teils knappen Sätzen 3:1 und wehrte Barth´s starke Aufholjagd kurz vor Schluss noch sicher ab.
Krönender Abschluss der WM
Der Samstag wurde dann zum krönenden Abschluss der WM. Im Halbfinale unterlag Endres dem jungen Magala (SVK) mit 1:3, freute sich aber sehr über Bronze. „Eigentlich will ich bei den starken Leistungen aller keinen herausheben. Aber Marco hat als Neuling schon außergewöhnlich gut agiert“, gab es ein Sonderlob des Trainers für den Bamberger.
In einem, vom Spielverlauf und von den Ergebnissen her, vorgezogenen Finale duellierten sich die zukünftigen Team-Kollegen Kujundzic (698) und Brachtel (687) auf höchstem Niveau und auf Augenhöhe. Der Serbe brachte aber drei Sätze auf seine Seite und verdarb dem Deutschen so die Chance auf die Titelverteidigung.
Kujundzic kommt nun als neuer Einzel-Weltmeister zum SKV, denn im Finale fertigte er nach verhaltenem Start Magala mit seinem Turnierbestwert von 705 Kegeln ab und holte sich sehr verdient den Titel. „Für mich war das der logische Weltmeister. Über die ganze Saison hinweg war er der weltbeste Spieler. In den entscheidenden Phasen hat er auch hier sein bestes Spiel abgeliefert. Ich bin sehr froh, dass er ab jetzt bei uns in Zerbst spielt“, gratulierte Hoffmann dem „richtigen Weltmeister“.
Die letzte Entscheidung der Meisterschaft war aber bereits vorher gefallen. Tim Brachtel krönte sich mit den 724 Kegeln aus dem Paar-Wettbewerb und seinem besten Ergebnis aus den direkten Einzel-Duellen (706) zum Kombinations-Weltmeister vor den Österreichern Huber und Temistokle. Verdienter Lohn für absolut ausgeglichene Leistungen auf Top-Niveau über die gesamte Meisterschaft hinweg.
Was für eine Kegelwoche im österreichischen Schwaz mit Spitzensport vom Feinsten und dann auch noch mit wahnsinnigen Erfolgen der Deutschen sowie früherer, aktueller und zukünftiger Zerbster SKV-Kegler.
Fotos: DKBC/Martin Herold