21/08/2026
Luhmühlen wird zum Dressur-Magnet
400 Nennungen, S-Premiere und starke Beteiligung: Der Fahrsportverein Winsen setzt ein Ausrufezeichen im Pferdesport
VON KATHRIN RÖHLKE
Luhmühlen. „Der Landkreis Harburg zählt zu den pferdestärksten Regionen in Niedersachsen – wenn nicht sogar in Norddeutschland“, sagt Erich Lubina. Seit vielen Jahren steht der 82-Jährige an der Spitze des Fahrsportvereins Winsen. Neben dem Gespannfahren, mit dem der Verein einst groß geworden ist, gewinnt die Dressur dort zunehmend an Gewicht. Als jetzt in Luhmühlen das zweitägige Turnier des Vereins mit 400 Nennungen über die Bühne geht, darf Lubina natürlich nicht fehlen.
Gemeinsam mit seinen Stellvertretern Henryk Hecht aus Lüneburg und Dr. Thassilo von Loesch hat der Fahrsportverein bereits im dritten Jahr in Luhmühlen ein hochklassiges Dressurturnier auf die Beine gestellt. „Vor drei Jahren haben wir mit 200 Nennungen begonnen. Dieses Jahr wagen wir uns erstmals an die S***-Prüfung“, berichtet Hecht, eigentlich von Hause aus Springreiter.
Möglich wurde dieser Sprung nur dank Sponsoren. Denn in diesem Segment muss ein adäquates Preisgeld gezahlt werden. „Und Sponsoren sind wirklich schwer zu finden“, schildert Hecht, der umso glücklicher ist, großzügige Unterstützer gefunden zu haben.
Die Mühe zahlt sich aus. „Viele Starter in jeder Prüfung – das kann sich sehen lassen“, sind die Verantwortlichen stolz auf die schöne Entwicklung, die das Turnier genommen hat. Der Name Luhmühlen hat im Pferdesport Gewicht. Die Reiter kommen aus der Region, aber auch aus Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern.
Zucht und Ausbildung als Erfolgsgeheimnis
In den Prüfungsvierecken wird genau hingeschaut. „Ein gutes Dressurpferd zeichnet sich durch Rhythmus, Schwung und einen guten Körperbau aus“, erzählen die beiden Experten Lubina und Hecht. Ein schöner Hals und eine kräftige Hinterhand seien entscheidend. Deswegen gibt es auch jetzt wieder Dressurpferdeprüfungen, in denen genau diese Faktoren der Tiere bewertet werden – ein wichtiger Baustein für die Klasse des deutschen Reitsports, klärt Lubina auf: „Die Dressurpferde sind in den letzten Jahren immer besser geworden. Dazu tragen Zucht und Ausbildung maßgeblich bei.“ Und der Winsener fügt an: „Die deutsche Grundausbildung von Pferden und Reitern ist exzellent. Die ist so penibel aufgebaut wie sonst nirgends.“
Eine, die auf diese Ausbildung setzt, reitet gerade aus dem Viereck: Carolina Miesner. Natürlich nicht, ohne Einstein für seine feine Leistung ausgiebig am Hals zu tätscheln. Am Pferdetransporter springt sie zufrieden aus dem Sattel und nimmt sich Zeit für ein kurzes Gespräch. „Ich muss Steini nur eben versorgen. Das Pferd kommt immer an erster Stelle“, sagt die 20-Jährige aus Scheeßel lachend.
„Das Pferd kommt immer an erster Stelle“
Erfolge sind für sie zweitrangig. „Uns geht es hier weniger um den Erfolg“, erzählt Carolina, die gerade eine Ausbildung zur Pferdewirtin macht. Ihr Wallach Einstein gehört mit seinen acht Jahren noch zu den Youngstern im Turniersport, bringt aber hervorragende Anlagen mit.
Die Entscheidung für ihn fiel schnell. „Als wir ein Dressurpferd gesucht haben, hat Steini uns auf Anhieb gecatcht. Wir wussten von vornherein, dass er seine Zeit brauchen wird und Erfahrungen sammeln muss“, berichtet Carolina. Zu Hause hat sie mit ihrem Pferd viel gearbeitet und führt ihn jetzt vorsichtig an Turniere heran. Sie hat einen klaren Weg vor Augen: Sie möchte mit Einstein Grand-Prix-Prüfungen reiten. Noch ist vieles Neuland für den Achtjährigen.
„So ein Turnier ist immer noch aufregend für ihn. Die Eindrücke darf er jetzt erst einmal in Ruhe verarbeiten“, sagt Carolina Miesner. Sie ist mit einem guten Gefühl für sich und ihr Pferd aus der Prüfung gegangen. „Steini hat sich angestrengt und war sehr konzentriert. Das ist für die Tiere schon ein besonderes Gefühl: Auf dem Abreiteplatz sind noch andere Pferde, dann geht es ins Prüfungsviereck, und da ist man dann plötzlich alleine. Dazu noch die große Kulisse drumherum. Da ist schon ordentlich was los für so ein junges Pferd.“
Seinen Job hat der Achtjährige an diesem Wochenende gut gemacht. Erst mit zwölf, 13 Jahren sind Dressurpferde auf ihrem Leistungshöhepunkt. Und vielleicht starten Carolina Miesner und Einstein in fünf Jahren im Grand Prix mit den Besten.
Dass es am zweiten Turniertag ordentlich heiß wurde, störte die vierbeinigen Sportkollegen eher wenig. Die Veranstalter sorgten für Wasser, Schattenplätze und kurze Wege – den Rest erledigte die Natur. „Pferde können Hitze ganz gut wegstecken. Auf der Weide drehen sie den Hintern einfach in den Wind“, sagt Erich Lubina schmunzelnd.