29/08/2016
BLAU-GELBE ABENTEUER IM SCHWABENLAND (Teil 1)
Der RBS Bochum brauchte lange, um sich von der strapaziösen Exkursion in den tiefen Südwesten der Republik zu erholen. Vor lauter Schreck über die dortigen Begebenheiten und Erlebnisse hatte unser (ohnehin nur sehr oberflächlich qualifiziertes, schlecht bezahltes und noch schlechter motiviertes) Social-Media-Team sogar das Lesen und Schreiben verlernt. Auch waren die Spielerinnen und Spieler nach den dortigen Begebenheiten derart traumatisiert, dass lange Zeit wesentliche Geschehnisse am Neckar im Dunkeln geblieben waren. Aber nun soll, mit einiger Zeit Abstand und mühsam rekonstruiert aus durchweichten Kassenbons und Restaurantrechnungen, unbestechlich Zeugnis abgelegt werden über die blau-gelben Heldentaten im geheimnisvollen Land von Kehrwoch und Spätzle.
In jener Zeit, es war Ende Juni, reisten die blau-gelben Recken gar umständlich Richtung Süden: Züge, Autos, Flugzeuge, Busse oder bemannte Drohnen - alles war ihnen recht, um konspirativ den Weißwurstäquator zu überqueren. Zumindest beim CO2-Ausstoß pro Person würde der RBS ganz oben mitspielen, so viel war bereits vorab klar. In Tübingen bezog der sympathisch am Boden gebliebene Malocher-Klub aus dem Ruhrgebiet eine repräsentative Gastwirtschaft an der erschreckend vielbefahrenen Hauptverkehrsader des Dorfes, weil die feinen Herren und Damen im Vorfeld es leider versäumt hatten, sich Zelte zu beschaffen. Wen das Brot alle ist, muss man eben Kuchen essen! (Frei nach Maria-Theresia, oder so.) Der erste Tag im fernen Schwabenland bot dann auch noch ein meteorologisches Spektakel: Nach drückender Hitze um die Mittagszeit setzten gegen Abend noch heftigste Unwetter ein, weshalb die nun glücklich vereinte blau-gelbe Edeltruppe aus lauter Not und Angst vor einer Strafe der Götter den Abend in gemütlicher und geschlossener Gesellschaft im traditionellen Hotelrestaurant verbringen musste.
Was würde aber nun der erste Turniertag für die welt(ab)gewandten Westfalen bereithalten? Mit Sicherheit würde man wieder versuchen, etwas ähnliches wie Fußball aufs Feld zu zaubern. Doch wie sollte das gelingen, wenn weite Teile der Mannschaft die Vorbereitung eher als nett gemeinte Unverbindlichkeit betrachtet hatten? Gleich im ersten Spiel traf man auf einen (sehr) alten Bekannten: Es ging gegen Latrine Bamberg, der Gegner, gegen den man dereinst in Gießen das allererste WMC-Spiel bestritten hatte. Die kulturbeflissenen Bajuwaren ("Wir sind Latrine, ihr seid scheiße!") verlangten der Zufall-Truppe jedoch einiges ab, erst in der zweiten Hälfte konnten die Bochumer das Ergebnis auf 3:0 schrauben. Nach dem ersten Sieg in der Gruppenphase wartete auch im zweiten Spiel ein alter Bekannter: die Mannschaft aus Berlin. Nach einem packenden Kampf in Posen im letzten Jahr, der seinerzeit zugunsten des RBS ausging, lieferte man sich auf bestens vertrautem Kunstrasen nun ein intensives Spiel gegen die Hauptstadttruppe von der Spree - und kam letztlich über ein 0:0 nicht hinaus. Nach einer ausgedehnten Mittagspause (Lammrücken, Lachshäppchen und Linguine - gab es nicht) wollte der RBS nun gegen eine neu formierte Mannschaft aus Tübingen den triumphalen Weg an die Tabellenspitze antreten. Man war dabei eigentlich auf einem guten Wege, ehe ein (völlig unberechtigter!) Elfmeter ("Danke Merkel!") unsere stets fairen Streiter aus dem Ruhrgebiet unverhofft in Rückstand geraten ließ. Ein später Treffer bewahrte den RBS schließlich vor der ersten WMC-Niederlage im Jahr 2016 - am Ende hieß es 1:1.
Ein Sieg, zwei Unentschieden - damit hatte der RBS Bochum 2010 knapp die Hälfte seines gespielten Programms absolviert, als das hier präsentierte Mannschaftsfoto aufgenommen wurde, während sich im Hintergrund bereits finstere Unwetterwolken zusammenzogen. Doch wie würde es weitergehen? Würde sich der RBS endlich wieder, wie damals in Köln, für das Achtelfinale qualifizieren? Wie würden die Mädels und Jungs das üppige Frühstücksbuffet im Hotel verkraften? War das Festzelt ganz schön laut? Und, schließlich: Wo holt Bernie eigentlich den ganzen Most her? Fragen über Fragen, die wir (um unsere Klickzahlen zu steigern) im demnächst folgenden, zweiten Teil unseres erschütternden Tatsachenberichts aus Tübingen vielleicht beantworten werden!