25/03/2018
Ein Bericht der Autorin Jessica July die ebenfalls auf dem Frauen Selbstverteidigungsseminar von Roy Marsh dabei war.
Sei Gegner, kein Opfer
Der 17.03.18 war ein trüber Tag in Spaichingen. Doch das hielt die 14 Frauen nicht davon ab, ihr kuscheliges Sofa, die heimelige Küche oder sogar das warme Bett zu verlassen um sich in der Kampfkunstschule von Erkan Mete neuen Herausforderungen zu stellen. Im ersten Teil des Seminars beleuchtete Erkan die theoretische Seite der Selbstverteidigung. Statistiken belegen, dass sich 70 % der Angreifer wieder zurückziehen, wenn sie auf Gegenwehr stoßen. Denn Täter suchen keine Gegner, sondern Opfer. Oftmals genügen schon Kleinigkeiten, damit eine Frau nicht mehr als solches wahrgenommen wird. Ein erster Schritt ist es, sich das Thema Selbstschutz und Selbstverteidigung ins Bewusstsein zu holen. Sich darüber im Klaren sein, dass man gegen verbale und körperliche Übergriffe mehr tun kann, als nur den Kopf einzuziehen und zu warten, bis die Sache vorüber ist. Allein das kann schon dazu führen, dass man den Kopf höher und die Schultern straffer trägt. Sich bewusst machen, dass man es nicht erdulden muss, wenn Menschen, egal ob Freunde oder Fremde, einem zu nahe treten. Jede Frau hat das Recht zu sagen: „Ich will nicht von dir berührt werden! Lass das sein!“. Wichtig ist hierbei, klar und deutlich zu formulieren, was einen stört. Ein vages „Lass das!“ reicht hier nicht aus. „Hör auf mich anzufassen!“ ist da schon deutlicher.
Erkan beleuchtete auch die Unterschiede zwischen bekannten Tätern, wie Freunde oder Verwandte, und unbekannten Tätern, wie Fremde in der Kneipe oder auf der Straße.
Zudem erläuterte er an einem Fallbeispiel, wo die Intuition herkommt, wie sie sich bemerkbar macht und warum es so wichtig ist, auf sie zu hören. Wenn euch etwas komisch vorkommt, dann ist es das auch. Seid vorsichtig!
Im praktischen Teil zeigte Roy Marsh die häufigsten Angriffe und wie man ihnen begegnen kann. Hier hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit zu üben, was sie tun können, wenn sie am Handgelenk gepackt werden. Wie sie jemanden von sich runter bekommen, der auf ihnen drauf sitzt. Und wie sie sich aus der Situation befreien, wenn es ein Angreifer zwischen ihre Beine geschafft hat. Nur um ein paar wenige Beispiele zu nennen.
Trotz des ernsten Themas war die Stimmung entspannt und da man bekanntlich mit Spaß an der Sache am besten lernt, durfte auch gelacht werden.
Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass ein einmaliger Kurs bei weitem nicht reicht, um die Techniken sicher und souverän anwenden zu können. Daher der Rat an alle Teilnehmerinnen, schnappt euch euren Freund, Ehemann oder Bruder und übt mit ihm. Wenn ihr ihm wichtig seid, wird er euch sicherlich gerne dabei unterstützen euch selber zu schützen.
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