02/11/2024
Starke Kobold-Frauen sind Deutsche Meisterinnen im Mannschaftwettbewerb bei den Mainland Games
Am Wochenende vom 31. August bis 1. September riefen Birgit und Frank Remmer die Highland Games Gemeinschaft nach fünf Jahren Zwangspause durch Corona und Suche nach einem neuen Ausrichtungsort zu den traditionsreichen Mainland Games nach Flörsheim. Am Samstag wurden die Deutschen Meister in den Mannschaftswettbewerben bei den Männern und den Frauen gesucht. Am Sonntag starteten die A- und B-Heavies in den Aktiven und Master-Klassen im Liga eigenen Wettbewerb.
Die Mainland Games waren schon vor Corona eine Institution und Garant für perfekt organisierte und stimmungsvolle Highland Games. Seither kommen aus allen Teilen des Landes die Mannschaften und Einzelkämpfer nach Rüsselheim, um sich auf den Mainwiesen miteinander zu messen. Aufgrund von Auflagen und Verboten, musste jedoch ein neuer Standort gefunden werden. Die Organisatoren fanden diesen in direkter Nachbarschaft auf der anderen Mainseite in Flörsheim.
Die Crazy Leprechauns aus Seligenstadt meldeten bei diesem „Hessischen Heimspiel“ erstmals neben einem reinen Männer auch ein reines Frauen Team, bestehend aus jeweils sechs Mitgliedern. Als bekannt wurde, dass die Deutschen Meisterschaften in Flörsheim ausgerichtet werden, witterten die Frauen die Chance auf einen möglichen Podestplatz. Am Ende des Tages sollte diese Hoffnung in Erfüllung gehen und noch einiges mehr.
Die Vorbereitungen liefen nicht optimal. Verletzungspech zwangen beide Teams noch kurz vor den Meisterschaften ihre Teamzusammensetzung umzustellen und Ersatzleute zu finden. Diese haben sich perfekt eingefügt und in den trainingsintensiven letzten Wochen alles reingelegt. Nach holpriger aber zuversichtlicher Vorbereitung brachen alle Clanmitglieder, mit Fans und Freunden auf nach Flörsheim.
Das Wettkampfgelände und die Parkplätze waren gut beschildert und bot beim ersten Betreten wohlige Atmosphäre. Irische und Schottische Folksongs waren zu hören. Duft von frisch gebackenem Fladenbrot, geräuchertem Fisch und gebratenem Fleisch stieg in die Nase. Zahlreiche Stände bildeten den Celtic Market und boten neben Pony-Reiten und dem immer wieder beeindruckenden Schau-Schafehüten Abwechslung für Groß und Klein. Insbesondere war das berühmte Lebenswasser Whisky allgegenwärtig und wurde gerne verkostet. Auf der großen Bühne unterhielten Folk Bands, Stepptänzerinnen sowie Drums & Pipes Bands die Besucher.
Nach Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Flörsheim, den Organisatoren und durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Bundesfachausschusses für Highland Games im Deutschen Rasenkraftsportverband, wurden die Mainland Games feierlich eröffnet. Jürgen Stickelbrock übernahm wieder gekonnt und bissig die Moderation und referierte mit viel Witz und großem Hintergrundwissen über die Herkünfte der einzelnen Disziplinen und den technischen Herausforderungen. Er verglich nicht nur einmal und zu Recht die Belastung der elf Mannschaftsdisziplinen mit einem olympischen Zehnkampf.
Insbesondere die hohen Temperaturen forderten allen Teilnehmern Enormes ab. Weil man sich gegenseitig unterstützen wollte, starteten die beiden Teams der Crazy Leprechauns parallel durch die erste Hälfte des Wettkampfs. Noch frisch und im Besitz aller Kräfte begann man mit einer Geschicklichkeitsdisziplin, dem Hufeisenwerfen. Gute Ergebnisse hoben sofort die Stimmung beider Teams und so machte man sich auf zum traditionellen Steinstoßen. Fast alle Teammitglieder haben eine Ausbildung in der Leichtathletik genossen und einen großen Erfahrungsschatz im Kugelstoßen vorzuweisen. So konnten durch gute Technik Größen- und Kraft-Defizite gegenüber den favorisierten Mannschaften kompensiert werden. Mit einem hervorragenden Stoßergebnis ging es dann zum Baumstammslalom. Hier kommt es darauf an, mit Schnelligkeit und Geschick einen 6 m langen und ca. 70 kg schweren Baumstamm im Slalomparcours so schnell wie möglich und ohne Strafsekunden hindurchzutragen. Nicht unbedingt eine Stärke der Männer, aber dafür machten die Frauen einen Super-Lauf. Die Läufe selbst waren sehr anstrengend und so nutze man eine Wartepause, um selbst einmal durch zu schnaufen. Nachdem konkurrierende Mannschaften den Gewichtshochwurf absolvierten, konnten die verrückten Kobolde ihr Können beweisen; oder auch doch nicht. Leider blieben beide Teams bei dieser Disziplin hinter den Möglichkeiten, was ein wenig die Stimmung trübte, weil man natürlich auch die Leistungen der übrigen Mannschaften im Blick hatte und immer direkte Vergleiche anstellte. Aber abgerechnet wird bekanntlich zum Schluss. Beim Strohsackhochwurf ging es mit gemischten Gefühlen weiter. Zeit für die Mittagspause; zumindest für die Männer. Die Frauen waren noch voller Energie und gingen gleich zu den nächsten Disziplinen über und beide Teams gingen somit zunächst getrennte Wege. Gestärkt ging es dann zum Gewichtsweitwurf und gute Ergebnisse machten wieder Mut. Beim Caber Toss, der Königsdisziplin bei den traditionellen Highland Games, fanden beide Teams die gewohnte Stärke wieder. Und auch beim Stone of Manhood, dem Steinheben, wurden solide Ergebnisse eingefahren. Aber die Tuchfühlung zu den favorisierten Männermannschaften ging verloren, weil diese sich keinerlei Blöße gaben. Drei der unbeliebtesten Disziplinen hatten die Männer noch vor sich: den Timberwalk, den Farmers Walk und das Fassrollen. Die läuferischen Defizite waren nicht ganz so frappierend, aber an der Griffkraft müssen die verrückten Kobolde noch erheblich arbeiten. Allzu schnell glitten die beiden Baumstämme mit je 55 kg Eigengewicht aus den Händen, während andere Clans Runde um Runde hinter sich brachten. Beim Fassrollen konnte man sich von Versuch zu Versuch steigern und durch geschickte Technik beim Anschieben und Lenken eine sehr schnelle Zeit erzielen.
Alle elf Disziplinen wurden absolviert, niemand war ernsthaft verletzt, aber Spuren haben alle davongetragen. Jetzt hatte man sich ein Guinness, Kilkenny oder Cider verdient. Jeder löschte seinen Durst und genoss die Köstlichkeiten des Celtic Market. Gemeinsam saß man zusammen, ließ Disziplinen R***e passieren und knüpfte mit den anderen Clans Freundschaften. Das Warten auf die Siegerehrung war spannungsgeladen. Um 19.00 Uhr war es dann soweit. Zuerst wurden Sonderpreise für die Newcomer des Wochenendes vergeben, bevor dann die Sieger bei den Frauen gekürt wurden. Als Platz 3 aufgerufen wurde, war unserem Damen-Team schon klar, dass es den erhofften Platz auf dem Podest gab. Es wurde die Damenmannschaft der Outback Bulls aufgerufen. Ein sehr starkes Team, das erst vor kurzem Meister in Nordrhein-Westfalen wurde. Aber es kam noch besser. Als die GEarls of Burnlight als Vizemeisterinnen auf die Bühne geholt wurden war klar, die Damen der Crazy Leprechauns sind Deutsche Meisterinnnen im Mannschaftswettbewerb. Alle waren geplättet. Für die verrückten Kobolde lag der „Pot of Gold“ in Flörsheim. Viel stärker eingeschätzte und erfahrenere Damen-Teams wurden auf die Plätze verwiesen. Die Freude war riesig groß, damit konnte man im Vorfeld gar nicht rechnen. Aber eine geschlossene Mannschaftsleistung und eine gute Mischung aus Erfahrung und Jugend haben den Ausschlag gegeben. Deutsche Meisterinnen im Teamwettbewerb der Highland Games!
Bei den Männer war schon vorher klar, dass die Crazy Leprechauns das Podest verfehlen. Platz sechs war am Ende das bislang beste Resultat bei Deutschen Meisterschaften der Highland Mannschaft aus Seligenstadt. Platz fünf und vier gingen an die Outback Bulls und die Earls of Burnlight. Um die Plätze drei bis eins wurde es noch einmal spannend. Der Clan Mc Hohenlohe, letztes Jahr noch Sieger bei den 2. Einhard Games und bei den diesjährigen Highland Games im Angelbachtal, wurden doch relativ deutlich auf Platz drei verwiesen. Die Abonnement-Sieger der letzten sechs Jahre, die Paradise Punks aus Grefrath in NRW wurden verletzungsgeschwächt Vizemeister und das laufstärkste Team der Mad Dogs aus Nettetal wurde zum ersten Mal, aber an diesem Tage äußerst verdient, Deutsche Meister im Mannschaftswettbewerb der Männer.
Der Bericht ist von Frank Janning geschrieben und das Bild stammt von Oliver Janning