16/04/2020
Wir leben in ernsten Zeiten und keineswegs nehme ich das Thema Corona Virus auf die leichte Schulter. Was mir aktuell in den generellen Diskussionen um das Thema zu kurz kommt, ist eine gewisse Differenziertheit in der Betrachtung der meisten Leute zu dem Thema.
Da ich nicht in allen Bereichen versiert bin, möchte ich mich als Fitnessökonom mal der Branche widmen, in der ich seit Jahren tätig bin und in der ich mein Studium absolviert habe.
In der Diskussion um die allmähliche Lockerung der von der Regierung beschlossenen Maßnahmen werden Fitness- und Gesundheitseinrichtungen meiner Meinung nach noch zu wenig öffentlich erwähnt.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen und Risiken im Hinblick auf Covid-19 darf man nicht die regulären gesundheitlichen Missstände in der Bevölkerung ignorieren.
Offizielle Daten vom statistischen Bundesamt, die jeder genau so nachrecherchieren kann, besagen:
Die häufigste Todesursache in Deutschland ist eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems.
Im Jahr 2017 sind 344500 Menschen in Folge einer Herz-Kreis-Lauf Erkrankung gestorben.
Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt ,Schlaganfall sind hier Stichwörter.
In der Fachliteratur ist der Zusammenhang zwischen regelmäßiger sportlicher Betätigung und dem Risiko, eine Herz-Kreis-Lauf-Erkrankung zu erleiden vielfach nachgewiesen. In manchen Quellen wird von einem Rückgang des Risikos um bis zu 50% ausgegangen, wenn der Mensch sich regelmäßig sportlich betätigt.
Ein weiteres Kriterium ist die Stressregulation durch Sport. Auch hier ist nachgewiesen, dass sich regelmäßige sportliche Betätigung merklich positiv auswirkt und somit die Produktivität, Gesundheit und soziale Faktoren sowie die mentale Gesundheit bei sporttreibenden merklich von denjenigen abhebt, die etwa keinen Sport treiben.
Ich könnte ewig so weiter machen.
Und klar, es gibt mittlerweile geniale digitale Lösungen, und auch die Möglichkeit, Sport im Freien zu betreiben. Und das empfehle ich gerade jedem.
Dennoch, die digitalen Möglichkeiten ersetzen nicht den Trainer, der unmittelbar am Kunden (Etwa jemanden, der mit Arthrose oder einem LWS Syndrom zu kämpfen hat, der unmittelbar am Kunden arbeitet, und verhindert, das dessen Ausführung das Training eher kontraproduktiv macht.).
Und nein, dass gilt nicht für für die Bereiche Physiotherapie oder Rehasport, zu denen Menschen aus finanziellen Gründen meist nur viel zu kurz Zugang haben, um die Beschwerden über lange Hinsicht zu bessern.
Auch lässt sich nicht sämtliche Ausstattung von Fitnessstudios einfach ersetzen und mit Resistenzbändern kompensieren. Bitte erkläre mal deiner 67-Jährigen Tante, wie sie mit Hilfe ihres Online-Coaches Eigengewicht Kniebeugen machen soll, um ihre Muskulatur aufzubauen und somit ihre Knie- und Hüftbeschwerden zu hindern.
Jetzt noch die katastrophalen ökonomischen Folgen für die vielen Firmen in dieser Wachstumsbranche zu sprechen, würde den Rahmen völlig sprengen.
Ich finde, Training ist Systemrelevant. Es ist langsam aber sicher an der Zeit über die Öffnung von Fitness- und Gesundheitsstudios unter gewissen Auflagen zu sprechen.
Ja, es müssen aktuell nicht 300 Leute gleichzeitig im Studio trainieren um ihren Summer-Body zu stählen.
Aber unter Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen einer begrenzten Anzahl von Menschen das Training in unseren Studios zu erlauben, kann und muss besprochen werden.
Ich weiß nicht, ob jemand meinen ganzen Schinken liest, aber das geht gerade in mir vor und ich sehe aktuell recht wenige öffentliche Äußerungen darüber. Vor allen von denjenigen, die hier direkte Mitbestimmung haben.
In diesem Sinne, bleibt gesund und positiv,
Hoffentlich sieht man sich bald mal wieder im Studio!