06/05/2012
Kalt – Nass – und ganz alleine
Mönchengladbach 8. Mai 12
Soll ich oder soll ich nicht? Wie wird das Wetter? Kalt, nass? Bereits einen Tag vor dem Start der RTF in Mönchengladbach stellte ich mir diese Fragen und war unsicher, ob ich Sonntag früh meinen wohlverdienten Schlaf vorzeitig unterbrechen sollte, um an der RTF teilzunehmen.
Meinen ursprünglichen Wunsch, am Radmarathon teilzunehmen hatte ich bereits einige Tage vorher begraben, da meine Vorbereitungen für eine so lange Strecke nicht ausreichend waren.
Doch die 150 km Runde? Die wollte ich schaffen.
Also stand ich am Sonntag um kurz vor sieben auf, bereitete mich und mein frisch geputztes Rad vor und ging bereits um kurz nach acht auf die Strecke.
Der Wind kräftig aus Nord-Ost blasend lies die Tachometer-Nadel immer über Tempo 30 steigen, die Temperatur von 8°C konnte ich durch entsprechende Kleidung gut ertragen. Regen war für heute nicht angesagt, also hatte ich gutgläubig auch meine Regensachen zu Hause gelassen.
Voller Zuversicht und auch ein wenig stolz mich überwunden zu haben fuhr ich zügig die ersten 20 Km. Unterwegs traf ich keine anderen Rennradfahrer, ich war scheinbar ganz alleine unterwegs? In der Ferne hinter mir bewegte sich ein kleiner roter Punkt. Also waren doch noch andere Aktive unterwegs.
An der ersten Kontrolle, mitten auf einem Feldweg, traf ich dann doch noch auf andere Fahrer. Im Gespräch mit den Leuten, die die Kontrolle betreuten, erfuhr ich, dass am Marathon nur sehr wenige Fahrer teilnahmen, der Grund: wahrscheinlich das kühle und feuchte Wetter.
Kurz nach der Kontrolle erste Regentropfen. Ich schaute zum Himmel und dachte, naja viel Regen wird nicht fallen, weiter geht’s.
Doch welch´ein Irrtum!!! Nach wenigen Kilometern war ich ziemlich nass, Wassereinbruch auf der ganzen Linie, besonders meine Füße kühlten rasch aus. Und ich hatte noch Rückenwind, wie soll das nur zurück werden. Nass und alleine gegen den kräftigen Wind?
An der Streckteilung entschied ich, dass unter diesen Bedingungen 111 km auch genug sind.
Länger zu fahren, dass erschien mir unverantwortlich für meine Gesundheit.
Kurz nach der Streckenteilung blieb ich unter einer Unterführung stehen und mir war so kalt und ich war so nass, dass ich anrufen wollte, damit ich abgeholt werde, vom ADAC.
Genau in diesem Augenblick fuhren drei Aktive an mir mit relativ hoher Geschwindigkeit vorbei. Mit dem Handy noch in der Hand fuhr ich hinterher, denn ich dachte mir, dass ist die Gruppe, mit der ich zurück gegen den Wind ankämpfen kann. Ich erreichte die Drei, weil eine Ampel zum Glück auf rot sprang. Weiter ging die Fahrt und selbst gegen den Wind konnten die Fahrer vorne noch ein Tempo von über 30 km/h fahren. Ich dagegen konnte nur unter Aufbringung aller Kräfte die Gruppe halten. Einmal war ich schon hinten aus der Gruppe raus gefallen und was für ein Glück: wieder ein rotes Licht und ich war wieder in der Gruppe.
Auf dem Rückweg überholten wir noch einige einzelne Fahrer, größere Gruppen gab es an diesem Tag wohl nicht. An der letzten Kontrolle fuhr ich schnell weiter, mir war unendlich kalt und meine Fußtemperatur betrug wahrscheinlich deutlich weniger als -15°C. Ein Mitstreiter fuhr auch direkt weiter, so dass unsere Gruppe nun nur noch aus zwei Personen bestand. Abwechselnd im Wind konnten wir eine kleine Gruppe vor uns erreichen. Etwas Ausruhen und dann ging es wieder schneller weiter. Von hinten erreichte uns noch ein Fahrer, zu dritt ging es auf die letzten Kilometer ins Ziel.
Ich bedankte mich bei meinen unbekanntem Mitfahrer und ohne eine obligatorsiche RTF Wurst zu essen stieg ich ins Auto und fuhr nach Hause.
Wie schön, dass mein Auto eine Sitzheizung hat, Stufe 3!!
Meine Füße konnten aufgrund der niedrigen Temperatur nicht mit in die Badewanne, sie blieben draussen, erst Stunden später erreichten auch sie Körpertemperatur.
Was für ein Sonntag!! Ohne Regen kann ich wohl gar nicht mehr fahren?
Sandra