Kommunikation ohne Worte - KoW

Kommunikation ohne Worte - KoW Sie betreuen Patienten, die sich nicht (mehr) mit Worten verständigen können? Körpersprache-Trainings für die Gesundheitsbranche

Ausbildung in nonverbaler Kommunikation für Gesundheitsberufe

„Mein Bein tut so weh. Mein Bein tut so weh."So klagt sie den ganzen Tag.Nach kurzer Rücksprache mit der Pflege bin ich ...
24/06/2026

„Mein Bein tut so weh. Mein Bein tut so weh."

So klagt sie den ganzen Tag.

Nach kurzer Rücksprache mit der Pflege bin ich beruhigt: schmerztherapeutisch gut eingestellt, Physiotherapie läuft. Es wird alles getan. Also geht es um etwas anderes. Nicht um körperlichen Schmerz allein.

Wie erreiche ich sie? Welche Brücke trägt?

Ich mache mich auf die Suche.

Erst gehe ich über das Ohr. Greife ihre Worte auf, antworte auf ihre Klagen. Keine Veränderung.

Dann über das Auge. Ich lasse mich auf ihre Bewegungen ein, synchronisiere mich mit ihr, damit sie körperlich spüren kann: jemand ist bei mir. Keine Veränderung.

Eine sanfte Berührung am Bein. Auch das trägt sie nicht weit.

Also suche ich weiter. Was kann unser gemeinsames Drittes sein?

In der Arbeit mit Menschen mit Demenz nenne ich das: Sinnesbrücken suchen. Wege zur Verbindung, wenn Worte nicht mehr tragen.

Eine Rose auf der Dachterrasse – sie schaut kurz hin. Dann wieder: „Mein Bein tut so weh."

Dann kommen wir am Lavendel vorbei.

Ich pflücke einen Zweig. Wir riechen gemeinsam daran.

Ihr Gesicht verändert sich vollkommen.

Sie strahlt. Riecht noch einmal. Und noch einmal. Und sagt:

„Wie schön. Wie schön."

Zehn Minuten verharren wir so. Wenn der Lavendel ihr aus dem Sinn schwindet, knüpfe ich wieder daran an. Und die Freude kommt zurück. Immer wieder.

Zehn Minuten Genuss. Zehn Minuten bei sich.

Und das ist ihr Geschenk an mich heute:

Indem der Lavendel unser gemeinsamer Raum wurde – der Ort, an dem sie zu sich fand – hat sie auch mich darin gehalten. Zehn Minuten durfte ich staunend genießen, was jederzeit vor mir liegt. Und woran ich doch so oft vorbeigehe.

Was mich über 27 Jahre in der Therapie im Hospiz fasziniert hat:Wenn wir uns auf einen Menschen einlassen – ihn wirklich...
19/06/2026

Was mich über 27 Jahre in der Therapie im Hospiz fasziniert hat:

Wenn wir uns auf einen Menschen einlassen – ihn wirklich entdecken wollen, ohne ihn in eine Richtung zu drängen –

dann passieren großartige Dinge.

Auch am Lebensende. Gerade am Lebensende.

Unabhängig von körperlicher oder geistiger Kraft. Trotz größter Einschränkungen.

Leben, das aufblüht, während der Körper schwindet. Beziehungen, die sich öffnen, die jahrzehntelang verschlossen waren. Menschen, die zu sich selbst finden – in den letzten Wochen, manchmal in den letzten Tagen.

Das ist keine Ausnahme. Es ist das, was möglich wird, wenn echter Kontakt entsteht.

Genau das motiviert mich. Und es hört nicht auf. Denn jeder Mensch ist eine eigene Welt.

Ob im Ricam Hospiz Berlin – oder seit dem 1. Juni im Seniorenzentrum Wiesengrund in Winterthur.

P.S. Darüber schreibe ich in meinem Buch, das ich in diesem Frühjahr veröffentlicht habe: „Glücksmomente – Geschichten vom Lebensende."
Wer mehr erfahren möchte, findet es hier:

https://wwwkow.tentary.com/p/VoN6qN

Frau N. liegt n***t im Bett. Sie hat sich in ihrer Unruhe selbst entkleidet, stöhnt, fasst sich an die Seite. Ihr Leben ...
12/06/2026

Frau N. liegt n***t im Bett. Sie hat sich in ihrer Unruhe selbst entkleidet, stöhnt, fasst sich an die Seite. Ihr Leben neigt sich dem Ende zu.

Erstkontakt – ich kenne sie nicht, sie kennt mich nicht.

Ich fange an zu singen. Nicht schön, nicht beruhigend – sondern genau so, wie sie ist. Laut und bewegt, wenn sie es ist.

Ich passe mich an ihren Affektausdruck an, mit Tonhöhe, Lautstärke, Metrum. Ich wähle orientalische Melodien, die zu ihrer Herkunft passen, zu ihrer Welt – nicht zu meiner.

Das ist das Prinzip des Antwortens.
Ich antworte auf das, was ich bei ihr wahrnehme – nicht auf das, was ich für sie möchte.

Erst durch dieses Antworten entsteht ein Begegnungsraum, ein Zwischen, in dem zwei Menschen wirklich in Kontakt kommen.
Martin Buber hat das beschrieben.
Ich erlebe es regelmäßig am Bett.

Nach und nach werden die Phrasen langsamer, leiser. Ich orientiere mich an ihrem Atem – dem unmittelbarsten Signal, das ein Mensch gibt.

Frau N. stöhnt manchmal noch leise, murmelt einzelne Wörter, die ich nicht verstehe. Aber ihre Atmung wird ruhiger, die Augen schließen sich – und schließlich schläft sie ein.

Das ist keine Magie, es ist Haltung:
- Begegnung vor Veränderung
- Regulierung durch Beziehung.

Die Stimme als Sprache, die ohne Worte sagt: Ich bin hier, du bist nicht allein. Das ist wirksam.

Ich arbeite seit 27 Jahren mit Schwerkranken und Sterbenden – Musiktherapie und Kommunikation ohne Worte - KoW® sind meine Methoden.
Manchmal ist ein Schlafen-Können das Größte, was jemand in diesem Moment braucht.

Emotions- und Stressregulation können wir ohne Worte und tief wirksam über den Körper unterstützen. Wie das geht, lehre ich Gesundheitsberufe seit 25 Jahren.

"Vorsicht, er ist sehr schwierig und manipulativ"So wird er mir aus der Klinik übergeben.Der junge Mann vor mir kann kau...
09/06/2026

"Vorsicht, er ist sehr schwierig und manipulativ"
So wird er mir aus der Klinik übergeben.

Der junge Mann vor mir kann kaum die Fernbedienung erreichen. Seine schwere Krankheit schreitet fort, jeden Tag verliert er ein Stück Autonomie.

Ich möchte ihn kennenlernen, verstehen, was ihn bewegt. Als er das in unserer ersten Begegnung spürt, öffnet er sich.

Noch oft beschrieb er dies später als unseren Schlüsselmoment.

Beziehungen hatten ihn immer gestresst - er fühlte sich schnell kritisiert, seine Fühler waren zu weit zum anderen ausgestreckt. In unserer Arbeit lernte er: deutlicher kommunizieren, nachfragen statt interpretieren, auch positive Rückmeldungen geben.

Es wandelte sich auch noch tiefer Liegendes:
Die Beziehung zu seiner Mutter - früher so zerrüttet, dass er keinen Kontakt mehr wollte - wurde zu seinem stabilsten Halt. Eine Nähe wie niemals zuvor. Etwas, das er als Kind nie erleben durfte.

Mit strahlendem Gesicht sagte er mir: "Dass meine Mutter und ich das so spät noch entdecken konnten... Vielleicht ist es genau diese extreme Situation, die uns beide offen für neue Wege macht."

🌻 Hier blüht ein Leben auf, während körperlich etwas schwindet.

🙉 "Der kriegt doch gar nichts mehr mit."Aus der Perspektive einer Ergotherapeutin:Patient nach Schädel-Hirn-Trauma. Seit...
13/05/2026

🙉 "Der kriegt doch gar nichts mehr mit."

Aus der Perspektive einer Ergotherapeutin:
Patient nach Schädel-Hirn-Trauma. Seit Wochen keine Reaktion.
Ich betrete das Zimmer. Er liegt da, die Augen geschlossen. Ich spreche ihn an, erkläre, was ich vorhabe. Nichts. Keine Regung.

Ich stehe bereit, seinen Arm zu bewegen. Aber irgendetwas hält mich zurück.
Denn erinnere ich mich an die Elemente aus dem KoW-Training.
Statt sofort mit der Mobilisation zu beginnen, stelle ich mich in sein Blickfeld. Und beginne einfach, seine Wahrnehmungen in Worte zu fassen:
"Ihre Hände liegen auf der Decke... Die Sonne scheint durch das Fenster auf Ihr Gesicht... Ich höre Ihren ruhigen Atem... Draußen zwitschern Vögel..."

Plötzlich – er öffnet seine Augen.
Dieser Blick.
Er geht mir durch und durch. So intensiv. So präsent. Als ob er sich nach langer Zeit wieder als Mensch gesehen fühlt.
In diesem Moment ist alles anders. Er ist nicht mehr "der Patient mit S*T" – er ist da. Als Person.

Jetzt erst beginne ich mit den Bewegungsübungen. Und er wirkt mit. Kleine, vorsichtige Bewegungen. Aber zusammen. Verbunden.
Als es Zeit ist zu gehen, will er meine Hand gar nicht mehr loslassen.

Meine Erkenntnis:
Wie relevant es für einen Menschen ist, sich als Person wahrgenommen zu fühlen, damit er Motivation bekommt mitzuwirken!
Wenn wir therapeutisch wirkungsvoll sein wollen, brauchen wir unbedingt die Beziehungsebene zum Patienten.
Beziehung vor Handlung – das ist das Credo.

Wir wissen oft nicht, wie bedeutsam wir als Menschen sind, wenn wir ins Zimmer eines Patienten treten, der so abgeschnitten von der Welt erscheint.
Wir glauben, sie nehmen nichts wahr. Aber was, wenn sie nur darauf warten, dass jemand sie als Menschen sieht – nicht als Behandlungsauftrag?

➡️ Mit Kommunikation ohne Worte - KoW® können wir genau das lernen:
Erst Beziehung aufbauen, dann handeln. Verbindung schaffen, auch da, wo es unmöglich scheint.

"Das tut verdammt weh."Herr S. sitzt am Fenster. Fernseher läuft.Ich setze mich ihm gegenüber, frage, ob er ausschalten ...
05/05/2026

"Das tut verdammt weh."
Herr S. sitzt am Fenster. Fernseher läuft.

Ich setze mich ihm gegenüber, frage, ob er ausschalten möchte. Er tut es.
Mit dem Verstummen des Geräts wird der Raum stiller, konzentrierter.
Ich beuge mich nach vorne, suche seinen Blick, halte ihn. Meine Hände sind offen zu ihm gerichtet.

Herr S. hat einen Hirntumor, ist einseitig gelähmt. Seine Sprache ist stark eingeschränkt - massive Einschränkung der Sprachproduktion. Trotzdem will er sich mitteilen, das ist spürbar.

Er nuschelt etwas. Ich verstehe: "Alles... großer Mist."
Ich wiederhole es laut und nachdrücklich: "Alles großer Mist."
Er schaut mich an, nickt, fühlt sich verstanden.

Dann zeigt er auf etwas: einen Briefumschlag. Zieht ein Dokument heraus. Sucht, blättert, bis er es gefunden hat: Eine Unterschrift.
Franz, sein Neffe.
Ich begreife: Er zeigt mir, wer wichtig ist, wer da war.
Ich sage ihm, was ich verstehe.

Plötzlich fließen Tränen.
Ein Mann mittleren Alters, Handwerker, bestimmt nicht gewohnt, vor anderen zu weinen.

Ich bleibe einfach da. Sage leise: "Das tut verdammt weh."
Und fange nicht an zu trösten. Fasse ihn nicht an.
Meine Hand bleibt in seiner Nähe - er könnte sie nehmen, wenn er will. Aber ich dränge mich nicht auf.
Denn ich möchte ihn nicht in seiner Stärke klein machen.

Nach einer Weile spricht er weiter: Er will nach Hause.
Ich verspreche, mich zu erkundigen. Es gibt Wahlmöglichkeiten. Als er das hört, wird ruhiger.

Was hier geschieht:
Dieser Mann kann sich trotz seiner fragmentierten Sprache verständlich machen. Aber es braucht etwas, damit er sich auf diese Art öffnet:
- körpersprachlich auf ihn eingehen.
- mit seinen Wortfragmenten umgehen.
- seinen Emotionen Raum geben.

Dann fühlt er sich ernst genommen und verstanden.
Und mir hilft dieses Vorgehen dabei, ihn besser zu verstehen.

Wenn das geschieht, erleben wir ihn nicht mehr nur als gereizten Mann, der ständig an seinem Defizit verzweifelt. Sondern auch als leidenden Menschen, der uns seine Tränen zeigt.

Schritt für Schritt hat er sich mir mitgeteilt
Die massive Anspannung hat nachgelassen.
Das macht ihn offener im Kontakt, und die Kollegen werden nicht so schnell mit seiner Gereiztheit konfrontiert.
Auch für sie hatte unsere Begegnung eine Wirkung: Der Umgang mit diesem Mann wird heute für sie viel leichter sein.

💉 "Das piekt jetzt." – Wie Worte Schmerzen verstärkenWir haben es alle schon gehört – oft gut gemeint, manchmal sogar tr...
30/04/2026

💉 "Das piekt jetzt." – Wie Worte Schmerzen verstärken

Wir haben es alle schon gehört – oft gut gemeint, manchmal sogar tröstend gemeint:
"Das piekt jetzt."
Ein typischer Satz vor einer Spritze oder Blutentnahme. Ehrlich. Transparent. Vorbereitet.
Aber was bewirkt er wirklich?

⁉️ Er erzeugt eine negative Erwartung.
Der Patient rechnet mit Schmerz – und erlebt ihn intensiver.

Die Wissenschaft dahinter:
Studien zeigen: Worte wie "Das sticht jetzt" oder "Das tut weh" führen tatsächlich zu mehr Schmerzen.

Was im Gehirn passiert:
· Schmerzassoziierte Areale werden aktiver
· Die Ausschüttung körpereigener Schmerzmittel (endogene Opioide) sinkt
· Stresshormone wie Cortisol steigen

Die Konsequenz?
Der Schmerz fühlt sich realer und stärker an.
Das nennt sich Nocebo-Effekt – das Gegenteil des Placebo-Effekts.

Was können wir stattdessen sagen?
Wie wäre es mit:
· "Ich fange jetzt an."
· "Damit fühlen Sie sich bald besser."
· "Gleich haben wir's."

Diese Sätze lenken den Fokus weg vom Schmerz und stärken das Vertrauen. Studien belegen: Patienten empfinden dadurch signifikant weniger Schmerzen.

Die Erkenntnis:
Sprache ist mächtig. Ob Worte heilen oder schaden, hängt davon ab, wie bewusst wir sie einsetzen.
Gut gemeint soll auch gut gemacht sein.

Lasst uns Worte bewusst wählen:
✓ Um Schmerzen zu lindern, statt sie zu verstärken
✓ Um Vertrauen zu schaffen, statt Ängste zu wecken
✓ Um Sicherheit zu geben, ohne Schmerz vorherzusagen

Mit Kommunikation ohne Worte - KoW® unterstützen wir Gesundheitsberufe dabei, Haltung, Sprache und Handlungen in Einklang zu bringen.

❗️Aktuell kostenfrei freigeschaltet:
'Schmerzen erkennen ohne Worte'
Webinar-Aufzeichnung
60 Minuten. Inklusive begleitender E-Mail-Reihe!
Link im 1. Kommentar

Adresse

Potsdam
14471

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Kommunikation ohne Worte - KoW erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Service Kontaktieren

Nachricht an Kommunikation ohne Worte - KoW senden:

Teilen

Kategorie