19/09/2019
Von der Aktualität eines alten Handwerks
Pünktlich zum 197. Geburtstag von Peter Mitterhofer (am 20. September) möchte ich auf den Erfinder der Schreibmaschine aufmerksam machen.
Am 18. Dezember 1866 präsentierte Peter Mitterhofer die erste funktionstüchtige Schreibmaschine am Wiener Kaiserhof.
Diese landete im Depot einer technischen Lehranstalt.
„Zur praktischen Verwendbarkeit dieser Erfindung müssen die Unterzeichneten bemerken, dass eine eigentliche Anwendung dieses Apparates wohl nicht zu erwarten steht“, heißt es in einem ansonsten durchaus positiven Gutachten.
Um 1870 kehrte Peter Mitterhofer mit einem verbesserten Modell nach Wien an den Kaiserhof zurück. Dort war man vom praktischen Nutzen immer noch nicht überzeugt.
„Jedenfalls ist aber das Resultat bemerkenswert und das vorliegende in allen Details musterhaft ausgeführte Modell würde für die Sammlung einer technischen Lehranstalt eine willkommene Bereicherung sein, und strebsamen Schülern zum anregenden Beispiele dienen können, wie weit es der denkende und fleißige Mensch bringen kann.“
Somit wanderte auch diese Erfindung in das Depot.
Peter Mitterhofer verbesserte sein Modell noch 3 Mal, dann gab er auf und entwickelte ein Modell der Waschmaschine.
Die Mitterhofersche Schreibmaschine hatte eine alphabetische Tastaturbelegung.
Inzwischen hatte der US-Amerikaner Christopher Latham Sholes zusammen mit Carlos Gidden und Samuel W. Soulé den ersten Typewriter konstruiert und am 14. Juli 1868 zum Patent angemeldet.
Die noch heute übliche QWERTY(Z)-Tastaturbelegung wurde von Sholes entwickelt.
Diese Tastenanordnung hatte den Zweck, mit der Platzierung von häufig zusammen auftretenden Buchstaben auf möglichst entfernt von einander angeordneten Hebeln das häufige Verklemmen der Typenhebel zu verhindern.
Damit konnte man auf der Maschine so schnell schreiben wie von Hand.
Sholes, Gidden und auch Soulé konnten noch nicht mit zehn Fingern schreiben.
1873 verkaufte Sholes seine Schreibmaschine an die Firma Re*****on Arms Company in New York. Diese Firma produzierte bis dahin nur Waffen und Nähmaschinen.
Ab dem 01. Juni 1874 produzierte die Re*****on Arms Company die erste kommerziell erfolgreiche Schreibmaschine.
Re*****on produzierte nicht nur Sholes´ QWERTY-Schreibmaschinen, sondern bildete zur gleichen Zeit Schreibkräfte an ihnen aus. Dadurch errang Re*****on mit seinem Layout anfangs einen kleinen Vorteil im Kampf um die Vorherrschaft am Markt, der aber ausreichend war, um QWERTY zum absoluten Standardlayout für Tastaturen werden zu lassen.
Im Laufe der Zeit haben sich natürlich viele Firmen und Personen daran versucht, andere Layouts am Markt zu etablieren.
In den Jahren um 1875 etwa fanden die ersten Wettbewerbe im Schnelltippen statt. Bei diesen Prestigeduellen wollten die verschiedenen Firmen zeigen, dass ihr Layout das schnellste und effizienteste ist. Hier hatte Re*****on meist die Nase vorn.
Wissenschaftlich aussagekräftig waren diese Wettbewerbe kaum, da sich die Fähigkeit der Schreiber und die Qualität der Mechanik der Maschinen stark unterschieden.
Am 25. Juli 1888 gewann Frank Edward McGurrin bei einem in Cincinnati ausgetragenen Schreibwettbewerb.
Er brachte sich zuvor das Tippen bei, ohne auf die Tastatur zu schauen.
Wie es dazu kam, schilderte er so:
„Ich habe die Methode zum ersten Mal im Jahre 1878 unter den folgenden Umständen angewendet.
Ich war Angestellter in der Anwaltskanzlei von DE Corbitt in Grand Repids, Michigan. Er kaufte eine gebrauchte Nr. 1 (Re*****on) Schreibmaschine mit Vorder- und Rückseite aus Blech, auf der der Wagen von einer Schnur zurückgezogen wurde und ein Vorschlaghammer erforderlich war, um die Tasten zu drücken. Mein Arbeitgeber und ich haben zur gleichen Zeit angefangen, damit zu üben und es gab einige Monate lang eine ziemliche Rivalität zwischen uns, wer schneller schreiben konnte.
Das waren meine ersten Schreibmaschinenwettbewerbe. Bald konnte ich ihn so leicht schlagen, dass er den Kampf aufgab.
Eines Tages kam er ins Büro und erzählte jemandem, der da war, dass er gerade im Büro von Henry Welch gewesen war, diktierte einem Mädchen, das die Schreibmaschine bediente, während er aus dem Fenster sah, von seinen Notizen. All dies, während sie sehr schnell nach seinem Diktat schrieb …
Ich machte mich an die Arbeit, um das Bedienen zu lernen, ohne auf die Tastatur zu schauen. Ich verwarf meine frühere Methode mit 2 oder 3 Fingern und beschloss, alle meine Finger zu benutzen.
Vor dem Ende des Jahre 1878 konnte ich mehr als 90 Wörter pro Minute schreiben, ohne auf die Tastatur zu schauen.“
Nachdem er 1888 den Wettbewerb in Cincinnati gewann, machte er seine neue Schreibmethode bekannt.
Frank Edward McGurrin gab Schreibunterricht. Nach seiner Methode schreiben wir noch heute.
Warum wir heute immer noch das Tastaturlayout QWERTY(Z) nutzen
Theoretisch könnte man die Tasten auf der Tastatur rein zufällig anordnen. Dass unterschiedliche Layouts zu unterschiedlichen Tippgeschwindigkeiten führen, leuchtet ein.
Wichtige Kriterien für ein gutes Tastaturlayout sollten sein:
- Linke und rechte Hand sollten möglichst gleich häufig benutzt werden können, um eine einseitige Belastung auszuschließen
- Linke und rechte Hand sollten möglichst immer abwechselnd benutzt werden. Zudem sollten die Tasten so liegen, dass man den gleichen Finger nicht mehrmals in Folge benutzen muss.
- Die am häufigsten gebrauchten Buchstaben sollten sich auf der Grundreihe befinden.
Die 1932 von einer Kommission unter August Dvorak und seinem Schwager William Dealey entwickelte Dvorak-Tastaturbelegung hatte die Vorgabe, möglichst einfach erlernbar und schnell anwendbar zu sein. Dem Entwurf der Tastaturbelegung gingen dabei Untersuchungen der Buchstabenhäufigkeit der englischen Sprache und der Physiologie der Hände voraus.
Obwohl die Dvorak-Tastaturbelegungen alle oben genannten Kriterien erfüllt, konnte sie sich aber nie durchsetzen. Es waren nur wenige Menschen bereit, umzulernen, die Industrie verwendete die QWERTY-Tastaturbelegung als Standard und Textverarbeitungslehrer bildeten nur auf der herkömmlichen Tastatur aus.
Der Techniksoziologe Paul David macht dafür die Pfadabhängigkeit verantwortlich. Eine einmal etablierte Technologie, wie die QWERTY-Tastatur, wird von vielen Komponenten, wie
Industrielle Infrastruktur, Berufe, Konsumenten, Produzenten, Märkte, wechselseitig unterstützt. So werden technische Alternativen, wie die Dvorak-Tastatur, umso stärker blockiert, je weiter der Technikpfad beschritten ist.
Auch die Neo-Tastaturbelegung für den deutschsprachigen Raum konnte sich nicht durchsetzen.
Ein alphabetisches Layout kam als Variante für die PC-Tastatur nie in Frage.
Es ist schneller, sich die Position der Tasten zu merken, als sich jedes Mal das Alphabet vor Augen führen zu müssen. Das heißt auch, dass nach einer gewissen Eingewöhnungszeit der vermeintliche Vorteil von alphabetischen Layouts verschwindet, da der Nutzer die Position der Buchstaben ohnehin verinnerlicht.
Die ersten PC-Tastaturen wurden von IBM nach US-amerikanischen Standards und Europäischer ISO-Norm für Textverarbeitungsgeräte gebaut.
Warum Zehn-Finger-Blindschreiben?
Das Schreiben mit zehn Fingern (eigentlich acht Fingern und einem Daumen) ermöglicht im Gegensatz zu allen anderen gebräuchlichen Techniken eine sehr schnelle und nahezu fehlerfreie Erstellung von Texten.
Dabei wird von unterschiedlichen Quellen sehr ungenau bei geübten Schreibern von 200 bis 400 Anschlägen pro Minute gesprochen.
Im Vergleich dazu ist mit dem 2- oder 4-Finger-Suchsystem ohne blinde Bedienung der Tasten nur eine Geschwindigkeit von knapp 100 Anschlägen pro Minute zu erreichen. Das entspricht in etwa der Schreibgeschwindigkeit geübter Erwachsener mit der Handschrift.
Die Frage der Geschwindigkeit ist durchaus entscheidend, da der Aufwand zum Erlernen der Turbo-Tastaturblindschreib-Technik relativ gering ist.
Rechtshänder – Linkshänder
Unsere Gesellschaft orientiert sich vorwiegend an den Bedürfnissen und Fähigkeiten von Rechtshändern. Werkzeuge, Geräte und Bedienelemente von Geräten und Maschinen sind in den meisten Fällen für Rechtshänder ausgelegt und nur in gut durchdachten Systemen flexibel.
Bei der Tastatur ist das überraschenderweise anders. Bei einem deutschsprachigen Text werden ca. 61 % der Buchstaben mit der linken Hand geschrieben. (siehe Wikipedia, 2015, Buchstabenhäufigkeit).
Eine Untersuchung in Österreich ergab für die Kriterien „durchschnittlicher Lernzeitaufwand“, „Fehlerhäufigkeit“ und „Schreibgeschwindigkeit“ von 4.686 Rechtshändern und 1.529 Linkshändern ergab, dass kein Unterschied festzustellen ist.
Die genannten Kriterien wurden auch in Bezug auf die Geschlechterzugehörigkeit untersucht, wobei auch hier in allen 3 Kategorien keine Unterschiede erkennbar waren.
Der Aufwand für das Erlernen des Zehn-Finger-Systems mit dem Turbo-Tastaturblindschreib-Technik-Master-Kurs ist relativ gering und stattet die Schreibenden mit einer grundlegenden Technik aus.
Fehlende Fertigkeiten in diesem Bereich begünstigen gesundheitliche Schäden und führen zu mehr Arbeitsaufwand und damit erheblichen Zeitverlusten.
Zusammenfassung
Die Zehn-Finger-Blindschreib-Technik ist eines der wenigen alten Handwerke, welche in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben.
Es ist gleichgültig, ob man Rechts- oder Linkshänder ist und welchem Geschlecht man sich zugehörig meint, auch das Alter spielt ab dem 9. Lebensjahr (abhängig vom Wortschatz) eine untergeordnete Rolle, um die Turbo-Tastaturblindschreib-Technik zu erlernen.
Tastaturen mit der QWERTY(Z)-Tastenbelegung werden uns ganz sicher in den nächsten Jahren begleiten.
Alles zum TTT-Meister-Kurs findest Du auf https://brigitte-kurth.com/Biographie/
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