12/05/2026
Scarlett O’Hara goes Nike!
Ja, ihr seid höchstwahrscheinlich irritiert, was denn dieser Titel soll. Daher erlaube ich mir einen kleinen Exkurs in die Filmgeschichte für diejenigen, die den Mammut-Film “Vom Winde verweht!” nicht kennen. Das Scarlettchen ist eine verwöhnte Südstaatengöre die, wenn sie mit Problemen konfrontiert wurde, beschloss, die Lösungssuche auf morgen zu verschieben.
„After all, tomorrow is another day!“
Und schon bin ich bei der Kundschaft. 😉
Klasse Herleitung und noch dazu habe ich ganz subtil mein bombenmäßiges Filmwissen aufblitzen lassen. FABulös!
Aber nun zurück zu den Scarlett’s, äh den Kunden oder vielmehr „Pseudokunden“ dieser Welt.
Als Hundetrainerin liebe ich es, wenn Hundehalter ein Problem mit ihrem Hund feststellen und um Hilfe bitten. Das ist der erste Schritt um eine Optimierung für das Mensch-Hund-Team herbeizuführen.
Ich lieben es auch, wenn ich beim Ersttermin zügig einordnen kann, was denn so das große Thema ist und der Fahrplan für einen soliden Trainingsansatz in meinem Kopf schon steht.
Let’s go, lasst es uns anpacken!
Die Frau Hundetrainerin liebt es auch, wenn die Kunden erkennen, dass eine Veränderung zum Positiven möglich ist und noch dazu der Spaß am und mit dem Hund dennoch erhalten bleiben kann. Steile Lernkurve für alle JA, Bootcamp NEIN.
Wir Hundetrainer lieben motivierte Kunden, die auf die greifbare Erfolgswelle aufspringen, los surfen und - ACHTUNG Bezug zur Überschrift - den Nike-Slogan “Just do it!” zur Tagesordnung ausrufen.
YES, Beckerfaust, Spiel,Satz und Sieg!
Es könnte so unkompliziert sein, wenn nicht nach sehr kurzer Zeit die kleine Kunden-Scarlett mit ihrem Reifrock zum Vorschein käme und das Problemchen Hund vornehm auf irgendwann vertagen würde. Denn es ist doch irgendwie anstrengender als Schaukeln und Kuchen zu essen. Puh, also verpufft der erste Trainingsimpuls und aus “Just do it!” wird ein “Maybe tomorrow!”
Wir Trainer verstehen das, aber mögen es nicht!
Bei schwerwiegenden Problemen müssen Mensch-Hund-Teams oftmals engmaschig betreut werden, bis der Mensch so gestärkt ist dass er, auch wenn es kernig wird, handlungsfähig bleibt und sich selbst zu helfen weiß. Dann entsteht Routine, dann geht’s nur noch um Feinheiten und Prävention. Das wiederum mögen wir Hundetrainer. Es sind die kleinen Feinheiten, bei denen wir nur noch in Nuance justieren, der Kunde super in der Umsetzung ist und der Hund wieder strahlt, die alle Mühen wert sind.
Wer nun aber meint, er könne nach einer Bestandsaufnahme beim Ersttermin im sechswöchigem Trainingsrhythmus die Welt verändernd und jahrelange Probleme verpuffen lassen, der sollte wirklich lieber im Reifrock Sommerfeste feiern, denn wir werden keinen Erfolg erziehen.
Das ist auch absolut ok, wenn man uns Trainer dann auch konsequent aus der Pflicht lässt und dazu steht, dass man eigentlich weder für den Hund noch für sein Problem Zeit hat. Jeder darf für sich entscheiden, sollte aber auch dann artig die Konsequenzen tragen.
Sich immer wieder über den Hund zu beschweren, im Gegenzug aber auch keinen Terminvorschlag annehmen können bringt schlichtweg für keinen etwas Sinnvolles hervor. Der Hund bleibt auf der Strecke und wir Trainer haben am Ende noch hübsche Negativwerbung weil "Hundetraining bei XY ja nix bringt!"
“Mich interessiert das Drumherum nicht, der soll nur aufhören die Kinder zu beißen! Wenn sie das heute im Training wegmachen können, dann machen wir den Termin!“
Ja, ja aus Druck entstehen Diamanten oder auch eine Lungenembolie - kommt ja drauf an wo welcher Druck drückt.
Wenn Hundetraining so einfach wäre, dann hätte ich den Reifrock an, die fette Torte auf dem Teller und würde mit dem Zauberstab von der Hollywoodschaukel aus “Schnippididu” rufen und alles wäre feini. Solche "Machen Sie das so und so!" Anforderungen von Kunden, die im Grunde keine Kunde werden wollen, müssen leider draussen bleiben. Ich nehme sie als Inspiration für bunte Bilder, für die Erkenntnis, dass sich meine Haltung zu Hunden und mir selbst nicht verbiegen lässt und dass ich nicht zuständig bin für den Irrsinn der anderen. Ich verweile in meiner eigenen Hüpfburg und teile hier, wenn ich die Musse habe meine Gedanken und Ansätze mit einem großen Augenzwinkern, einer soliden Portion Humor und der ein oder anderen Erkenntnis.
Ich vergebe ab sofort Scarlett-Termine. Enthalten sind zwei Hysteriker Whatsapps ab 20:00 Uhr mit Beschwerden über den furchtbaren Hund, wahlweise auch über den bockigen Hundetrainer und zwei Pseudo- Trainingseinheiten die ich mir in meinem Kalender eintrage, die aber natürlich nicht real stattfinden. Danach darf der Kunde überall erzählen, dass er schon alles versucht hat und die Frau B. es ja auch nicht hinbekommt. Eine Grußkarte mit der Aufschrift "Schade ums Geld!" lege ich noch oben drauf. Will ja nicht geizig sein.
Service - total meine Welt! 😉
Liebe super Kunden, ja, es gibt sie und zwar reichlich,
für euch bleibt alles so wie es ist und jeder darf mich gerne Dinge zehnmal fragen und mir Videos schicken damit ich mal kurz was anschaue was Bauchweh verursacht. Alle die so bemüht sind, sich durch die Untiefen der Hundeerziehung zu mühen, ihr alle seid der Grund warum Hundetrainer ein toller Job ist.
So lange es nur für einen Hund besser wird, ist jedes Gespräch goldwert. Kunden dürfen auch hadern, in Frage stellen, auch andere Wege gehen. Es ist verständlich, wenn das Training mal pausieren muss weil es nervlich oftmals einfach zu viel ist. Das „Rumschrauben“ am Menschen und am Hund ist emotional extrem anstrengend, da müssen wie Hundeprofis selbst ein gutes Mass an den Tag legen und klug entscheiden, welche Themen wir anstossen können im Training und wovon wir im Coaching mal die Finger lassen sollten.
Mein Job ist es, in Lösungen zu denken und nicht Rüschchenblusen aufzubügeln. Wer früh gelernt hat, dass sein Handeln Konsequenzen hat, dem bleibt eine Menge Drama im Leben erspart.
Ich wünsche meinen lieben Kollegen viel Freude mit ihren „Super-Kunden“ und euch „Super-Kunden“ viel Freude mit den richtigen Profis an eurer Seite!
Den Scarletts weiter viel Erfolg beim Enttäuscht- und Motzigsein. Ja, die Welt ist schuld oder ich oder das Universum.
„Frankly, my dear, I don’t give a damn!” um es mit Rhett Butler zu sagen.
Just do it Scarlett!
Eure Frauke