02/09/2025
Das Klettern von Mehrseillängen wird immer beliebter - das spüren wir aktuell an einem hohen Andrang auf viele Routen in den Dolomiten. Wer nicht rechtzeitig am Einstieg ist, muss Schlange stehen.
Leider haben wir in den letzten Tagen immer wieder erlebt, dass Seilschaften sehr drängelnd unterwegs waren. Der Vorsteiger ist teilweise fast gleichzeitig mit dem Nachsteiger der ersten Seilschaft gestartet. Die Folge: An den Standplätzen wurde es eng und es kam zwangsläufig ein Gefühl der Hektik auf. In diesem Kontext haben wir uns gefragt: Was sollte eigentlich ein angemessener Verhaltenskodex sein, wenn die anvisierte Route bereits belegt ist?
Wir denken:
⏰ Geduld beim Einstieg: Wer in eine Route einsteigt, die bereits belegt ist, sollte solange warten, bis der erste Standplatz frei ist. Das Tempo der ersten Seilschaft kann berücksichtigt werden. Ist diese sehr flott unterwegs, kann ggf. etwas früher eingestiegen werden.
👫Fairness beim Überholen: Wir persönlich steigen gerne früh in die Routen ein, um das Auslösen von Steinschlag von Kletternden über uns zu vermeiden. Deshalb wollen wir auch nicht überholt werden, selbst wenn die Seilschaft die Route gut kennt und deshalb deutlich schneller unterwegs ist. Absolutes No-Go: ohne Abstimmung überholen!
🏔️Alpine Gefahren kennen und die Sicherheit aller Seilschaften respektieren: Gedrängel in den Routen vergrößert die Risiken für alle Seilschaften. Nicht nur durch Steinschlag, auch ein schneller Rückzug aus der Route ist schwierig, wenn alle Standplätze doppelt besetzt sind. Auch wenn der Wunsch, eine Route zu klettern groß ist: manchmal gilt vielleicht auch einfach nur die Einsicht, dass es an diesem bestimmten Tag nicht möglich ist, weil zu viel los ist.
😃 Erlebnis der anderen nicht verderben: Wer in eine Mehrseillänge einsteigt, wünscht sich ein schönes Erlebnis, manchmal auch mit Abenteuer-Charakter. Wenn Seilschaften zu sehr drängeln, können sie anderen dieses Erlebnis schnell verderben. Gegenseitiger Respekt ist die beste Voraussetzung dafür, dass es auch bei zunehmender Beliebtheit des Klettersports gelingen kann, möglichst vielen Seinschaften ein tolles Erlebnis zu ermöglichen.
Was denkt ihr zu dem Thema?