22/01/2026
Rund 170 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung der DAV-Sektion Oberstaufen-Lindenberg in den Kursaal, um den Vortrag „Hochgebirge und Klimawandel – wie sich Umwelt und Klima verändern“ von Dr. Christoph Mayer zu hören. Der renommierte Glaziologe und wissenschaftliche Mitarbeiter der Bayerischen Akademie der Wissenschaften vermittelte anschaulich, wie sensibel Hochgebirgslandschaften auf klimatische Veränderungen reagieren – und welche Folgen dies für Mensch und Natur hat. Gletscher, so Mayer, prägen Hochgebirgsräume entscheidend: Sie beeinflussen Klima und Wasserhaushalt und bilden eigenständige Lebensräume. Während die Alpen heute nur noch schwach vergletschert sind, spielen Gletscher in Hochasien – etwa im Karakorum oder Pamir – eine zentrale Rolle. In trockenen Regionen liefern sie im Sommer lebenswichtiges Schmelzwasser und gleichen saisonale Defizite aus.
Seit Jahrzehnten untersucht die Glaziologie-Gruppe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften diese Entwicklungen. Mayer machte deutlich, dass Hochgebirgsgletscher extrem sensibel auf Temperaturänderungen reagieren. Seit den 1980er-Jahren habe sich der Gletscherrückgang stark beschleunigt; die heutigen Schmelzraten seien historisch außergewöhnlich. Neben den sichtbaren Gletschern taut auch der Permafrost – das „unsichtbare Eis“ im Untergrund – und gefährdet die Stabilität ganzer Gebirgslandschaften.
Die Folgen sind bereits spürbar: Steinschlag, Felsstürze, Muren und Gletscherseeausbrüche nehmen zu. Kurzfristig steigt der Abfluss durch verstärkte Schmelze, langfristig droht jedoch ein deutlicher Rückgang der Wasserverfügbarkeit. Viele kleine Gletscher werden in den kommenden Jahrzehnten verschwinden; bis 2035 gelten die verbliebenen vier deutschen Gletscher voraussichtlich nicht mehr als solche.
Entscheidend bleibe eine schnelle Reduktion der Treibhausgasemissionen. Sein Fazit: „Wir entscheiden nicht mehr, ob sich das Hochgebirge verändert – sondern wie stark und wie schnell.“ Und abschließend: „Es ist noch nicht zu spät, und es gibt noch viel zu tun.“
Eine lebhafte Fragerunde und anhaltender Applaus unterstrichen die Wirkung eines Vortrags, der informierte und nachdenklich stimmte.