19/05/2026
Fünf Disziplinen, ein Tag, zwei Sensationen
– Haag und Stietenroth triumphieren in Konstanz
Beim Landesturnfest in Konstanz wurde in diesem Jahr nicht nur geschwitzt, gekämpft und gejubelt – hier wurden wahre Geschichten von Ehrgeiz, Teamgeist und Leidenschaft geschrieben.
Mitten im Geschehen: Almut Haag und Marek Stietenroth, die sich am 14. Mai 2026 auf den Weg nach Konstanz machten, um sich bei der Süddeutschen Meisterschaft im Klassischen Fünfkampf
– auch Pentathlon oder Friesenkampf genannt – mit den besten Athletinnen und Athleten Süddeutschlands zu messen.
Fünf Disziplinen. Ein Tag. Keine zweite Chance.
Schießen, Schwimmen, Kugelstoßen, Lauf und Fechten – alle Wettkämpfe direkt hintereinander und innerhalb weniger Stunden. Eine Herausforderung, die Körper und Kopf gleichermaßen an
ihre Grenzen bringt.
Nach erfolgreicher Anmeldung bei der Schützengesellschaft
Konstanz begann der Wettkampf mit der ersten Disziplin: dem
Luftgewehrschießen auf zehn Meter – freistehend, ohne Auflage.
Gerade in den Altersklassen Ü40 zählt hier absolute Konzentration.
Für Almut Haag war dies ein besonderer Moment. Noch im
vergangenen Jahr hatte sie in dieser Disziplin mit Schwierigkeiten
zu kämpfen. Doch diesmal zeigte sie Nervenstärke und setzte mit
starken 75 Ringen direkt ein Ausrufezeichen. Auch Marek
Stietenroth, der zum ersten Mal beim Friesenkampf antrat,
überzeugte sofort. Dank seiner Schützenerfahrung erreichte er
hervorragende 76 Ringe und verschaffte sich ebenfalls einen klaren
Vorsprung im Teilnehmerfeld. Mit wachsendem Selbstvertrauen ging es weiter ins Schwaketenbad Konstanz. Hier wartete die
Schwimmdisziplin über 50 Meter – wahlweise Brust oder Freistil. Brustschwimmen wurde durch den Zeitfaktor höher bewertet und verlangte den Teilnehmern alles ab.
Almut Haag entschied sich mutig für Brustschwimmen und
kämpfte sich in starken 1:20 Minuten durch das Wasser. Marek
Stietenroth setzte dagegen auf Freistil – mit dem Wissen, dass er
die Konkurrenz deutlich hinter sich lassen musste, um wertvolle
Punkte zu sammeln. Was dann folgte, sorgte für Staunen: Mit
sensationellen 34,01 Sekunden sicherte er sich souverän den
ersten Platz in seiner Wertungsklasse.
Erst danach stand für die beiden Athleten die erste richtige Pause
an. Vor den ersten beiden Disziplinen hatten sie bewusst auf Essen
verzichtet, um beim Schwimmen kein Völlegefühl zu riskieren.
Unterstützt wurden beide den gesamten Tag über von Vendula
Stietenroth, die mit motivierenden Worten, Getränken, Cremes,
Fotografie und vollem Einsatz den Rücken freihielt.
Ein unverzichtbarer Rückhalt an einem langen Wettkampftag.
Die nächsten Disziplinen fanden nur wenige Gehminuten statt –
doch mittlerweile hatten Regen und kalter Wind eingesetzt. Für
Haag und Stietenroth spielte das keine Rolle. Der Wille zum Erfolg
war stärker.
Beim Kugelstoßen zeigte Almut Haag direkt im ersten Versuch starke 4,95 Meter mit der 4-Kilo-Kugel. Marek Stietenroth, der diese
Disziplin zuletzt vor rund 30 Jahren absolviert hatte, überraschte mit beeindruckenden 7,14 Metern mit der 7,25-Kilo-Kugel und ließ damit erneut aufhorchen.
Trotz eisigem Wind stand bereits die vierte Disziplin an: der Lauf.
Almut Haag entschied sich aufgrund der nassen Bahn
bewusst für die 1000 Meter und brachte diese souverän ins Ziel.
Marek Stietenroth setzte dagegen alles auf eine Karte. Nach zwölf
Jahren Sportpause fehlte ihm noch die Ausdauer für die
Langstrecke – also wählte er den Sprint und kämpfte sich mit
explosiver Kraft auf einen starken zweiten Platz.
Mit schweren Beinen, aber wachsender Hoffnung ging es schließlich ins Schänzle-Sportzentrum zur letzten und entscheidenden Disziplin: dem Fechten.
In der imposanten VIP-Halle, vor der beeindruckenden
Kulisse des Bodensees, wartete die Königsdisziplin des
Friesenkampfes. Die Konzentration lag spürbar in der Luft.
Jeder Treffer konnte jetzt über Gold oder Silber
entscheiden.
Almut Haag hatte acht Gefechte vor sich und setzte auf
Geduld und Präzision. Ihre Strategie: den Gegner kommen
lassen und im perfekten Moment zuschlagen. Mit fünf
Siegen zeigte sie beeindruckende Klasse. Zwei ihrer
Niederlagen endeten denkbar knapp mit 2:3 Treffern – ein
sensationelles Trefferverhältnis. Auch Marek Stietenroth
kämpfte sich mit vier Siegen durch neun Gefechte und
bewies starke Nerven in den entscheidenden Momenten
und hatte ein beeindruckendes Trefferverhältnis.
Dann kam der Augenblick der Wahrheit.
Nach einem Wettkampftag von über 14 Stunden, voller Anspannung, Emotionen und körperlicher
Höchstleistungen, begann die Siegerehrung.
Als Almut Haag als Zweitplatzierte und damit Vize-
Meisterin aufgerufen wurde, konnte sie ihr Glück kaum
fassen. Jubelschrei, Gänsehaut und ab aufs Podest.
Noch spannender wurde es bei den Herren:
Marek Stietenroth wurde als letzter Athlet aufgerufen – ein
Zeichen für den Gesamtsieg.
Damit stand fest:
Süddeutscher Meister im Klassischen Fünfkampf 2026,
Marek Stietenroth!
Ein außergewöhnlicher Erfolg für beide Athleten, mit dem in
dieser Form kaum jemand gerechnet hatte. Besonders
beeindruckend: Haag hatte nach 29 Jahren Pause erst im
vergangenen Jahr wieder einen Friesenkampf bestritten,
Stietenroth kehrte nach zwölfjähriger Sportpause zurück.
Wille, Teamgeist, gegenseitige Unterstützung und familiärer
Zusammenhalt waren letztlich das Erfolgsrezept dieser
besonderen Leistung.
Den krönenden Abschluss fand dieser emotionale Wettkampftag schließlich auf der Reichenau, wo gemeinsam auf die Erfolge angestoßen wurde. Bei gutem Essen ließ das Team die vielen
Momente des Tages noch einmal R***e passieren – voller Stolz, Freude und der Gewissheit,
etwas ganz Besonderes erreicht zu haben.
Bericht: Marek Stietenroth
(Bilder folgen)