20/04/2026
Wir haben für unseren früheren Vorsitzenden Helmut Radler die passenden Ehrungen gefunden. Bei der Mitgliederversammlung am Samstag wurde ihm sowohl die Ehrenmitgliedschaft, als auch der Ehrenvorsitz verliehen. Zudem trägt unsere Halle ab sofort verdientermaßen seinen Namen.
Hier die sehr launige und treffende Laudatio von Jonny Burneckas, mit seiner freundlichen Genehmigung veröffentlicht:
Liebe TVU-ler,
der Deutsche Olympische Sport Bund gibt in jedem Jahr einen Sportentwicklungsbericht heraus. In dem für 2025 stehen zwei herausragende Ergebnisse:
1. Die 86.000 Sportvereine in Deutschland sind nicht nur die zentrale Institution für Sport und Bewegung, sondern sie haben auch eine wesentliche gesellschaftliche Funktion als Ort sozialer Interaktion und Integration.
Das trifft zweifellos auf den TVU zu.
2. Jeder fünfte dieser 86.000 Sportverein bangt um seine Existenz, weil es an Ehrenamtlichen fehlt, weil die Sportanlagen marode sind, weil keiner sich um irgendwas kümmert. 15.000 Vereinen geht es so, sie stehen am Abgrund.
Das trifft zweifellos auf den TVU nicht zu.
Und schon sind wir pfeilgrad bei Helmut Radler.
Zu dem will ich ein paar eher persönliche Worte beitragen, nicht zu trocken, nicht zu ernst, nicht zu lang!
Vor zwölf Monaten wurde er nach 31 Jahren an der Spitze des TVU mühsam aus dem Amt gedrängt. Der Schorsch hat damals in launiger Weise die Verdienste Charlys dargelegt, und Steffie hat ein sehr emotionales Bild des langjährigen Vorsitzenden beigetragen. Charly selbst musste sich in seiner Dankesrede dann trotz aller Erinnerungen, Bemerkungen und Anekdoten, die ihm auf dem Herzen und auf der Zunge lagen, ungewöhnlich knapp halten, denn es musste ja auch noch ein Nachfolger gewählt werden.
Was also Charly in 31 Jahre alles für den TVU geleistet hat, ist uns bekannt: der Hallenneubau natürlich an erster Stelle, aber auch die erfolgreiche Öffnung des Vereins für neue Sportarten und neue Zielgruppen, das Überspringen der 1000-Mitglieder-Marke - um nur die offensichtlichsten zu nennen.
Dahinter und weniger beachtet stehen natürlich ungezählte Stunden in Sitzungen, Bauausschüssen, Diskussionen, Gesprächen, und in Hunderten letzter Rundgänge über Platz und Halle, bei denen die letzten vergessenen Lampen gelöscht werden wollten.
Nix gschend is gelobt genuch – so sagen wir in Franken.
Das geht natürlich nicht beim Helmut.
Was ich am meisten an ihm bewundere, ist sein enormes Sitzfleisch.
Moment!
Ich meine nicht, dass er manchmal – eigentlich immer – der letzte am Stammtisch ist, bevor der Günl oder der Nanda das Licht ausmachte.
Ich meine auch nicht, dass er irgendwelche Probleme einfach aussitzen würde.
Nein,
ich meine Sitzfleisch im Sinne von:
Standhaftigkeit, von Durchhaltevermögen, von überzeugt sein und andere überzeugen, einmal, zweimal, immer wieder, bis die Sache im Sinne des TVU durch ist. Also Sitzfleisch im Sine von: Hier sitze ich für den TVU – ich kann nicht anders!
Die Sache des TVU war ihm stets die oberste Priorität. Das ging dann z.B. so: Wenn wir nach der Singstunde am Stammtisch im Sängerheim saßen – wir beide singen ja seit Jahrzehnten Seit an Seit - und über die blöde Liedauswahl, den muffigen Dirigenten oder über Gott und die Welt lästern wollten, brachte Helmut ganz allmählich und wie zufällig das Gespräch auf den TVU – und plötzlich diskutierten wir, meist ohne es zunächst zu merken, leidenschaftlich die Themen des TVU und nix anderes. Er konnte wohl nicht anders.
Was ich auch an ihm bewundere, deutet Bertold Brecht in einem seiner berühmtesten und schönsten Gedichte an, es heißt: Fragen eines lesenden Arbeiters. Wir sind beide ja auch gelernte Lehrer, deshalb muss man mit uns beiden etwas nachsichtiger sein als mit normalen Leuten. Aus diesem Grund möge ein Gedichtzitat an dieser Stelle erlaubt sein.
In dem Gedicht heißt es:
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg.
Wer siegte außer ihm?
Das heißt übersetzt für uns:
Hat Charly die Halle gebaut? Nein.
Hat er die Ringer oder die Badminton-Mannschaft auf höchstes Niveau gebracht? Nein.
Hat er mit den Schnüdeli einen neuen Schautanz eingeübt? Nein.
Aber:
Er hat durch seine Art der Vereinsführung all das gefördert und all das erst ermöglicht.
Denn kein Vorsitzender kann alles selbst machen.
Die Kunst ist,
• eine Mannschaft ums sich herum aufzubauen, die das kann.
• Sie zu motivieren, das auch zu machen.
• Den Mut zu haben, sie dann auch machen zu lassen.
• es zu verstehen, sie bei der Stange zu halten
• Und gleichzeitig die Weitsicht zu haben, diese Mannschaft immer wieder zu erneuern, um immer wieder einen Generationenwechsel hinzukriegen.
Das ist meiner Kenntnis nach bisher nur ganz wenigen Vereinen und ihren Vorsitzenden im Dürrbachtal und sogar in Würzburg gelungen. Und: Das ist eine beständige Aufgabe! Wie oft boomt ein Verein oder eine Abteilung, um dann schleichend die Grätsche zu machen, weil sich immer weniger richtig kümmern!
Denn: Das alles hat mit Überzeugung zu tun, auch mit natürlicher Autorität, besonders aber mit dem Vergnügen, mit vielen Leuten vertrauensvoll zu arbeiten, nicht zu kneifen, Verantwortung zu übernehmen. Das alles ist Charly Radler.
Nur dann entsteht eine Mannschaft hinter dem Mann. Das kann dann so weit gehen, wie es in manchen großen Unternehmen süffisant heißt:
Der Laden muss laufen, selbst wenn der Chef da ist!
Was ich noch an Charly bewundere: Er ist ein gebürtiger Mittelfranke, oder vielleicht in Abwandlung: Ein Mittler-Franke.
Auch das liegt ihm scheinbar im Blut: Er will nicht die Konfrontation, das Gegeneinander, sondern den Ausgleich, das Miteinander, das Ver-Mitteln.
Das ist ihm oft gelungen, manchmal auch nicht. So ist das halt.
Was steckt dahinter? Ich glaube, auf ihn trifft zu, was ich neulich über Winfried Kretschmann, den langjährigen grünen Ministerpräsidenten im schwarzen Ländle, gelesen habe. Sein wichtigster Polit-Berater sagte da über ihn: „Sein Erfolgsgeheimnis ist, dass er die Leute okay findet.“
Ich glaube eben auch, dass Charly zunächst mal alle Leute okay findet.
Das klingt ziemlich banal, aber angesichts dessen, was der Vorsitzende eines großen Vereins an Begegnungen mit allerhand Menschen absolvieren muss, ist es doch ziemlich viel. Denn natürlich gibt es neben den Guten und Willigen auch die Pappnasen und Vo*******en, die Rechthaber und Streithanseln.
Aber mir scheint, Charly nimmt zunächst mal jeden, wie er ist – nicht unbedingt gleich als Freund, bestimmt nicht als Feind, sondern zugewandt, neugierig über das, was da kommen kann, was gemeinsam möglich ist.
Und diese sympathische, freundliche Zugewandtheit ist meiner Meinung nach einer der Grundvoraussetzungen, dass er es so lange mit dem Verein und der Verein so lange mit ihm ausgehalten hat. Und dass daraus eine ganze Menge entstanden ist.
Christiane und Tim und Ben mögen das eventuell, eventuell etwas differenzierter sehen, aber ich meine:
Charly ist nahezu perfekt.
Und jetzt auch noch das: Er trinkt seit einiger Zeit keinen Alkohol mehr! Jeder würde daraufhin wie nach einem Nikotinentzug krätzig, unleidlich, gereizt werden.
Charly sitzt weiterhin leicht süffisant lächelnd in der Runde, ist gesprächig wie ich erst nach drei Schoppen, freut sich an der Geselligkeit, ist wie immer. Unglaublich! Ich sag ja: Nahezu perfekt!
Was also sollen wir mit ihm machen?
• Friedensnobelpreis? Den erbombt sich schon Donald Trump.
• Einen Oskar für die beste Hauptrollte? Dem TVU fehlt das Geld für einen langen roten Teppich.
• Eine Goldmedaille für einen Marathon-Hürdenlauf? Ist leider noch nicht olympisch.
Na ja, ein Verein hat eine Art der Ehrung, die er nur sehr selten aus der Schublade zieht. Und wer hätte diese Ehrung mehr verdient als Helmut Radler?
Eins noch: In Unterdürrbach gibt es die Hans-Fischer-Schule, es gibt einen Berthold-Krieger-Ring und einen Karl-Adam-Platz.
(Jetzt kommt der Hammer: ) Wie - denkt ihr – wird in Zukunft diese Halle heißen?
Foto Niels Köhler: