22/11/2025
24 Jahre war er an meiner Seite. Mein Großer. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich ihn ausgesucht habe. Es war ein regnerischer, windiger Tag. Der damals 4-jährige Lawiro hat mich völlig unbeeindruckt von sämtlichen Außeneindrücken (raschelnde Planen usw.) über den Platz getragen. Ich habe mich absolut sicher gefühlt. Und so ist es auch geblieben. Reiterlich war er eine Lebensversicherung. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals seinen Reiter verloren hat (außer Isi, als er fressen wollte und die kleine Isi nach vorne über den Hals gerutscht ist). Gesundheitlich hatte er leider schon als junges Pferd nicht so viel Glück: Viele Tiefschläge haben wir hier hinnehmen müssen (inklusive niederschmetternden Prognosen von Tierärzten, von denen wir uns nicht haben unterkriegen lassen). Vom anaphylaktischen Schock, über eine tiefe Wunde mit Lufteinschluss, die das gesamte Pferd aufgeblasen hat wie einen Luftballon über eine Not OP an einem 24. Dezemberabend: Nichts hat uns untergekriegt. Turnierpferd ist er keines geworden, dafür ein wertvoller Freund und großer Lehrmeister. Bei einem unserer Klinikaufenthalte hat mir die Besitzerin seines Boxennachbars dessen Turniererfolge aufgezählt und mich gefragt, "was denn meiner so läuft". Ich habe geantwortet: "Meiner? Der läuft Therapie" und war mächtig stolz. Der Boxennachbar hat es nicht geschafft, "nicht mehr sportlich einsetzbar". Er wurde eingeschläfert. Lawiro und ich sind nach Hause gefahren und waren glücklich, dass uns noch weitere gemeinsameZeit bleibt.
Er war das mutigste Pferd, das ich jemals kennen lernen durfte. Einmal haben wir neue Vorhänge für die Reithallenspiegel bekommen. Alle Pferde haben sich gefürchtet. Lawiro ist hingelaufen, hat den Vorhang heruntergerissen und ist damit, wie mit einer Trophäe, durch die Halle galoppiert. Unbesiegbar.
Er war ein Ausnahmecharakter. Wenn ihn ein kleiner Reitschüler geführt hat, hat er diesen manchmal an der Kapuze festgehalten, bei Bedarf auch hochgehoben. So, als wolle er auf seine eigene humorvolle Art sagen: Ich komme mit, aber nur, weil ich es FREIWILLIG tue. So war es mit allem: Halfter und Decke anziehen, Medikamentengabe usw.. Er kannte "seine" Menschen ganz genau. Alle anderen mussten sich in Geduld üben und gegebenenfalls lernen, dass sie mit Machtgehabe und Ego nicht weiterkommen.
Im Alter wurde er milder. Außer, wenn seine Futterportionen nicht schnell genug hergerichtet wurden...
Letzten Freitag hat er ein Hufgeschwür bekommen, das wir nicht mehr in den Griff bekommen haben. Er hat bis zur letzten Minute gekömpft. Und wir mit ihm. Montag Nacht musste ich schließlich einsehen, dass das Einzige, was ich noch für ihn tun kann, ist, ihn gehen zu lassen.
Ein Mensch kann einem Pferd niemals so viel lernen, wie das Pferd dem Menschen lernen kann. Das gilt für Dich ganz besonders, mein Großer...