01/04/2023
Haben wir keine anderen Sorgen?
Zum Artikel „Unsportliche Auseinandersetzung“ vom 23. März:
Ich bin 27 Jahre alt, habe ab dem 14. Lebensjahr mit einigen Unterbrechungen im TSC geturnt, ab 2017 aktiv mit der Ältestengruppe an Wettkämpfen teilgenommen und parallel dazu eine Kindergruppe selbst trainiert. 2019 habe ich mich als Schriftführer des Vereins zur Verfügung gestellt. Als solcher sind mir die Prozessunterlagen, zirka 600 bis 700 Seiten, in den wichtigsten Punkten bekannt.
Im Mai, Juni und Juli 2019 wurden demnach acht unserer TSC-Trainer zu drei Sitzungen ins Sportheim, ins Bürgerhaus – dort waren auch 60 TSC-Eltern anwesend – und in eine Privatwohnung in Kiemertshofen eingeladen, zusammen mit einer Reihe minderjähriger Kinder.
Die inhaltlichen Aussagen waren jeweils identisch und bestanden aus massiven Anschuldigungen gegen die Vorsitzende, Ursula Kempf-Hertle, die ihrerseits wie zirka 25 TSC-treue Eltern und sieben weitere Trainer, darunter auch ich, zu diesen Treffen weder eingeladen waren, noch davon etwas wussten. Eingeladen und referiert haben, laut Prozessunterlagen und 20 Zeugenaussagen, vier TSC-Trainer, darunter ein Geschwistertrio, das nicht aus Odelzhausen stammt, und ein Turntrainer des konkurrierenden Sportvereins Odelzhausen. Bürgermeister Trinkl fungierte bei dem Treffen im Bürgerhaus nach eigener Aussage nur als „Gastmoderator“.
Parallel dazu wurden sieben Trainerinnen des TSC vom Rechtsanwalt der Gemeinde zu Gesprächen geladen. Die älteste und langjährigste Trainerin gab dabei unter anderem zu Protokoll, dass sie nie in einem TSC gewesen sei und nie gewusst hätte, in einem Verein geturnt zu haben. Das, obwohl ich selbst sechs Jahre lang mit ihr in einer Gruppe des TSC geturnt, für den Verein im TSC-Trikot an deutschen Turnfesten, deutschen und bayerischen Meisterschaften teilgenommen habe, sie zwölf Jahre Trainerin des TSC und aktive Turnerin meiner TSC-Gruppe war, zeitweise den TSC-Vereinsstempel und die TSC-Startpässe, einschließlich natürlich ihrem eigenen TSC-Startpass, in Verwahrung hatte! Sie selbst trägt den Trainingsanzug mit dem Schriftzug „TSC Odelzhausen“. Das ist kein Tierschutzclub, sondern der Turn- und Sportclub Odelzhausern e.V., ein seit Jahrzehnten im Vereinsregister eingetragener Verein mit eigenen Konten und eigener Buchführung! Über die erfolgreiche Vereinstätigkeit bestehen hunderte von Dokumentationen in Form von Videos, Fotos, Pokalen und Urkunden.
Von 75 TSC-Eltern kündigten 50 Eltern namens ihrer Kinder noch am Abend nach der Versammlung im Bürgerhaus die TSC-Vereinsmitgliedschaft. Vorbereitete Aufnahmeformulare des konkurrierenden Sportvereins Odelzhausen (SVO) sollten angeblich sofort ausgefüllt werden, da, so die damalige Ältestentrainerin des TSC, die Plätze beim SVO begrenzt seien. Zwei Monate später kündigten mehrere ehemalige TSC-Trainer, die sich damals zu einem überstürzten Vereinswechsel zum SVO hatten hinreißen lassen, beim SVO fristlos.
Genau deren Aussagen aber dienten der Gemeinde als Grundlage für einen zeit- und nervenaufreibenden, vierjährigen, für beide Seiten finanziell sehr kostenaufwendigen Prozess. Sind Eltern, junge Menschen, tatsächlich so manipulierbar und haben wir in Odelzhausen keine anderen Sorgen? Wurde der Vorgang bei der Gemeinde mittlerweile unabhängig untersucht? Wurden die Rechnungen und Honorarvereinbarungen offengelegt und vorgezeigt, die die Gemeinde für diese Rechtsstreitigkeiten im eigenen Namen und im Namen ihres Ersten Bürgermeisters geführt hat? Wie wird der Vorgang in der Gemeinde aufgearbeitet, damit sich so etwas nicht wiederholt?
Jannik Göbel
Odelzhausen