11/03/2025
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Gute Tiere, schlechte Tiere: die Waschbären
„Hilfe! Ein Waschbär ist im Garten aufgetaucht. Was mache ich mit dem?“ fragte jemand in einer Gartengruppe „Sofort zur Strecke bringen“ war die prompte Antwort. Schließlich sei der Waschbär ein Neozoon, also ein „Neubürger“ und eine Bedrohung für Vögel und Amphibien. Und außerdem gehöre er zu den invasiven Arten.
Hinter einige Punkte möchten wir ein großes Fragezeichen machen:
🦝 Waschbären leben seit rund 100 Jahren hier. Ob man sie immer noch als Neozoen bezeichnen kann, ist fraglich.
🦝 Als „invasiv“ sind sie seltsamerweise erst ab dem Jahr 2014 eingestuft. Was vorher anders war, erschließt sich nicht wirklich.
🦝 Diese Einstufung als „invasiv“ zieht jedoch einen Rattenschwanz an Grausamkeiten mit sich: Taucht etwa ein Waschbär im Garten auf, darf nur der Jäger eine Lebendfalle aufstellen. Tappt der Waschbär hinein, wird er entweder noch vor Ort erschossen. Oder – ganz diskret – abtransportiert und ein paar Meter weiter getötet. Als invasive Art darf er laut Gesetz nicht wieder ausgewildert werden.
🦝 Gegner des Waschbären sagen, er dezimiere heimische Beutetiere in rasantem Tempo. In besonders sensiblen Gebieten käme es zu Problemen, vor allem bei Amphibien.
Richtig ist, dass Amphibien zu seinem breiten Nahrungsspektrum gehören, genau wie Vogelgelege. Darin steht er Eichhörnchen und Spechten übrigens in nichts nach. Die genießen jedoch einen bessern Ruf.
Doch eine sechsjährige Studie der TU Dresden konnte aufzeigen, dass der Waschbär nicht für den Rückgang einzelner Arten verantwortlich ist - was jedoch nicht ausschließt, dass der Waschbär lokal Probleme bereiten kann.
🦝 Grundsätzlich aber wünschen wir uns bei der ganzen Diskussion einfach Respekt vor jedem Lebewesen. Aus ökologischer Sicht kann man dem Waschbären einiges vorwerfen, aus ethischer Sicht hingegen nicht.
Er hat es sich sicherlich nicht ausgesucht, vor rund 100 Jahren aus Amerika in europäische Pelzfarmen transportiert worden zu sein. Ein Fehler, der nun durch Abschüsse in sechsstelliger Höhe ausradiert werden soll. Übrigens ohne Erfolg.
🦝 Was wie eine Posse erscheint: Der Verein Hauptsache Waschbär will unbedingt ein Pilotprojekt zur Waschbär-Kastration starten (Infos auf deren Internetseite). Momentan scheitert es an einer einzigen Genehmigung: nämlich der der Jagdbehörde.
Foto © pixabay