04/11/2019
+++ EHF ChampionsCup 2019 – Catania +++
Gut eine Woche liegt nun zwischen den Hurricanes und dem Champions Cup. Die Wunden sind geleckt, das Erlebte weitestgehend verarbeitet und es ist Zeit nochmal auf dieses sportliche Beachhandballgroßereignis zurück zu blicken.
Der Start in das beschauliche UNESCO Städtchen an der Ostküste Siziliens verlief gelinde gesagt eher holprig. Nachdem sich unser eigentlich Footballteam großer Kader durch Verpflichtungen in der Halle oder andere fadenscheinige Geschichten stark ausgedünnt am Stuttgarter Flughafen einfand, war die Erwartungshaltung bei allen Mitreisenden eher unklar. Bei unserem ersten Beachhandball-Großevent auf europäischer Bühne ging der Tenor hauptsächlich in Richtung Spaß haben und eine Menge Erfahrung sammeln für die kommende Saison. Die Vorfreude war also riesig!
Das sollte für weitere zwei Stunden auch ungebrochen so bleiben. Die Peter Zwegats der Beachhandballszene machten ihrem schwäbischen Ruf dann erstmal alle Ehre und wechselten trotz Holzklassetickets erstmal in die privilegiertere Riege der Flugreisenden und machten sich auf den unbesetzten Plätzen im vorderen Teil des Flugzeugs breit, auf denen auch unsere Hightower endlich die Schneidersitzposition verlassen und sich entspannt auf die Sonne Italiens freuen konnten. Die ersten Pläne für den relativ terminarmen Mittwoch wurden gemacht. Frühstücken in der Altstadt, entspannte Trainingseinheit, Kraft tanken in der Sonne – kurzum Dolce Vita!
Und plötzlich reist der Pilot mitten im Landeanflug seinen Knüppel hoch und die Maschine startet durch in Richtung Ungewissheit. Nachdem der erste Schock verdaut und mehrere Runden über Catania gedreht waren, landeten wir in einer Stadt die selbst für die geographieschwachen in unseren Reihen nicht nach Catania aussah – Welcome to Palermo!
Beim Verlassen des Fliegers stellten wir uns bereits auf eine sehr lange Autofahrt ein, ehe uns die Crew zurück auf unsere Sitze beorderte und wir doch noch rechtzeitig in Catania ankommen sollten. Am Flughafenhotel angekommen, war der Stress schnell verflogen. Alle Farben und Nationen wuselten durch das Foyer – Internationaler Beachhandballflair!
Wir warfen uns nach kurzem Bezug der wirklich lobenswert guten Hotelzimmer sofort in die neue Uniform und brachen per Shuttle zur ersten Trainingseinheit im italienischen Sand auf. Diese Trainingseinheit subsummiert dann auch direkt die großartige Atmosphäre zwischen allen Nationen und Teams über die gesamte Woche. Nachdem man sich gemeinsam mit Beach&daGang locker im Sand akklimatisierte kam es im Anschluss zu einem spontanen Shootout gegen unsere neuen Freunde von Hiekka Hauskaa aus den Niederlanden, die direkt davor bereits ein kleines Trainingsspiel gegen die Jungs aus Ungarn absolvierten.
Ende Oktober: Sommer, Sonne, Beachhandball auf Topniveau, direkt am Meer. So konnte es weiter gehen! Oder eben auch nicht. Bis ziemlich genau nach den Finalspielen am Sonntag Nachmittag sollte es der Wettergott nur noch in Ausnahmefällen gut mit uns und dem Champions Cup meinen. Sturm, Regen und Kälte waren nun die Bedingungen, mit denen die Mannschaften am ersten Spieltag konfrontiert wurden. Den Gegner unserer ersten Partie aus der Schweiz freute dies ungemein. Waren die Bedingungen doch wie daheim.
Jedoch auch wir haben jahrelang im bartenbacher Regen an unseren Fähigkeiten mit nassem Spielgerät gearbeitet. Mit einem sensationell starken Auftritt und 20 Punkten über den Kreis, setzten wir direkt ein spielerisches Ausrufezeichen. 2:0 gegen BHV Wasserschloss und mächtig Euphorie im Hurricaneslager. Wir waren im Turnier angekommen.
Auf die anschließende Partie gegen Hír-Sat BHC aus Ungarn schauen wir bis heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die erste Halbzeit war vermutlich der beste Beachhandball, den wir in der noch jungen Vereinsgeschichte in den Sand gezaubert haben. Abgezockt, ohne Fehler im Angriffsspiel und mit starker Abwehrarbeit schlugen wir die spielstarken Ungarn in Halbzeit eins mit 22:12 – großes Tennis!
In Halbzeit zwei nahm der Regen dann zu und es zeigte sich unsere doch fehlende Erfahrung zunehmend. Während die Ungarn ihr Glück im Spiel über den Shooter und durch einfaches Durchstoßen gesucht haben, bekamen wir zunehmend Probleme mit dem nassen Spielgerät bei Spinshots, Kempas etc.
Die Halbzeit ging dann zurecht mit 14:17 an Hír-Sat BHC. Im Shootout hatten wir dann leider einen Fehlwurf mehr als der Gegner und verlieren ein Spiel, in dem wir wie die stärkere Mannschaft ausgesehen haben. Wichtiger war jedoch die Erkenntnis, dass wir uns offenbar nicht verstecken müssen und durchaus sportlich konkurrenzfähig sind. Das sorgte für großes Selbstvertrauen und tut es bis heute.
In der Partie gegen Toyota MHC Dubrava mussten wir dann durch den Monsun. Was für eine Wasserschlacht. Beide Halbzeiten gingen knapp an die Kroaten, ohne dass die Partie sportlich für uns einzuordnen wäre. Unter diesen Bedingungen wurde schlicht um den Sieg gewürfelt. Und die abgezockten Herren aus Kroatien verstanden schneller, dass es nicht mehr um Beachhandball geht, sondern darum überhaupt Treffer zu erzielen. 2:0 Dubrava. Da die Jungs von BHV Wasserschloss jedoch eine Sensationsleistung gegen Hír-Sat BHC ablieferten, war nach kurzer Verwirrung klar:
Wir stehen im Viertelfinale!
Im Viertelfinale wartete der spätere Bronzegewinner Tschatcheur by PAUC auf uns und wir mussten viel Lehrgeld bezahlen. Insbesondere in der Abwehr waren wir nicht in der Lage uns auf das temporeiche Spielkonzept der Franzosen einzustellen. Insbesondere Desbonett war mit 19 Punkten für uns nicht zu stoppen. 2:0 Niederlage und Glückwunsch für ein wahnsinnig starkes Turnier!
Gegen Hiekka Hauskaa spielten wir dann, bei Gott sei Dank trockenen Bedingungen, eine erneut starke Partie gegen den Turniersieger aus Ismaning. Wieder schafften wir es offensiv sehr wenig Fehler zu machen und die richtigen Entscheidungen in der Überzahl zu treffen. Mit 2:0 bestätigten wir die bis dahin gute Turnierleistung und qualifizierten uns für das Spiel um Platz 5 auf Court 1!
Am Sonntag auf dem Centre Court gegen den Vorjahreschampion aus Zagreb antreten zu dürfen war für uns bereits zu diesem Zeitpunkt das absolute Highlight des Jahres. Alles was jetzt noch kommen sollte, war das Sahnehäubchen auf einem sportliche großartigen Wochenende.
Am Finalsonntag waren wir dann motiviert bis in die Haarspitzen, den Fans vor Ort und im Livestream einen gebührenden letzten Auftritt zu zeigen. Nachdem wir den ersten Satz noch knapp an BHC Zagreb abgeben mussten, bezwangen wir die europäische Topmannschaft im zweiten Satz knapp und retteten das Spiel in den Shootout – Wahnsinn!
Nachdem jeweils ein Schütze im regulären Shootout scheiterte, gipfelte die Dramatik im K.O.-Shootout und zwei Videobeweisentscheidungen. Leider beide Male gegen uns, weshalb wir uns am Ende hauchdünn geschlagen geben mussten und das Turnier auf einem starken sechsten Platz beendeten.
Die Erfahrungen im sizilianischen Sand haben uns als Mannschaft wachsen lassen und uns sportlich sicher weiter gebracht. Jetzt gilt es diese neuen Erkenntnisse in der kommenden Saison auch im deutschen Sand umzusetzen, um eine ähnlich erfolgreiche Saison zu wiederholen.
Wir danken dem DHB für die bedingungslose Unterstützung im Vorfeld, sowie allen Sponsoren und Gönnern, die für die zwingend notwendige monetäre Unterstützung verantwortlich waren und weiterhin sind.
Ein ganz besonderer Dank geht raus an Strandgeflüster Minden, die Beach Unicorns Hannover und Beach & Da Gang Münster für die großartige Stimmung im deutschen Lager und die bedingungslose Unterstützung – egal wie schlimm das Wetter auf der Tribüne auch war. Wir hatten eine sehr geile Zeit mit euch!
Im Beachhandballjahr 2019 jagte für die BHT Hurricanes ein Highlight das Nächste und die eigenen Erwartungen wurden definitiv übertroffen. Diesen Erfolg gilt es nun zu bestätigen, um sich endgültig im Kreise der deutschen Topteams zu etablieren.
Over and out & ab in die Berge! Wir sehen uns im kommenden Sommer auf der Tour! 🌪🇩🇪💚🖤