13/02/2023
Aus aktuellem Anlass hier noch einmal:
Es sind nicht die Sporen, es ist auch nicht das Reithalfter oder das Gebiss - es ist einzig und allein der Reiter, der darüber entscheidet, ob die Reitausrüstung als Mittel zur feinst möglichen Kommunikation dient oder zu einer Waffe wird, mit der sich dem Pferd größtmöglicher Schaden zufügen lässt. Weil man sie nicht korrekt verschnallt, oder missbräuchlich benutzt, weil die Ausrüstung genutzt wird, um fehlendes reiterliches Können oder Lücken in der Ausbildung des Pferdes zu kompensieren oder gar, um Leistungen zu erzwingen, die das Pferd, z.B. aufgrund von Schmerzen oder körperlichen Einschränkungen gar nicht erbringen kann.
Und genau das ist der Grund, warum ich gegen die Verwendung schmerzhafter Ausrüstung bin - im Sinne von: extra schmerzhafter Ausrüstung, die nun einmal über dieses Prinzip funktioniert. Ein Sporn wirkt, weil er dem Pferd in den Bauch sticht, ein Knotenhalfter wirkt, weil die dünnen Schnüre und harten Knoten schmerzhafter/unangenehmer sind, als ein weiches Stallhalfter, eine Kandare/jedes andere scharfe Gebiss wirkt, weil es mehr Schmerz auf dem Unterkiefer/der Zunge/ dem Nasenrücken (Hackamore etc) verursacht, als eine normale Wassertrense. Das Pferd reagiert schneller, weil es schmerzhafter ist. So einfach ist das. Und klar, ein Reiter mit hervorragenden Fähigkeiten packt die Kandare nicht an und versenkt die Sporen nicht bei jedem Schritt/Tritt/Sprung im Pferdebauch - nur, warum dann überhaupt verwenden?
Und das ist das große Problem: Ein wirklich guter Reiter auf einem richtig ausgebildeten, gesunden Pferd, braucht all diese Hilfsmittel nicht. Und in der Hand/am Stiefel eines mit mangelnder Körper- oder Selbstbeherrschung ausgestatteten Reiters werden diese Dinge schnell zu Instrumenten, die das Pferdewohl massiv beschädigen.
Reiten stellt uns vor große Anforderungen - körperlich wie psychisch. Selbstdisziplin und Selbstreflektion sind daher zwei der wichtigsten Eigenschaften, die ein Reiter mitbringen sollte. Ich persönlich versuche auch deshalb immer wieder, so viel wie möglich wegzulassen. © Julie von Bismarck