09/04/2018
Bogenurlaub in der Toscana
Wir wollten Urlaub in der Toscana machen. Und meine Frau wollte nach Jahren mal wieder Bogenschiessen. Was lag näher, als beides zu verbinden? In der Nähe von Castellina in Chianti, ca 30 km südlich von Florenz, betreibt Ulrike Eder ein Landgut mit Ferienwohnungen, seit einigen Jahren auch mit Bogenparcour. Soviel wusste ich. Also fuhren wir an Gründonnerstag dort vorbei, um uns einen Überblick zu verschaffen. Dort wurden wir gleich herzlich begrüßt und erfuhren, dass am nächsten Tag ein kleines Turnier stattfand. Und ob wir nicht mitmachen wollten? Meine Frau hatte seit 5 Jahren nicht mehr geschossen, ich seit 2 Jahren auch kein Turnier mehr. Trotzdem sagten wir zu – und sollten es nicht bereuen. Als wir am nächsten Morgen um 9.00 Uhr dort ankamen, gab es erst mal Frühstück, alle an einem langen Tisch, ein paar Schützen eines benachbarten itlienischen Bogenclubs kamen noch dazu. Es war ein Durcheinander in Deutsch und Italienisch, eine sehr entspannte Atmosphäre - und ein leckeres Frühstück.
Das Wetter spielte auch mit, kühl, aber sonnig, wir hatten eine nette Gruppe mit Anton und seiner Frau, die selber nicht schoss, dafür aber das Schreiben übernahm. Und drei Italiener, der Senior mit 71, sowie Guiseppe und sein Sohn, noch Jugendlicher.
Insgesamt gibt es drei Parcoure, im Talabschluss den blauen Parcour mit 2 Zielen, den wir heute schossen. Bei diesem Parcour handelt es sich um einen Parcour nach IFAA-Regeln, also „Autobahn“. Breite Schneisen ohne Hindernisse, trotzdem nicht immer einfach zu schiessen aufgrund des Geländes. Teilweise weit gestellte Ziele bergauf, wobei die Entfernung aufgrund der vorhandenen Senken und Geländestufen nicht immer einfach zu schätzen war. Ausgepflockt waren für die weiten Schüsse drei Pflöcke, wobei nach jedem Schuss einen Pflock vorgerückt werden durfte. Die meisten nutzten diese Möglichkeit nicht, sondern schossen alle Pfeile von dem weitesten Pflock.
Bei den meisten Zielen ist ein ausreichender Backstopp vorhanden, nur beim Fuchs schoss meine Frau drüber und versteckte den Pfeil in einem dahinterliegenden undurchdringlichen Schlehengestrüpp. Getreu dem Motto: „Suchst Du noch oder triffst Du schon?“ Um den Pfeil zu holen, hätten wir schon mehrere schwere Macheten gebraucht.
Los gings mit einem Bergaufschuss auf ein Javellina, ein einfaches Ziel, danach Fuchs und liegende Gams.
Schön zu schiessen der Waschbär auf einem Stamm unten am Bach, bei Fehlschüssen durfte man die Pfeile aus dem - glücklicherweise sandigen – Bachbett holen.
Meine Frau schaffte es, einen Pfeil in einem Ast hoch über dem Bach zu platzieren, aber Anton als Gentleman warf sich mutig in die Fluten und rettete den Pfeil.
Der nächste Schuss war etwas besonderes, ein Luchs, über den Bach bergauf zu schießen, ein weiter Schuss. Und die ersten 5 Schützen trafen alle mit dem ersten Pfeil.
So ging es abwechslungsreich weiter, es wurde richtig warm, die Stimmung war prächtig, mit Unterhaltungen in einem Kauderwelsch aus Deutsch, Italienisch und Englisch.
Zwischendurch kam Fabian – der Parcourbauer – vorbei und brachte Schokoeier zum Naschen mit. Leicht müde kamen wir endlich am Haupthaus an, wo Ulrike schon für Stärkung gesorgt hatte. Kartoffelsuppe und Würstchen, alternativ eine leckere Kürbissuppe, dazu ein Glas Wein aus der Region, alles war bestens.
Was uns in Erinnerung bleibt, ist die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der wir aufgenommen wurden.
Geschossen wurden folgende Ziele:
AA Javelina, SRT Fuchs, SRT liegende Gams, SRT Waschbär, SRT Luchs, SRT Wildkatze, AA Reh, Italespano Gams, SRT Bisamratte, AA Steinbock liegend, Italespano Fuchs, AA stehender Bär, AA Biber, SRT Wildkatze, AA Reh, Italespano Keiler, SRT Luchs, AA Keiler, SRT Steinbock, SRT große Eule, Italespano Reh, AA Hirsch, AA Truthahn, SRT Wolf, AA javelina, Italespano Schnecke, Franzbogen Kaninchen, Franzbogen Fuchs
Eine sehr ausgewogene Mischung, die meisten Tiere neu, nur zwei oder drei ältere, aber noch nicht zerschossen