16/01/2023
Ligurien und nicht zurück?
Das gefährliche Abenteuer was fast daneben ging!
Im Dezember 2022 sind wir von Camper1x1.de einmal dem Winter entflohen und haben uns auf den Weg nach Ligurien / Norditalien gemacht, was eigentlich eine super Idee war! Eigentlich!
Oh diese Reiseführer
Wenn man den gängigen Reiseführern glauben schenkt, muss man unbedingt auch ins Hinterland fahren. Tolle Dörfer mit engen Gassen und recht alten Gebäuden. Einfach toll!
Es reizt schon sehr sich diese auf den Berghängen gebauten Dörfern anzusehen. Auf historischen Wegen zu wandeln und die Brücke in Dolceaqua, welche auch von Monet gemalt wurde, mal aus der Nähe zu sehen.
Das Hinterland in Ligurien ist nichts für Camper!!!
Um nicht den Camper oder sogar das eigene Leben zu verlieren, sollte man auf alle Fälle nicht in das Hinterland / in die Berge fahren. Die Küste ist schon eng genug und mit dem Camper ab und zu auch schon einmal eine Herausforderung. Doch das Hinterland / die Berge kann tödlich sein, wie wir selbst von Camper1x1.de erfahren mussten!
Auch wenn diese schönen Dörfer einen Ausflug zur Pflicht machen. Aber Ausflüge in die Dörfer Dolceaqua, Apricale und Pinga etc. sollten mit dem Bus oder mit einem Kleinwagen gemacht werden.
Auf dem Weg ins Abenteuer
Vom Campingplatz in Sanremo ging es eine gute Strecke an der Küste in Richtung Monaco. Nach den Orten Bordighera und Ventimiglia ging es dann ab in die Berge. An einem trockenem Flussbett entlang. Die Straßen sind recht gut zu fahren, auch haben wir noch eine Tankstelle zum Auftanken nutzen können. Die meisten Tankstellen sind etwas eng für unseren Camper gewesen, oder waren so mit anderen Fahrzeugen zugeparkt, dass man hier nicht zum Tanken rankam.
Auch nach einigen Kilometern war die Straße noch völlig fahrbar und das Navigationsgerät mit neuster Software und Einstellung auf unseren Camper gab die Richtung an! Gerade aus!
In Dolceaqua angekommen, war es schon klar, hier ist parken eine Herausforderung. Nach einigen Metern durch das kleine Dörfchen, haben wir uns dann für den Parkplatz vor dem Ort am Friedhof entschieden. Dieser ist groß genug und hat auch noch eine akzeptable Entfernung zum Ort. Auch nach dem Ort kommen auf der rechten Seite einige Abstellmöglichkeiten direkt an der Straße zwischen Olivenbäumen. Aber hier sollte man auf alle Fälle den Spiegel einklappen!
Der kleine Stellplatz am Anfang des Ortes ist eher was für Kastenwagen und Vans! Die Einfahrt ist nicht so gut anzufahren und recht steil!
Kleine Rundreise
Nach unserem Besuch in Dolceaqua haben wir an unserem Navigationssystem das Ziel Campingplatz Sanremo eingegeben und waren erstaunt, das es sich hier nur um ca. 24km handeln sollte. Eine kleine Rundreise durch die Berge, über Isolabona und Pigna sowie Bajardo. Dann mal los!
Traue keinem, auch deinem Navi nicht!!!
Aufgefallen ist uns sofort, dass hier in Ligurien der Kleinwagen wie Fiat 500, Panda etc. sehr sehr sehr sehr verbreitet ist. Warum hat sich später herausgestellt.
Die Straße wurde etwas enger und die Berge rechts und links der Straße etwas schroffer. Doch die Dörfer waren schon von der Anfahrt beeindruckend. Auf den Berghängen stehen dort etliche Häuser dicht an dicht gebaut.
Ein Schild für Fahrzeuge ab 3,5t zGM gesperrt ging links ab, doch wir fahren gerade aus weiter. Und dies ist gut so, denn diese Straße wollten wir sicherlich nicht testen. Also weiter wie das Navigationssystem es so sieht. Bisher ist auch alles gut, nur halt etwas enger geworden.
Vorbei an einem alten verlassenen Luxushotel und an vielen weiteren sehenswerten Punkten kamen wir dann in den Ort Castel Vittorio. Die Straßen im Dorf noch etwas enger, aber keine Möglichkeit zu wenden. An vielen Kleinwagen vorbei, ging es dann zu einem Parkplatz. Und hinter diesem Parkplatz geht es dann weiter. So das Navigationssystem. Okay dann mal auf, und dies hätten wir nicht machen sollen.
Ab hier wurde die Straße teilweise auf Fahrzeugbreite verkleinert, und der Anstieg ging recht gut los. Doch einmal hineingefahren ist ein Wenden nicht mehr machbar. Das Navi kennt sich aus und wir haben es sicherlich gleich geschafft. Denkste!
Nach der dritten engen linken Haarnadelkurve ging es dann nicht mehr weiter. Nur eine kleine leichte Leitplanke trennt hinter uns die Straße von einer ca. 30m tiefen Schlucht ab. Und der Camper kommt diese Kurve nicht hoch! Alle Systeme warnen und piepen vor sich hin. Trotz Bremse rutschen wir auf etwas nasser Straße rückwärts in Richtung Leitplanke runter. Der Gedanke kommt hoch, nur raus und rutschen lassen. Doch nicht mit uns.
So kommt die Copilotin zum Außeneinsatz und wir treten die Rückreise an. Aber RÜCKWÄRTS! Und wenn es sein muss bis zum Parkplatz, der in gefühlten 100km Entfernung sich irgendwo da befinden muss. Es waren sicherlich nur 600m, aber die haben es in sich gehabt!
Unter den wachen Augen der Copilotin und einem sehr starken Nervenkostüm des Fahrers, gelingt es bis zur nächsten engen Haarnadelkurve zurück zu kommen. Nun in die Büsche mit dem Heck und versuchen den Camper in dieser steilen und engen Haarnadelkurve zu wenden. Mit 7m Camper benötigt man schon etwas mehr Platz. Und mit einigem hin und her gelingt das Manöver und wir bewegen uns vorwärts in Richtung Parkplatz zurück. Laub und Äste lassen wir auf der Fahrbahn zurück, aber dies ist nicht unsere einzige Sorge!
Nachdem wir auf dem Weg zurück nach Dolceaqua einige Orte schweigend passiert haben, musste der Zustand des Campers kontrolliert werden. Und hier haben wir uns beide gefreut und auch gewundert. Keine Dellen, keine Kratzer, keine Beschädigungen nur etwas Erde auf der Anhängerkupplung, etwas Laub auf dem Dach und sonst nix! Das Gefühl war etwas anders beim Aussteigen! Doch es ist noch einmal gut gegangen! Nix passiert! Nur einen heftigen Schrecken!
Nach einigen Minuten hat das Navigationssystem dieses Wendemanöver mitbekommen und mahnt mit "Wenn Möglich bitte WENDEN!", NEIN NEIN bestimmt nicht!
Keine Schilder
Auf dem Weg nach unserem Navigationssystem hinauf in die Berge sind uns nur zwei Schilder mit dem Hinweis für mehr als 3,5t zGM gesperrt aufgefallen. Diese Straßen sind wir verständlicherweise nicht gefahren und haben uns weiter nach dem Navi gerichtet. Auf der gesamten Strecke war alles ohne Warnungen oder Hinweise. Und jeder geübte Fahrer/in hat hier noch ein gutes Gefühl. So dass eine drohende Gefahr so nicht erkannt werden kann. Nur wenn es dann nicht mehr weitergeht, kann man auch nicht mal so eben wenden und zurückfahren! Selbst ein entgegenkommender PKW (Fiat Panda) hat brav an einer etwas breiteren Stelle nach dem Parkplatz auf uns gewartet, uns weiterfahren lassen und uns nicht gewarnt.
Also, liebe Menschen aus Ligurien, stellt Schilder auf und warnt die vielen Camper die sich eure schönen Orte ansehen wollen. Sonst kann es mal nicht so gut ausgehen! Okay ihr habt nicht so den Platz, aber dies sollte einem Camperfahrer/in auch mal gesagt werden, bevor es zur Katastrophe kommt!
Bilder und Text: Achim Daniels .de