15/07/2026
Rennbericht – Cinquanta Corse #50
Saisonhighlight in Wackersdorf
Das große Highlight der Saison 2026 in der German Team Championship stand am vergangenen Wochenende vor der Tür: Das Bavarian 24 Stunden Rennen auf der Kartbahn in Wackersdorf. Nach 24 Stunden sollte sich zeigen, welches Team am besten vorbereitet war und unter härtesten Bedingungen konstant seine Leistung abrufen konnte.
Nach einem schwierigen Saisonstart in Belleben, bei dem wir mit gerade einmal 7 von maximal 60 erreichbaren Punkten deutlich hinter unseren Erwartungen zurückblieben, konnten wir beim zweiten Saisonwochenende in Oppenrod die Trendwende einleiten. Ein Rennsieg und ein dritter Platz brachten uns starke 100 Meisterschaftspunkte ein und katapultierten uns von Platz 13 auf den vierten Rang der Gesamtwertung.
Diesen Aufwärtstrend wollten wir in Wackersdorf unbedingt fortsetzen und den Rückstand von 21 Punkten auf ZAP #153 und Honda Spirit #22 weiter verkürzen.
Doch ein 24-Stunden-Rennen ist eine ganz besondere Herausforderung. Über die gesamte Renndistanz muss einfach alles passen: Auf und neben der Strecke dürfen keine Fehler passieren, das Material muss den extremen Belastungen über 24 Stunden standhalten und die Fahrer müssen die in Wackersdorf üblichen Zwei-Stunden-Stints bei hohen Temperaturen sowie bei Tag und Nacht mit höchster Konzentration absolvieren.
Dabei entscheidet nicht nur die Leistung der Fahrer über Erfolg oder Misserfolg. Hinter jedem Fahrerwechsel, jedem Boxenstopp und jeder Rennrunde steht ein gesamtes Team. Das Kart muss perfekt vorbereitet sein, die Strategie muss über die komplette Distanz funktionieren und die Boxenstopps müssen präzise und fehlerfrei ablaufen. Natürlich muss auch die Versorgung der gesamten Mannschaft während dieser langen Belastungsprobe stimmen.
Nach unserer Anreise am Mittwoch standen die beiden Trainingstage am Donnerstag und Freitag ganz im Zeichen der Setup-Arbeit. Unser Ziel war es, das perfekte Gefühl für die Strecke und das Kart zu entwickeln und die bestmögliche Grundlage für das Rennen zu schaffen.
Am Freitag konnten wir mit einem guten und zufriedenstellenden Setup bereits frühzeitig unser Einsatzkart abstellen. Dadurch blieb genügend Zeit, um alle Schrauben nachzuziehen und die letzten Vorbereitungen zu treffen. So konnten wir mit einer guten Grundlage in das anstehende Rennen starten.
Wir nutzten das frühe Warm-up am Samstag nochmals intensiv, um letzte Details zu überprüfen und sicherzustellen, dass das Setup weiterhin passte und unser Einsatzkart optimal auf das anstehende Qualifying vorbereitet war. Nach den beiden erfolgreichen Trainingstagen wollten wir nichts dem Zufall überlassen und mit einer möglichst perfekten Ausgangslage ins Rennen starten.
Im Qualifying gelang es Nils in seiner 18. von insgesamt 22 Runden mit einer Zeit von 57,481 Sekunden seine Bestzeit zu fahren. Mit Platz 6 gelang uns trotz 4 Zehntelsekunden Rückstand der sicherer Einzug in das anschließende Top-12-Qualifying.
Dort konnten Norman und Joshua einmal mehr zeigen, dass wir uns in diesem besonderen Qualifying auf sie verlassen können. Mit einer starken und konzentrierten Leistung sicherten sie uns den vierten Startplatz für das bevorstehende 24-Stunden-Rennen und verschafften uns damit eine sehr gute Ausgangsposition für die zweimalige Umrundung der Uhr.
Norman erwischte anschließend einen absoluten Traumstart und konnte sich trotz zusätzlichen fünf Kilogramm Ballast (Heavy-Hour-Stint) in den ersten vier Kurven direkt auf Platz zwei nach vorne arbeiten. Diese Position konnten wir allerdings nicht dauerhaft halten, da die Teams, die zu Beginn noch ohne Zusatzgewicht unterwegs waren, ihre Gewichtsvorteile ausspielten und sich im Verlauf des ersten Stints wieder an uns vorbeischieben konnten. Dadurch rutschten wir zwischenzeitlich bis auf Platz 9 zurück, was jedoch gleichzeitig unsere schlechteste Platzierung im gesamten Rennverlauf bleiben sollte.
Gerade in der Anfangsphase mussten wir feststellen, dass unsere Boxenstopps noch nicht das angestrebte Niveau erreichten. Dadurch verloren wir wertvolle Sekunden in der Box, was sich über mehrere Stunden hinweg summierte.
Bis zum Tageswechsel kämpften wir uns zwar wieder nach vorne, lagen aufgrund der verlorenen Zeit aber weiterhin mit zwei bis drei Runden Rückstand auf dem fünften Gesamtrang.
Während einer Pace-Kart-Phase zum Tageswechsel entschieden wir uns, die Reifen zu wechseln. Eine Entscheidung, die sich im weiteren Rennverlauf als entscheidender Wendepunkt herausstellen sollte. Der neue Reifensatz erwies sich als etwas stärker und ermöglichte uns insbesondere in den frühen Morgenstunden sehr schnelle und konstante Rundenzeiten. Mit jedem Stint konnten wir weitere Sekunden auf die Konkurrenz gutmachen und uns Runde für Runde zurück in Richtung Spitze arbeiten.
Unsere Aufholjagd führte uns schließlich bis auf Platz drei vor. Je nach Boxenstoppstrategie der Konkurrenz konnten wir sogar zeitweise den zweiten Gesamtrang übernehmen. Besonders beeindruckend war dabei der enge Kampf mit Racoon Racing #69, die uns über die komplette Renndistanz begleiteten. Vom ersten bis zum letzten Rennkilometer entwickelte sich ein intensiver Zweikampf, bei dem beide Teams nicht nur auf der Strecke immer wieder dicht beieinander lagen, sondern auch in der Box beinahe parallel arbeiteten. Immer wieder trafen sich unsere Boxencrews samt Vorläufer und Anschieber an der Waage.
Als das bis dahin dominierende Team von ATW-Racing, das zu diesem Zeitpunkt bereits mit drei Runden Vorsprung an der Spitze lag, in den Morgenstunden aufgrund eines Lenkradschadens mehrere Runden verlor, war endgültig klar, dass sich der Kampf um den Gesamtsieg zwischen uns und Racoon-Racing entscheiden würde.
Nach dem letzten Tankstopp von Racoon-Racing konnten wir uns einen Vorsprung von rund 45 Sekunden herausfahren. Gleichzeitig wussten wir aber, dass dieser Abstand noch keine Vorentscheidung bedeutete, da auch wir im letzten Fahrerwechsel noch einmal nachtanken mussten. Dennoch war es eine komfortable Ausgangslage, da ein vollständiger Tankstopp normalerweise nur rund 30 Sekunden kostete.
Doch dann passierte genau das, was in einer solchen Situation nicht passieren sollte. Eine weitere Pace-Kart-Phase brachte Racoon-Racing zurück ins Rennen. Unser Vorsprung von 45 Sekunden schmolz innerhalb kürzester Zeit auf lediglich 9 Sekunden zusammen. Zusätzlich absolvierten sie damit ihren zuvor abgesetzten Tankstopp ohne nennenswerten Zeitverlust. Damit war der komplette Vorteil, den wir uns über viele Stunden hart erarbeitet hatten, praktisch neutralisiert.
Nach unserem letzten Boxenstopp, bei dem wir nur noch eine kleine Menge Sprit nachfüllten, war endgültig klar: Die Entscheidung würde in der letzten Stunde ausschließlich auf der Strecke fallen.
Mit 12 Sekunden Rückstand und noch rund einer Stunde Rennzeit war die Hoffnung da, den entscheidenden Angriff doch noch setzen zu können. Doch bereits nach den ersten Runden zeigte sich, dass die Rundenzeiten beider Teams nahezu identisch waren. Mal konnten wir ein Zehntel aufholen, mal war Racoon Racing ein Zehntel schneller.
So blieb der Abstand bis zum Fallen der Zielflagge bestehen, und wir beendeten das Bavarian 24-Stunden-Rennen nach harter Arbeit auf dem zweiten Gesamtrang.
Mit insgesamt 1.424 gefahrenen Runden stellten wir außerdem gemeinsam mit Racoon Racing einen neuen Distanzrekord auf. Ein weiterer Beweis dafür, auf welch hohem Niveau dieses Rennen ausgetragen wurde.
Nach dem Fallen der Zielflagge überwog zunächst die Enttäuschung. Nach diesem Rennverlauf und der Situation kurz vor Schluss fiel es natürlich schwer, den zweiten Platz sofort als Erfolg zu sehen. Wir hatten uns über viele Stunden zurückgekämpft, die Lücke geschlossen und standen nach dem Ausfall der #5 kurz davor, den Kampf um den Gesamtsieg für uns zu entscheiden.
Gleichzeitig müssen wir aber auch klar sagen: Wir können und müssen stolz auf unsere Leistung sein. Ein 24-Stunden-Rennen auf diesem Niveau auf Platz zwei zu beenden, ist alles andere als selbstverständlich.
Rund fünf Stunden vor Rennende war uns bewusst, dass Platz eins nicht zu erreichen war. Dass wir dann aber wenige Minuten vor Schluss den fast schon sicheren Sieg aufgrund eines späten Pace-Karts wieder abgeben mussten, macht es natürlich besonders bitter.
Trotzdem möchten wir dem verdienten Gesamtsieger Racoon-Racing #69 herzlich gratulieren. Ihr habt über 24 Stunden eine unglaublich starke und fehlerfreie Leistung gezeigt und euch diesen Sieg absolut verdient. Der Kampf zwischen unseren beiden Teams war intensiv, hart und spannend, aber gleichzeitig jederzeit fair und respektvoll. Genau solche Rennen machen den Reiz des Langstreckensports aus.
Ein großes Dankeschön geht außerdem an unsere Helferinnen und Helfer, die dieses Ergebnis überhaupt erst möglich gemacht haben. Ohne euren Einsatz vor, während und nach dem Rennen wäre eine solche Leistung nicht möglich gewesen. Jede Vorbereitung, jeder Handgriff in der Box und jede Unterstützung an der Strecke hat seinen Teil dazu beigetragen.
Mit dem zweiten Gesamtrang und dem Sieg in der Sonderwertung konnten wir 82 weitere Meisterschaftspunkte sammeln. Damit gehen wir mit nur noch drei Punkten Rückstand auf Platz zwei in das nächste Saisonrennen in Wittgenborn.
Wenn man bedenkt, wo wir nach dem Saisonstart in Belleben standen, ist diese Entwicklung ein großer Schritt nach vorne. Trotzdem haben wir unser Ziel noch nicht erreicht. Wir haben gezeigt, dass wir wieder um die vorderen Plätze kämpfen können.
Wir nehmen nun den Schwung aus Wackersdorf mit nach Wittgenborn und wollen genau da weitermachen, wo wir beim Saisonhighlight aufgehört haben.
Cheers,
Cinquanta Corse