09/03/2020
Montagsgedanken…
Plötzlich flog sie im hohen Bogen durch die Luft und… zerbrach auf dem Wohnzimmerboden. „So ein Mist, die schöne Tasse…“ nur noch vier traurige Teile und eine kleinen Pfütze Tee, die in den Ritzen des Parketts versickerte.
Ich hatte einen kleinen Moment nicht aufgepasst und - zack – beim Aufstehen die Tasse vom Couchtisch gefegt. Das war meine Lieblingstasse, ein Geschenk meiner Freundin. Was nun? „Ich kann sie doch nicht einfach wegwerfen…“
Kintsugi (金継ぎ) oder Goldverbindung ist eine japanische Tradition. Dabei werden Keramik- oder Porzellanscherben mit einem speziellen Lack geklebt, in den feinstes Pulvergold eingestreut wird. Im Sinne von Wabi- Sabi entsteht dabei die Schönheit erst durch den Fehler, der durch die Goldverbindung besonders hervorgehoben wird.
Freitag, letzte Woche. 4 Monate hat es gedauert, bis ich die Tasse endlich bei Frau Watanabe wieder abholen konnte. „Für das Geld hättest Du Dir auch ein neues Service kaufen können.“, würdest Du wahrscheinlich denken, wenn ich Dir erzähle, was die Reparatur gekostet hat.
Das ist in diesem Fall völlig nebensächlich. Denn kannst Du Dir vorstellen, wie sehr ich mich über die neue Schönheit der Tasse freue? Das Gold hebt den eigentlichen Makel noch hervor, macht ihn schöner. Für mich hat sie jetzt mehr Charakter, verfügt über eine gewisse Reife. Sie hat jetzt eine Patina… Ich mag das. Sehr.
„Was wäre, wenn… wir das bei unseren Freunden genauso machen könnten?“ habe ich mich gefragt. Wenn wir das, was uns stört, nervt oder worüber wir uns geärgert und gestritten haben wieder kitten und „einfach mit Gold bestreichen.“ Uns nicht am Unperfekten stören, sondern einen anderen Blick darauf werfen. Kintsugi.
Vielleicht würden Freundschaften und Beziehungen daran wachsen und weniger auseinanderdriften. Zu weit hergeholt? Vielleicht. Aber mir gefällt der Gedanke. Dir ja vielleicht auch...
In diesem Sine wünsche ich Dir einen goldenen Start in diesen Tag und eine erfolgreiche Woche. Herzlichst Michael.