10/09/2021
Lektion 1 Pferfeführerschein 🤣🤣🤣
Das angebundene Pferd
Man sollte ja meinen, dass von so einem angebundenen Pferd keine Gefahr und keine Störung ausgeht. Denn es ist ja festgebunden und sollte daher keine Möglichkeit haben, sich oder andere umzubringen, Sachen zu zertrümmern oder sonstwie negativ aufzufallen. Da haben alle Pferde jetzt mal kurz gelacht und dann wieder irgendwas zertrümmert. Sich, den Reiter, den Anbinder oder was sie sonst noch gefunden haben. Angebundene Pferde sind tickende Zeitbomben. Selbst das bravste Pferd kann dabei sonstwas anstellen. Deswegen bekommt man ja auch von klein auf beigebracht, dass man sie nicht unbeaufsichtigt lässt und wenn man mal weg muss, einem Mitreiter Bescheid gibt.
Das ist übrigens eine der größten Lügen der Reiterei. Kaum einer sagt jedes Mal, wenn er kurz weggeht, Bescheid. Neben “Wir tanzen nicht hinter dem Pferdehintern”, ist das auf jeden Fall die am meisten gebrochene Regel. Deutlich häufiger geht sie allerdings schief als die Hinternregel. Warum eigentlich? Na, weil Pferde einfach sehr gerne für das totale Chaos sorgen. Du biegst nur kurz um die Ecke, kommst mit nem Sattel wieder und dann fehlen drei Pferde am Putzplatz, vier Reiter rennen wie die aufgescheuchten Hühner rum und die Reithalle brennt, während dein Pferd fragend mit einem Huf im Strick hängt und sagt: Ey, da ist was falsch.
Der Strick ist also wichtig. Und das Halfter. Passt das beides nicht zum Pferd hat man schon die erste Gefahrenquelle. Zu lange Stricke animieren zu Akrobatiknummern und zu große Halfter zu Houdini-Aktionen. Besonders amüsant ist es, das wieder zu korrigieren, denn ein Pferd, das einmal gelernt hat, aus dem Halfter zu schlüpfen, hat ein Elefantengedächtnis. Noch schlimmer sind die, die zwar nicht aus dem Halfter kommen, sich aber trotzdem, wie ein trotziges Kleinkind, hinwerfen, weil dann auf jeden Fall jemand angerannt kommt, um einen loszumachen. Mein Pferd hatte das übrigens mal ein paar Wochen installiert, dann ist er mal wieder zurückgesprungen und hat mit dem Hinterteil den Birnbaum erwischt. Die Birnen, die daraufhin auf ihn gefallen sind, haben ihn so nachhaltig beeindruckt, dass er das NIE wieder gemacht hat.
Dann ist da noch das Umfeld. Manchen Pferden darf man ÜBERHAUPT GAR NICHTS in die Nähe stellen. Die lecken am Huffett (ist das eigentlich das Pendant zu den Kindern, die am Prittstift lutschen?), stellen ihre komplette Hinterhand in den Putzkasten, oder werfen die Utensilien daraus herum und machen sich dann in die Hose, weil sie umgeben von blauen Bürsten und grünen Hufkratzern sind (und jeder weiß, dass die beißen). Man muss einfach alles in Sicherheit bringen, sonst ist es kaputt. Und von Sätteln oder Trensen in Reichweite fangen wir besser gar nicht erst an, sonst wird der Spaß richtig teuer. Decken darf man ihnen auch keine geben, die liegt garantiert danach im Dreck - im besten Fall. Im schlimmsten Fall hat sich das Pferd die durch die Nase gezogen oder um drei Beine gewickelt, während es zitternd darauf wartet, dass man es befreit.
Auch zu nah oder zu weit weg von anderen darf man manche Exemplare nicht anbinden. Die einen möchten in ihrer Intimsphäre nicht verletzt werden und die anderen möchten unbedingt die Intimsphäre von anderen verletzen und in sie hineinkriechen. Falls beide Exemplare zu nah aneinander sind, gibt es einfach zwingend Beef. Häufiger, wenn eine Stute involviert ist. Hört man also aus der Ferne so ein fieses Quietschen, weiß man schon direkt: Wäre ich mal besser nicht weggegangen. Also, liebe Kinder - nicht weggehen, wenn das Pferd angebunden ist. Okay, schön … dann wenigstens nicht jammern, wenn das Pferd mit dem halben Anbindebalken in den Sonnenuntergang rennt.
Foto: Hat auch schon ein paar Putzplatzverbrechen auf dem Kerbholz.