01/09/2024
Dekompression
Vor der Dekompression kommt die Kompression
Allgemeines:
Wir atmen in der Regel Luft oder Nitrox. Beide Gemische bestehen hauptsächlich aus Stickstoff (engl.: nitrogen) und Sauerstoff (engl.: oxygen). Wobei Nitrox einen höheren Sauerstoffanteil und niedrigeren Stickstoffanteil hat.
Luft mit 1 bar (OF) enthält die beiden Gase mit Partialdrücken von pO2 von 0,21 und pN von 0,79 (ohne Edelgase und CO2). Das sind die normalen Druckverhältnisse und entsprechend sind diese Gase in unserem Körper gelöst. Bei höherem Druck atmen wir diese Gase mit höherem Druck. Es lösen sich mehr Gase in unserem Blut und schließlich im ganzen Körper (Gesetz von Henry / Dalton).
Dabei ist für Sporttaucher vor allem Stickeistoff von Bedeutung. Ein Inertgas, welches bei Übersättigung wegen seiner Wirkung auf das zentrale Nervensystem zur Stickstoffnarkose (Inertgasnarkose) führt. Dabei spielen die verschiedenen Körpergewebe (Kompartimente) eine entscheidende Rolle. Körpergewebe sind hart oder weich, wässrig oder fett, gut oder schlecht durchblutet und alle Kombinationen dieser Eigenschaften. Und Stickstoff liebt Fett.
Das Gehirn z. B. ist ein sehr fettes aber stark durchblutetes Gewebe, während Speicherfett (z.B. Bauchfett) sehr schlecht durchblutet ist. Muskeln sind weich und gut durchblutet, Knochen und Gelenke fest und schlechter durchblutet.
Was bedeutet das für uns Sporttaucher und die Art unserer Tauchgänge?
Das schnellste Gewebe ist unser Blut, in dem sich, über die Atemluft in der Lunge, je nach Druckverhältnissen, mehr oder wenige Stickstoff sofort löst. Dieser wandert durch den Körper und erreicht alle Gewebe.
Gehirn und Rückenmark sind fett, bestens durchblutet und reich an Nerven. Eine Übersättigung (unter hohem Druck) führt sehr schnell zur Stickstoffnarkose, meist ab ca. 30m Tiefe, aber je nach persönlicher Verfassung (Ausgeschlafen? /Alkohol am Vorabend? / Fitness? / Krankheiten?) auch schon viel früher.
In geringere Tiefe aufsteigen beendet diesen Zustand, weil durch die starke Durchblutung die Nervenbeeinträchtigung sehr schnell zurückgeht. Tiefenabhängig!
Wenig durchblutete Gewebe wie z. B. Speicherfett brauchen lange zum Aufsättigen, geben aber nach einem langen TG den gespeicherten Stickstoff auch sehr langsam wieder ab. Zeit- und Tiefenabhängig!
Kurze und tiefe TGs sättigen vor allem die gut durchbluteten, schnellen Gewebe auf. Lange TGs (auch tiefenabhängig) sättigen auch die schlechter durchbluteten fetten und langsamen Gewebe wie Knochen, Bänder, Sehnen und Gelenke. Diese brauchen viel Zeit zum Entsättigen und verhindern ein zügiges Auftauchen. Luftvorrat beachten!
Dekompressionskrankheiten (-verletzungen) entstehen durch zu schnelles Ausperlen des Stickstoffs aus den verschiedenen Geweben. Schnelles Ausperlen des Gases lässt größere Blasen entstehen, welche Adern verstopfen können. Dünne Äderchen, wie in Gehirn, Lunge und Herzkranzgefäßen sind am anfälligsten. Eine Verstopfung ist eine Thrombose. Entsteht diese im Gehirn ist das ein Schlaganfall, am Herzen ein Herzinfarkt.
Also taucht bewusst und überlegt! Entscheidet selbst ob eine Sauftour mit anschließendem Tauchen eine sinnvolle Sache ist.