20/05/2026
Die letzten drei Wochen waren bei uns ziemlich turbulent. Eines unserer Pferde hatte sich am Auge verletzt und musste plötzlich fünfmal täglich im Zwei-Stunden-Rhythmus versorgt werden. Da wir nicht am Stall wohnen, war das ein riesiger Zeitaufwand. Unser gesamter Alltag hat sich verschoben, Dinge blieben liegen und für das, was sonst Kraft gibt, war kaum Raum.
Vielleicht kennst du solche Phasen auch. Zeiten, in denen das Leben nur noch aus Organisieren, Funktionieren und Reagieren besteht.
Genau hier können wir so viel von den Pferden lernen. Sie kehren trotz allem immer wieder in einfache, natürliche Routinen zurück. Nach der Versorgung wurde gegrast. Kurz darauf gedöst. Dann wurde weitergezogen. Keine Gedankenspiralen darüber, wie anstrengend der Tag gerade ist. Einfach der nächste Moment.
Pferde erleben Stress, aber sie bleiben selten dauerhaft darin hängen.
Wir Menschen vergessen oft, wie sehr unser Nervensystem auf kleine, vertraute Abläufe angewiesen ist. Dabei geht es gar nicht um perfekt durchoptimierte Routinen.
Oft sind es die ganz kleinen Dinge:
• Der bewusste Kaffee in der Morgensonne.
• Zehn Minuten lesen vor dem Schlafengehen.
• Ein ruhiger Moment beim Begrüßen oder Verabschieden des Pferdes.
Routinen geben Orientierung. Vorhersehbarkeit hat eine regulierende Wirkung auf unseren Körper. Nicht, weil dadurch sofort alles leicht wird, sondern weil der Organismus weniger Energie dafür aufbringen muss, ständig auf das Unvorhersehbare zu reagieren. Sie wirken wie kleine Anker.
Welche kleinen Routinen und Rituale helfen dir, in turbulenten Zeiten kurz durchzuatmen? Manchmal müssen wir gar nichts Neues hinzufügen – sondern das, was schon da ist, einfach bewusster wahrnehmen.
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