29/06/2026
Und nun spielt unser Altonaer Fussball-Club also gegen den großen FC St. Pauli. Die Online-Tickets scheinen ausverkauft zu sein; der Hype der Regionalliga setzt sich also fort. Knapp 5.000 Zuschauer könnten es werden. Sind es am Ende doch nur die vielen Fans des Klubs aus dem benachbarten Stadtteil, die die Adolf-Jäger-Kampfbahn vollmachen?
In die allgemeine Euphorie kann manch einer jedenfalls nicht so recht einstimmen. Das mag an den hohen Temperaturen liegen, die am Wochenende jegliche Lebensfreude im Keim erstickten.
Oder vielleicht an den 16 Abgängen, von denen viele enorm schmerzen. Für die Spieler selbst ist es natürlich verständlich: Sie wollen so hoch wie möglich spielen, und es ist bestimmt eine tolle Sache, beim SV Todesfelde von 1928 e.V., SC Weiche Flensburg 08 oder sonst wo aufzulaufen. Aber dann sollten die Kicker nicht vorab von ewigem Wunsch, Kinder-Bettwäsche, bunten Fans, dem tollen Stadion, „Kult oder Klub“ und einer langen Historie schwadronieren. Der Romantiker in uns wünscht sich nun mal mehr Uwe Seelers oder Klaus Thomfordes. Oder eben Spieler, die einen "selbst verschuldeten" Abstieg auch in dem ja vorher ach so tollen Verein wiedergutmachen wollen. Ist aber nicht so – weil selbst im semiprofessionellen Bereich längst alles von Beratern und deren Systemen beherrscht wird. Oder ist das etwa anders? Insider vor, belehrt uns gern eines Besseren!
Und nun also der Test gegen den Zweitligisten. Klar, deren Fans wollen ihr Team sehen – zum ersten Mal vor der neuen Saison, mit den wenigen Neuzugängen und dem neuen Coach. Und sicher tut dem AFC das volle Stadion auch finanziell gut, wer weiß, welche Bedingungen die Klubs da ausgehandelt haben. Aber: Sogleich sabbeln die Ersten wieder von „Brüdern und Schwestern“ und von Fans, die sich doch ach so toll verstehen. Das ist sehr, sehr, sehr oft so und das ist auch gut so.
Versteht uns nicht falsch: Es gibt sicherlich viele Gemeinsamkeiten zwischen den St.-Pauli-Fans und den AFC-Anhängern. Aber es gibt eben auch viele HSV-Anhänger, die Altona mindestens als Zweitverein im Herzen tragen. Oder Bochumer, Braunschweiger, Bayern, Freiburger, sogar Bremer und was auch immer für Fans. Alle sind stets willkommen an der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Aber irgendwie tut es doch weh, so viel mehr „fremde“ Farben im eigenen Stadion zu sehen, als es ohnehin schon der Fall ist, selbst wenn der FC gar nicht spielt.
Vielleicht muss sich Altona 93 noch mehr darum kümmern, eine eigene, ganz eigenständige Identität aufzubauen. Die gibt es ja eigentlich, aber sie sollte noch viel deutlicher betont werden. Oder? ist es toll, als kleine Schwester eines großen Klubs wahrgenommen zu werden. Oder ist das gar nicht so?
Der Artikel soll keineswegs spalten. Aber die große Euphorie kommt bei diesem Testspiel einfach nicht auf – und das liegt eben nicht nur daran, dass die Getränkeversorgung im Stadion mal wieder kurz vor dem Infarkt stehen dürfte.
PS: Dieser Beitrag trifft sicherlich nicht die Meinung aller Sympathisanten.
PPS: In Anlehnung an Norbert und die Feiglinge: Trotzdem gehn wa hin.;-)