20/10/2026
Fahne verloren, Support eingestellt – und am Ende geht’s zu den Bullen…
7. September 2013, 8. Spieltag der dritten Liga. Der 1. FC Heidenheim empfängt die Stuttgarter Kickers. Eigentlich ein unspektakuläres Duell – doch dieser Samstag sollte für beide Szenen noch länger Thema bleiben.
Vor dem Anpfiff läuft alles wie gewohnt. Beide Kurven hängen ihre Zaunfahnen auf, darunter auch die Blauen Bomber 95 aus Stuttgart. Doch wenige Minuten später löst sich deren Lappen offenbar, weil er nicht richtig festgeknotet wurde, und landet auf dem Boden.
Das Kuriose: Die Stuttgarter selbst bemerken den Verlust zunächst nicht. Stattdessen entdeckt ein Heidenheimer aus dem Umfeld der Fanatico Boys die Fahne. Mit Innenraumakkreditierung ausgestattet, spaziert er seelenruhig zum Gästeblock, sammelt den Lappen ein und marschiert zurück Richtung Heimkurve.
Als die Kickers auch nach mehreren Minuten noch nichts checken, macht der Heidenheimer sie mit der Frage „Wo ist eure Fahne?“ auf den Verlust aufmerksam. Jetzt ist die Lage klar: Die Stuttgarter hängen ihr gesamtes Material ab und stellen den Support ein.
Doch die Geschichte ist damit noch nicht vorbei. Nach dem Spiel erreicht die Heidenheimer Ultras eine Nachricht: Die Gäste sollen planen, Anzeige zu erstatten. Da der Fahnenklau auf Kamera zu sehen sei, könne man so möglicherweise die Adresse des vermeintlichen Täters herausfinden.
Die Fanatico Boys reagieren darauf mit einem eigenen Statement. Sie erklären, dass sie sich unter diesen Umständen dazu entschlossen hätten, die Fahne zurückzugeben. Die möglichen Konsequenzen für Unbeteiligte und insbesondere die Familie des Beteiligten seien für die Gruppe nicht tragbar gewesen.
Dabei stellen die Heidenheimer grundsätzlich infrage, was ein solches Vorgehen mit der viel zitierten Mentalität der Ultraszene zu tun habe. Eine verlorene Fahne sei kein Grund, die Polizei einzuschalten, um an die Adresse eines Beteiligten zu kommen.
Am Ende landet der Lappen also wieder bei den Blauen Bombern. Ob man eine Fahne nach dieser Geschichte noch mit Stolz aufhängen könne, müssten die Stuttgarter laut den Fanatico Boys selbst entscheiden.