10/09/2023
Donnerstags mit Julie von Bismarck: Pferde erkennen Trauer.
Die meisten von uns hätten wohl keine Studie benötigt, um das zu wissen. Aber für alle, die den Tieren immer noch emotionale Intelligenz und so etwas wie Mitgefühl absprechen: Es gibt nun eine erste Studie zu der Frage, ob Pferde anhand des menschlichen Gesichtsausdruckes und der Stimmlage auch eine Emotion mit sehr niedrigem Erregungsgrad wie Trauer erkennen können. (Dass sie dies mit Emotionen höheren Erregungsgrades wie Freude oder Wut mit Leichtigkeit können, war ja bereits hinlänglich bewiesen.)
Wenig überraschend -zumindest für mich- bestätigte die Studie, dass Pferde auch Trauer in Menschen erkennen und, wichtig für alle die meinen, sie könnten ihre Pferde mit einem aufgesetzten Lächeln oder einer extra freudig quietschigen Stimme täuschen, genau registrieren, wenn Bild und Stimme nicht zusammenpassen. Also trauriges Gesicht, fröhliche Stimme oder anders herum.
Und sie reagieren auf Trauer, wie aus den Herzschlagmessungen sowie der Mimik abzulesen war, in gleicher Weise wie auf Emotionen höherer Erregungsstufen, passen also Herzfrequenz und Mimik der des Menschen an.
Man nennt dieses Phänomen in der Wissenschaft „emotional contagion“, es gilt als Vorstufe der Empathie und war bisher eher bei Primaten und Menschen ein Thema.
Ich glaube, jedes Pferdemädchen (und jeder Pferdejunge), der oder das die Enttäuschungen, die Auseinandersetzungen, die gebrochenen Herzen seiner Kindheit, Jugend und - in meinem Fall – des Erwachsenenlebens in die sanfte, freundliche, tröstliche Umgebung eines Pferdes trug und sich dort unter dem mitfühlend prüfenden Blick aus großen braunen Augen und dem sanften Prusten in Gesicht und Nacken aus weichen Nüstern innerhalb von Minuten vollends verstanden und getröstet fühlte, hätte dies auch ohne wissenschaftlichen Beweis bestätigt.
Ich bin dennoch dankbar für diese Studie, denn es beweist einmal mehr, warum es zutiefst abscheulich ist, Pferden Zwang und Gewalt zu zufügen – in welcher Form auch immer. Beschützt Eure Pferde! Freundlichere Wesen gibt es nicht. ©Julie von Bismarck
https://doi.org/10.1007/s10071-023-01817-7
Horses recognise grief.
Most of us probably wouldn't have needed a study to know that. But for those who still deny animals emotional intelligence and something like compassion: There's now a first-of-its-kind study on the question of whether horses can recognize a very low arousal emotion like grief based on human facial expressions and voice pitch. (That they can do this with ease with emotions of higher arousal levels such as joy or anger has already been sufficiently proven).
Not surprisingly - at least for me - the study confirmed that horses also recognize sadness in people and, importantly for all those who think they can fool their horses with a fake smile or an extra joyful squeaky voice, register exactly when image and voice do not match. So sad face, happy voice or the other way around.
And they react to sadness, as could be read from the heartbeat measurements as well as the facial expressions, in the same way as they react to emotions of higher arousal levels, i.e. they adapt heart rate and facial expressions to those of the human.
In science, this phenomenon is called "emotional contagion", it is considered a precursor of empathy and has so far been more of an issue with primates and humans.
I believe that every horse girl who has experienced the disappointments, the arguments, the hearts broken by various boys of her childhood, adolescence and - in my case - adult life in the gentle, friendly, comforting environment of a horse and felt fully understood and comforted there within minutes under the compassionate scrutinizing gaze from big brown eyes and the gentle snorting in the face and neck from soft nostrils, would have confirmed this even without scientific proof.
Nevertheless, I am grateful for this study because it proves once again why it is deeply abhorrent to inflict coercion and violence on horses - in whatever form. Protect your horses! Friendlier creatures do not exist. ©Julie von Bismarck