06/05/2023
Reichtum den Reichen, Arbeit den Armen
Geld regiert nicht nur die Welt, es regiert auch den Fußball. Und wie überall, entzweit es auch zunehmend die Teile der Gesellschaft, in unserem Fall der Fußballlandschaft. Mit dem geplanten Investoren-Deal der DFL wird der Abstand zwischen dem großen Fußball sowie jenem in der Breite und Fläche noch stärker zementiert und verfestigt. Oben bildet sich zunehmend eine abgeschirmte und damit sich weiter verschließende Gruppe von Vereinen, deren Einnahmen konstant gesteigert werden, deren Infrastruktur immer weiterwächst und deren Möglichkeiten in allen Belangen überlegen sind. Darunter darf sich dann das banale „Fußballvolk“ um die geringe Aufmerksamkeit balgen.
Bundesliga 2.0
All dies gab es aber auch schon vor den Fernsehgeld-Dimensionen. Erstmals 1963 mit der Gründung der Bundesliga, als aus fünf erstklassigen Staffeln 16 Vereine sportlich und politisch erwählt wurden, fortan die Elite zu bilden. Der zweite Schritt erfolgte 1974, mit der Einführung einer zweigleisigen 2. Bundesliga, als noch einmal ausgesiebt wurde. Die dritte, wenngleich anders geartete Selektion erfolgte dann mit der Eingliederung der DDR-Mannschaften in den DFB-Spielbetrieb. Vorerst abschließend und als vierte Zäsur kann die Bildung der 3. Liga 2008 angesehen werden. Damals wurde aus den seinerzeit zwei Regionalligen (Nord und Süd) eine neue Spielklasse mit 20 Teams geformt und in die Obhut des DFB genommen.
Nun ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Durchlässigkeit des Fußballsystems deutlicher hinterfragt wird. Dies erscheint nur als logische Konsequenz, denn die Interessenlagen sind einfach zu unterschiedlich. Deutlich wird dies, wie unter einem Brennglas und im Turbogang, im Frauenfußball. Dort alimentieren gut betuchte Herren-Vereine ihre Frauenabteilungen. Sportliche Erfolge sind auch dort inzwischen nur noch eine Frage des Geldes. Vor wenigen Jahren konnten Klubs hingegen mit guter Nachwuchsarbeit noch erfolgreich sein. Diese Zeiten sind endgültig vorbei.
Gegenwart und wohlsituierte Zukunft
Drei Spielklassen finden wir heute im professionellen Fußball – die Auslese des Fußballsports hierzulande. In diese Sphären, also in die höchsten drei derzeit bestehenden Spielklassen gelangten seither 151 Vereine aus der gesamten heutigen Bundesrepublik. Im Vergleich dazu waren in den einstigen fünf Oberligen der BRD sowie der DDR-Oberliga im Jahr 1963 allein schon 88 Mannschaften erstklassig. Heute passen genau 56 in die höchsten drei Klassen – gerade einmal so viele, wie jemals überhaupt in der Bundesliga waren. Dass in nunmehr 60 Jahren und mit regelmäßigen Reformen vor allem die Elite gestärkt wurde und noch weiter wird, sollte daher klarwerden.
Fassen wir es kurz zusammen: es wird zunehmend schwerer Anschluss nach oben zu finden. Ohne erhebliche Investitionen wird es kaum mehr gelingen, aus dem regionalen Fußball – gleichbedeutend mit unseren heutigen Regionalligen – noch in die Phalanx der Großen zu gelangen. Während die 3. Liga noch machbar erscheint, ist alles darüber hinaus wohl kaum mehr zu stemmen. Es geht nur um Geld, und bekanntermaßen Teilen all jene, die viel davon haben, ungern mit jenen, die gern mehr hätten. Wo oben von Milliarden debattiert wird, freut man sich unten schon, wenn die Unkosten gedeckt sind. Dabei liegen doch oft nur wenige Zufälle in der Vergangenheit zwischen so manchen Klubs.
Um es noch anschaulicher auf den Berliner Raum herunter zu brechen: Wir haben zwei Vereine im Profifußball und einige wenige, die in Richtung 3. Liga streben. Während die ersten beiden Infrastrukturell das Wohlwollen der politischen Hoheitsträger und breiter Gesellschaftsschichten genießen, sind die Ambitionierten vollends abhängig von Investitionen in die städtischen oder bezirklichen Anlagen.
Im Frauen-Fußball wird unsere lokale Nummer Eins – Turbine Potsdam – in der kommenden Saison wohl nur noch in der 2. Bundesliga antreten und muss sich auch dort mit Vereinen auseinandersetzen, die anders wirtschaften. Darunter drängen inzwischen in der drittklassigen Regionalliga Vereine wie Union und Hertha nach oben – der DFB möchte dies ja so. Aber auch – und dies verdient noch weit mehr Aufmerksamkeit – konkurrieren mit dem aufstreben und vielleicht schon demnächst zweitklassigen FC Viktoria sowie Türkiyemspor noch weitere Vereine um die Plätze nach oben.
Lasst uns also einfach den Fokus auch weiter auf den Fußball abseits der Millionenbeträge richten, lasst uns gelegentlich auch auf ein Bier in der Landes- oder Kreisliga vorbeischauen, lasst uns auch abseits des Medienrummels entspannt Fußball genießen. Wir empfehlen dazu vor allem die Regionalliga – ihr wisst schon wo.