05/05/2026
Wissen ist Macht. Nichts wissen geht auch mal in die Hose.
Aufstiegsgeschwindigkeit – was x Meter-pro-Minute wirklich bedeuten
Die Regel klingt einfach: nicht zu schnell aufsteigen. Gängige Empfehlungen nennen Werte zwischen neun und achtzehn Metern pro Minute – je nach Ausbildungssystem, Tabelle oder Computer. Zehn Meter pro Minute ist ein verbreiteter Richtwert, aber kein universelles Limit. Was selten erklärt wird, ist, warum diese Zahlen existieren – und warum keine davon ein universell sicheres Limit ist, sondern immer ein Kompromiss. Stickstoff, der beim Tauchen ins Gewebe diffundiert, muss beim Aufstieg wieder abgegeben werden. Das geht nur, wenn der Umgebungsdruck langsam genug sinkt, damit das Gas in gelöster Form die Lunge erreicht, statt im Gewebe als Blase auszufällen. Die Aufstiegsgeschwindigkeit bestimmt direkt, wie schnell dieser Druckabfall stattfindet. Ein Wert um die zehn Meter pro Minute ist einer, bei dem die meisten Algorithmen für die meisten Taucher unter den meisten Bedingungen akzeptable Blasenlasten modellieren. „Die meisten" ist dabei das entscheidende Wort. Moderne Dopplerforschung zeigt, dass selbst bei Einhaltung gängiger Grenzen messbare venöse Gasblasen auftreten – in unterschiedlichem Ausmaß, abhängig vom Individuum, vom Profil und von der Vorgeschichte des Tauchtages. Umgekehrt zeigen konservativere Aufstiege, etwa fünf Meter pro Minute im letzten Segment, signifikant reduzierte Blasenlasten. Das ist kein theoretischer Vorteil – es ist messbar. Für die Praxis heißt das: Jeder empfohlene Richtwert ist eine Obergrenze, kein Zielwert. Wer langsamer aufsteigt, macht keinen Fehler. Wer mehrere Tage hintereinander taucht, tut gut daran, die letzten Meter besonders bewusst zu steuern. Und wer seinen Tauchcomputer dabei zusieht, wie er grünes Licht zeigt, sollte nicht vergessen, dass das Gerät nur das Modell sieht – nicht den Taucher.