29/10/2017
Von äußerer Spannkraft zu innerer Lebenskraft, Lebensbegeisterung und Lebensenergie
Gestern durfte ich einen Tag in kleiner Runde mit Ute Strub, einer Schülerin und späteren engen Freundin von Elfriede Hengstenberg erleben. Ute Strub weiß alles über die Sichtweise Hengstenbergs zur Ganzheitlichkeit der Bewegungsentfaltung und hat viele Übungen von ihr in liebevoller Weise fortgeführt und erweitert. So saß ich eingangs auf einem aus Brettchen gebauten Stuhl mal mit Kippelholz oder Balancierscheibe ergänzt und ertappte mich dabei, wie ich zuerst dachte, warum sitze ich jetzt auf einem selbstgebastelten Stuhl, ich will doch lieber etwas über die Geräte und den Stundenaufbau erfahren und lernen. Zuerst lernte ich jedoch etwas Wesentliches über mich selbst. Jede der ausgewählten Übungen brachte mich wieder mehr und mehr in Kontakt mit meinen Armen und Beinen, meinem Rücken, meiner Wirbelsäule, meinem Kopf. Was vorher spürbar abgetrennt von mir schien, war jetzt wieder lebhaft fühlbar und zu einer Einheit verbunden. Also schlängelte ich weiter auf dem Rücken liegend mit erhobenen Armen wie eine Schlange über den Boden, und alles fügte sich auf beeindruckende Weise zusammen und wurde geschmeidig und weich. In einer Übung forderte Ute uns auf, schnellen Schrittes zur Arbeit zu laufen und eine donnerndes fast bedrohliches Stampfen ertönte im Raum. Danach sollten wir eher leicht tänzelnd anmutig durch den Raum schweben, und es fühlte sich wunderbar leicht und beschwingt an. Ute erinnerte uns immer wieder daran, ganz und gar dabei zu sein, wenn wir etwas tun, beispielsweise einen Hocker anheben und nicht plumsend, sondern sanft und ganz bewusst zu Boden zu stellen, da alles auch eine direkte Wirkung in Teilen unseres Körpers hätte. Ich erfuhr also durch all diese kleinen einfachen Übungen, worum es Hengstenberg in Ihrer langjährigen Arbeit mit Kindern wirklich ging. Sie wollte den Kindern, durch ihre Bewegungsgeräte und Aufgaben zu einer natürlichen Spannkraft und Körperbewusstheit verhelfen, was unweigerlich über das Spielen, dem Experimentieren und dem Erforschen eben dieser Geräte geschah. Sie wünschte Ihnen, jene äußere erworbene Spannkraft und Körperbewusstheit ein Leben lang zu erhalten, denn diese äußere Spannkraft entwickle in ihrem Inneren auf geniale Weise jene Lebensenergie, Lebensbegeisterung und Lebensstärke, mit der sie alle Widerstände und Hindernisse des Lebens mühelos meistern würden.
Meine in diesen zurückliegenden Stunden wiedergefundene äußere Spannkraft und Körperbewusstheit verwandelte mich ebenfalls auf erstaunliche Weise, und ich weiß nun umso mehr, die Bedeutsamkeit der Arbeit Hengstenbergs wertzuschätzen und freue mich darauf dies auch in meinen SpielRaum Kursen weiterzugeben.