22/06/2026
Für mich ist Demenz kein allmähliches Verschwinden, sondern eine neue Form der Verbundenheit.
Lange habe ich Demenz als ein allmähliches Verschwinden erlebt.
Ich habe um den Verlust der Menschen getrauert, die sich veränderten und Stück für Stück weniger greifbar wurden.
Irgendwann begann ich, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Heute versuche ich, meine Eltern dort abzuholen, wo sie gerade sind.
Ich begleite sie auf einem Weg, den wir uns alle nicht ausgesucht haben. Ich entdecke dabei Seiten an ihnen, Geschichten und Erinnerungen, die ich vorher nie kennengelernt habe.
Seit meine Eltern in der Residenz leben, hat sich auch meine Rolle verändert.
Ich bin wieder mehr Tochter und weniger Organisatorin, Pflegerin oder Problemlöserin.
Dadurch entstehen Momente, die früher oft im Alltag untergegangen sind.
Gemeinsames Lachen.
Kleine Gespräche.
Verbundenheit.
Nähe.
Und eine andere Form der Liebe.
Es ist, als würde ich ein vertrautes Buch noch einmal lesen und dabei Kapitel entdecken, die ich bisher überblättert habe.
Die Herausforderungen sind deshalb nicht kleiner geworden. Die Sorgen auch nicht.
Aber ich habe gelernt, dass Begleitung nicht bedeutet, jemanden durch schwere Zeiten zu tragen.
Sie bedeutet auch, gemeinsam neue Wege zu finden und miteinander verbunden zu bleiben.
Und genau dafür bin ich heute dankbar.