Barney Bugle

Barney Bugle In der Kürze liegt die Würze, also schauen wir gern hinter die Kulissen, sind kritisch und lassen auch längere Erklärungen zur Geltung kommen.

BAK, Fußball und Zeitgeschehen.

06/05/2023

Reichtum den Reichen, Arbeit den Armen

Geld regiert nicht nur die Welt, es regiert auch den Fußball. Und wie überall, entzweit es auch zunehmend die Teile der Gesellschaft, in unserem Fall der Fußballlandschaft. Mit dem geplanten Investoren-Deal der DFL wird der Abstand zwischen dem großen Fußball sowie jenem in der Breite und Fläche noch stärker zementiert und verfestigt. Oben bildet sich zunehmend eine abgeschirmte und damit sich weiter verschließende Gruppe von Vereinen, deren Einnahmen konstant gesteigert werden, deren Infrastruktur immer weiterwächst und deren Möglichkeiten in allen Belangen überlegen sind. Darunter darf sich dann das banale „Fußballvolk“ um die geringe Aufmerksamkeit balgen.

Bundesliga 2.0

All dies gab es aber auch schon vor den Fernsehgeld-Dimensionen. Erstmals 1963 mit der Gründung der Bundesliga, als aus fünf erstklassigen Staffeln 16 Vereine sportlich und politisch erwählt wurden, fortan die Elite zu bilden. Der zweite Schritt erfolgte 1974, mit der Einführung einer zweigleisigen 2. Bundesliga, als noch einmal ausgesiebt wurde. Die dritte, wenngleich anders geartete Selektion erfolgte dann mit der Eingliederung der DDR-Mannschaften in den DFB-Spielbetrieb. Vorerst abschließend und als vierte Zäsur kann die Bildung der 3. Liga 2008 angesehen werden. Damals wurde aus den seinerzeit zwei Regionalligen (Nord und Süd) eine neue Spielklasse mit 20 Teams geformt und in die Obhut des DFB genommen.

Nun ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Durchlässigkeit des Fußballsystems deutlicher hinterfragt wird. Dies erscheint nur als logische Konsequenz, denn die Interessenlagen sind einfach zu unterschiedlich. Deutlich wird dies, wie unter einem Brennglas und im Turbogang, im Frauenfußball. Dort alimentieren gut betuchte Herren-Vereine ihre Frauenabteilungen. Sportliche Erfolge sind auch dort inzwischen nur noch eine Frage des Geldes. Vor wenigen Jahren konnten Klubs hingegen mit guter Nachwuchsarbeit noch erfolgreich sein. Diese Zeiten sind endgültig vorbei.

Gegenwart und wohlsituierte Zukunft

Drei Spielklassen finden wir heute im professionellen Fußball – die Auslese des Fußballsports hierzulande. In diese Sphären, also in die höchsten drei derzeit bestehenden Spielklassen gelangten seither 151 Vereine aus der gesamten heutigen Bundesrepublik. Im Vergleich dazu waren in den einstigen fünf Oberligen der BRD sowie der DDR-Oberliga im Jahr 1963 allein schon 88 Mannschaften erstklassig. Heute passen genau 56 in die höchsten drei Klassen – gerade einmal so viele, wie jemals überhaupt in der Bundesliga waren. Dass in nunmehr 60 Jahren und mit regelmäßigen Reformen vor allem die Elite gestärkt wurde und noch weiter wird, sollte daher klarwerden.

Fassen wir es kurz zusammen: es wird zunehmend schwerer Anschluss nach oben zu finden. Ohne erhebliche Investitionen wird es kaum mehr gelingen, aus dem regionalen Fußball – gleichbedeutend mit unseren heutigen Regionalligen – noch in die Phalanx der Großen zu gelangen. Während die 3. Liga noch machbar erscheint, ist alles darüber hinaus wohl kaum mehr zu stemmen. Es geht nur um Geld, und bekanntermaßen Teilen all jene, die viel davon haben, ungern mit jenen, die gern mehr hätten. Wo oben von Milliarden debattiert wird, freut man sich unten schon, wenn die Unkosten gedeckt sind. Dabei liegen doch oft nur wenige Zufälle in der Vergangenheit zwischen so manchen Klubs.
Um es noch anschaulicher auf den Berliner Raum herunter zu brechen: Wir haben zwei Vereine im Profifußball und einige wenige, die in Richtung 3. Liga streben. Während die ersten beiden Infrastrukturell das Wohlwollen der politischen Hoheitsträger und breiter Gesellschaftsschichten genießen, sind die Ambitionierten vollends abhängig von Investitionen in die städtischen oder bezirklichen Anlagen.

Im Frauen-Fußball wird unsere lokale Nummer Eins – Turbine Potsdam – in der kommenden Saison wohl nur noch in der 2. Bundesliga antreten und muss sich auch dort mit Vereinen auseinandersetzen, die anders wirtschaften. Darunter drängen inzwischen in der drittklassigen Regionalliga Vereine wie Union und Hertha nach oben – der DFB möchte dies ja so. Aber auch – und dies verdient noch weit mehr Aufmerksamkeit – konkurrieren mit dem aufstreben und vielleicht schon demnächst zweitklassigen FC Viktoria sowie Türkiyemspor noch weitere Vereine um die Plätze nach oben.

Lasst uns also einfach den Fokus auch weiter auf den Fußball abseits der Millionenbeträge richten, lasst uns gelegentlich auch auf ein Bier in der Landes- oder Kreisliga vorbeischauen, lasst uns auch abseits des Medienrummels entspannt Fußball genießen. Wir empfehlen dazu vor allem die Regionalliga – ihr wisst schon wo.

27/04/2023

Eine eigene Welt

In Düsseldorf kann man den Profifußball vielleicht bald gratis anschauen – die Fortuna plant in einem Projekt, auf die Zuschauereinnahmen zu verzichten und diese durch Sponsoreneinnahmen zu ersetzen. Klingt doch super, und was machen die anderen Profivereine? Die müssen doch sicher nachziehen, oder?

Das klingt alles viel zu gut. Es klingt aber vor allem viel zu abgehoben. Der Elfenbeinturm lässt grüßen. Wer sich ein wenig mit dem Profifußball beschäftigt, der weiß wie gering teilweise die Bedeutung von Zuschauereinnahmen inzwischen ist. Darauf gänzlich zu verzichten ist zwar ein neues Gedankenspiel, aber für die aktuellen Profivereine keine allzu weit entfernte Option.

Mehr Distanz

Entfernung ist dabei aber das wichtigste Stichwort. Aufgrund der stetig steigenden Einnahmen aus den Übertragungsrechten in den höchsten Spielklassen sucht man dort auch stets neue Standortvorteile. Man manifestiert seine Stellung, was wiederum den Abstand zu den darunterliegenden Spielklassen vergrößert. Man frage einmal in der Regionalliga herum, welcher der größeren Vereine auf die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern verzichten könnte? Die 4. Liga ist die höchste Spielklasse ohne wirklich verwertbare Fernsehgelder. Fans und Sponsoren sind hier die Träger des weitgehend professionellen Spielbetriebs.

Am Beispiel der Düsseldorfer Bestrebungen wird deutlich, wie die Schere zwischen Amateur- und Profifußball immer weiter auseinandergeht. Und dies unaufhaltsam. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der Profifußball sich noch weiter abkapselt, den Zugang für weitere Vereine erschwert und am Ende vielleicht sogar unmöglich macht. Die Debatten der letzten Jahre weisen indes alle in die gleiche Richtung. Die großen werden größer und die Kleinen bleiben klein. Da hilft auch alles jammern nicht, diese Mechanismen werden weiterwirken und zwangsläufig neue Distanzen aufbauen.

Über den Anfang all dieser Prozesse lässt sich vortrefflich streiten, ein Ende ist jedoch nicht absehbar. Auch gibt es keine Grenzen der Expansion mehr – alles ist denkbar. Wir dürfen also durchaus gespannt sein, was demnächst noch so an Ideen geboren wird. Leider werden wir diese aber wohl sämtlich aus dem Bereich des Profifußballs zu hören bekommen. Von dort, wo die Zukunft des Fußballs entschieden wird. Die Stimmungslage und Bedeutung der Basis wird hingegen mehr und mehr zur Randerscheinung verkommen. Eine starke Stimme von dort scheint daher mehr denn je von Nöten.

Zu viel Theorie?

Nun gibt es unzählige Argumente zu all den Themen des breiten Fußballfeldes, unzählige Debatten, ungezählte Ideen. Der beste Ort, um sich darüber auszutauschen ist dann doch der klassische Fußballbesuch, bei Bier und mit Freunden. Bereits am Freitag, 28.4.2023, lädt zum Beispiel der BAK zur Partie gegen Jena ein. Ein nettes Stadion und nette Menschen, und sogar ein Anpfiff um 19 Uhr bei Tageslicht. OK, Eintritt wird verlangt, aber das Geld bleibt ja in der Stadt.

18/04/2023

Es wurde mal wieder getagt

Viel haben wir schon über den Sinn und Unsinn von regionalen Verbänden im Fußball debattiert. Klar wurde immer, dass diese Strukturen überwiegend als Hindernis dastehen. Und auch derzeit, im Ringen um eine bessere Lösung der Aufstiegsfrage zur 3. Liga, treibt den NOFV wohl hauptsächlich der Umstand an, seine Pfründe zu sichern. Anders gesagt, die Regionalliga Nordost steht wieder im Blickfeld. Wir haben schon häufiger betont, dass uns diese nicht sonderlich am Herzen liegt, in jedem Fall nicht so stark, dass wir dafür auf direkte Aufsteiger verzichten.

Hier aber beginnt das Dilemma. Man holte sich den Bayrischen Landesverband an seine Seite und versucht nun auch, den Norden intensiver zu umwerben. Damit soll mehr Druck gegenüber dem DFB und der 3. Liga aufgebaut werden. Das Selbstinteresse der Bayern liegt naturgemäß in Bayern und alles darüber hinaus wird maximal geduldet. Zweifelsfrei würde man in deren eigenständige Liga auch noch thüringer oder sächsische Vereine aufnehmen. Hauptsache, das Ziel eines direkten Aufstiegs wird erreicht. Gleichermaßen hat der Norden gute Gründe, sich nicht ganz freiwillig mit dem Nordosten zusammenzuschließen. Zum einen ist die Fläche erheblich, zum anderen ist die Nordstaffel durch die zahlreichen Zweitvertretungen schlichtweg zu schwach. Dort gibt es einfach zu wenige ambitionierte Vereine, die ohne weiteres die Bedingungen für höherklassigen Fußball erfüllen.

Dies alles spricht im Grunde für den Erhalt der Nordoststaffel. Andererseits ist dies auch ein Ausdruck für das gescheiterte Projekt „Regionalliga Nordost“. Diese hat sich in den vergangenen Jahren zu einem stetig wachsenden Sammelbecken für gescheiterte Größen entwickelt. Schon lange ist es aber keine Selbstverständlichkeit mehr, dass ein Aufstieg in die 3. Liga auch zur Etablierung im Profifußball führt. Vielmehr ist das Gegenteil zumeist der Fall. Die Stärke und die Leistungskonzentration innerhalb der Liga sind gleichzeitig auch ihr großer Nachteil. Die wenigen, noch verbliebenen Amateurvereine in unserer Liga sehen diese zwangsläufig als das höchstmöglich erreichbare an. Gleichermaßen wie der Verband sie als Premiumprodukt vermarktet. Dass der Verband aber gänzlich andere Intentionen verfolgt als die Vereine in der Liga, sollte inzwischen auch allen klar sein.

Mit der anstehenden Rückkehr von Zwickau in die Liga bleiben letztlich nur noch die Dosenfiliale und die Bördestadt als Vereine übrig, die die Liga seit der Saison 2012/13, also in nunmehr elf Spielzeiten dauerhaft und ohne Rückkehr verließen. Im gleichen Zeitraum stießen kurz oder langfristig Babelsberg, Chemnitz, Erfurt und Cottbus dazu. Macht einen Nettozuwachs von zwei Vereinen. Derweil sei einmal dahingestellt, ob der diesjährige Meister aufsteigt und die Chance auf einen langfristigen Verbleib „da oben“ nutzt. Aus Erfahrung sind wir einfach einmal skeptisch. Derweil ist zudem auch Halle noch lange nicht sicher in der Drittklassigkeit.

Lösungsmodelle?

Eines vorweg, alles was nun kommt, wird mit den gegenwärtigen Verbandsstrukturen nicht zu machen sein, denn diese sind der Grund für den Status quo. Und wer schneidet sich schon ins eigenen Fleisch? Allein die Bedingungsunterschiede, die die Regionalverbände von den Teilnehmern ihrer Regionalligen verlangen, sind eklatant. Eine Vereinheitlichung ist im gegenwärtigen System aber überhaupt nicht vorgesehen. Gleichermaßen ist der Anteil von Zweitvertretungen ein klares Indiz für die Wertschätzung der Spielklasse als Aushängeschild des „Amateurfußballs“. Zweite Mannschaften bedeuten immer eine Wettbewerbsverzerrung. Ligen mit einem hohen Anteil solcher Mannschaften sind zwangsläufig schwach. Eine Stärkung der 4. Liga, ebenso wie der 3. Liga, kann nur durch Ausschluss von Zweitvertretungen erfolgen. Diese können sich gern irgendwo selbst organisieren.

Was wir brauchen ist ein gesundes Ligenmodell mit klaren Abläufen und auch verlässlichen Strukturen. Orientierung bieten uns dabei andere Länder. In England beispielsweise finden wir in den höchsten drei Spielklassen 68 Vereine, in Deutschland sind dies momentan nur 54. Nehmen wir die 4. Spielklasse noch hinzu, dann sind es in England 92 Vereine in vier Ligen. In Deutschland sind es dann 130, wobei sich die 4. Ebene hierzulande eben schon auf fünf Staffeln verteilt. Hierbei ist anzumerken, dass 2. Mannschaften nicht mitgezählt werden. Doppelungen in einem offenen Ligensystem sind nun einmal nicht sinnvoll zur wahren Ermittlung von Potentialen.

Das einfachste Modell ist sicherlich eine Aufspaltung der 3. Liga in eine flexible Nord- und Südstaffel. In der 3. Liga haben wir aktuell 18 „richtige“ Vereine und in dieser Spielzeit haben aus den fünf Regionalligen weitere 17 Clubs einen Antrag für die Drittligalizenz gestellt. Ein guter Maßstab für Ambitionen ist dies aber nur bedingt, denn es gibt oft sportliche Gründe, eben keinen Antrag mehr zu stellen. Gehen wir daher einfach von der doppelten Anzahl aus, dann gäbe es genug Interessierte für solche Staffeln.

Wie sich darunter die Staffeln dann strukturieren ist eher nachrangig, denn diese sollten sich – ebenso wie bei der zweiteiligen 3. Liga – einzig an regionalen Aspekten orientieren. Weg von den Regionalverbänden also. Am besten wäre überdies eine bundesweite Lösung, die sogar einheitliche Standards für die entsprechenden Ligen festlegt. Wie einfach und vergleichbar wäre es doch, wenn überall die gleichen Ansprüche gelten würden. Ein Staffelwechsel aus regionalen Gründen wäre problemlos – aber derlei ist bei uns leider nicht vorgesehen oder gar absehbar. Man verharrt lieber in den „bewährten“ Verhältnissen.

Praktische Konsequenz

Daher kann es vorerst nur eine Lösung geben. Der vom NOFV geforderte DFB-Bundestag soll über die Struktur debattieren und letztlich die Regionalliga Nordost aufteilen. Wenn es wirklich nur darum geht, dass alle Meister aufsteigen, ist dies wohl die praktikabelste Lösung. Neben der Hoffnung, dass wir dann der neuen Liga wieder angehören, hoffen wir aber auf möglichst schöne Reisen und nicht nur Zweitvertretungen.

04/04/2023

Sportlich bedeutungslos

Der DFB als Monopolverband hat zuletzt mit seiner Reform der Trainerausbildung bewiesen, dass er nichts vom Breitensport Fußball hält und nur auf den Spitzensport setzt. Gleichermaßen soll die Jugendarbeit künftig nur noch auf erlesene Spitzenvereine konzentriert werden.

Genau die richtigen Zeichen, um gegen fehlende Ehrenamtliche und gegen fehlendes Engagement im Amateurbereich zu agieren… – Ironie aus.

Man merkt klar wo die Prioritäten liegen. Der Verband verdient sein Geld mit der Nationalmannschaft und diese muss folglich immer ganz vorn sein. Der Amateurfußball bis hin zur 4. Liga hinein ist folglich bedeutungsloser Beitragszahler-Bodensatz. Nehmen wir als Beispiel die Reservemannschaften in den Regionalligen. Betrachten wir einfach einmal Anfang April als Ansatz, dann hat die Staffel Nord sechs Zweitvertretungen, also nahezu ein Drittel aller Teams. Auf einem Abstiegsplatz steht keine davon. Im Westen sind es zwar nur vier, aber auch dort bleiben womöglich alle von einem Abstieg verschont. Die drei Zweitvertretungen im Südwesten sind alle frei von Abstiegssorgen. In Bayern befinden sich zwar zwei von vier nahe der gefährlichen Zone, aber deren Mittel sind eben doch andere als jene der Konkurrenz. In unserer Staffel haben wir dagegen nur eine 2. Mannschaft, es droht aber weitere „Gefahr“ von unten.

Im Nordosten steht Rostock II auf dem Sprung, in Hessen die Zweitvertretung von Eintracht Frankfurt. Aus Westfalen streben Preußen Münster (II) und Paderborn (II) in die Regionalliga. Dabei fällt auch schnell auf, dass es in den Oberligen überhaupt nur wenige 2. Mannschaften gibt, teilweise, wie in Hamburg oder Bremen, sogar schon die 3. Mannschaft von Erst- oder Zweitligisten.

Das Ziel der Bundesligateilnehmer ist es also offensichtlich, eine ertragreiche Reserve mindestens in der Regionalliga zu platzieren. Bliebe es beim aktuellen Stand, dann würde die Zahl der 2. Mannschaften noch einmal anwachsen – und dies immer zu Lasten anderer, „richtiger“ Vereine und natürlich auch des Wettbewerbes.
Fairer Wettbewerb?

Bei der einen Mannschaft in unserer Staffel wird man derweil nie Müde zu betonen, dass es einzig um die Ausbildung junger Spieler geht. Tabellenstand und Resultate sind nebensächlich. Auch die Anzahl der eingesetzten Spieler ist nachrangig – alle dürfen sich beweisen, ganz egal ob aus der Jugend oder der 1. Mannschaft. Ehrlich ist man zumindest.

Dabei stehen solche Vereine in direkter Konkurrenz mit jenen, die mit geringen Mitteln das optimale zu erreichen versuchen. Jene Vereine, die eben nicht an Fernsehgeldern aus den höchsten Spielklassen partizipieren.

Nun kann man sich leicht zurücklehnen und die Schuld auf die Regionalverbände abwälzen. Und ja, diese haben kein Interesse an einem spannenden Wettbewerb, sondern nur an den Erträgen aus ihrer „Premiumklasse“. Das Problem ist aber von genereller Natur, zumal der DFB in seiner 3. Liga auch Zweitvertretungen zulässt.
Unterdessen ist es spannend, wie unproblematisch die Leistungszentren nach der verkürzten Spielrunde der Bundesliga für ihre Jugendteams noch weitere Wettbewerbsformen entwickelt haben. Warum dann nicht auch eine generelle Reserverunde?

Grundsätze

Deutlich wird aber, dass das Prinzip einer Reserve nicht verinnerlicht wurde. Schlimmer noch, solche Teams werden teilweise übermäßig emotional überhöht. Man bringt ihnen mitunter die gleiche Sympathie entgegen, wie der ersten Mannschaft – teilweise gar noch mehr. Die Grundlage eines solchen Teams ist es aber, Zulieferer für die erste Mannschaft zu sein. Junge oder zuvor verletzte Spieler kommen wieder in den Genuss von Spielzeit, ebenso die „Bankdrücker“. Dabei ist das Team ganz nahe an der 1. Mannschaft, gleichermaßen aber auch ganz nahe an den Junioren, denn diese wagen eben in der Reserve den Versuch, sich für die Mannschaft anzubieten. Reserve ist also ein Anhängsel oder eine Ergänzung. Eigenständig kann und darf sie folglich nie sein, sonst wäre ihr Sinn vollkommen verfehlt. Schon vom Grundsatz her ist ein solches Team ein Experimentier- und Versuchsfeld – es kann auch gar nichts anderes sein.

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum solche Mannschaften in einem ernsthaften Wettbewerb starten, wo nicht wenige Vereine wirkliche existentielle Sorgen haben. Zweierlei Ausgangsvoraussetzungen also, die Unterschiede eher manifestieren. Unterschiede, die den Abstand nach oben noch verstärken, die eine offenbar gewollte Kluft zwischen Profi- und Amateurfußball zementieren.

Gewolltes System

Wer aber besitzt die Deutungshoheit über die Zukunft unseres Fußballs? In Sachen Lobby ist die Sache klar. In der öffentlichen Wahrnehmung rangieren die Profivereine auf einer Ebene, die selbst alle tausenden Lokalvereine gemeinsam nicht ansatzweise erreichen. In den Verbänden ist man auf ein gutes Verhältnis zu den Leistungszentren angewiesen, denn man nutzt gern und oft deren gebündelte Kompetenz. Und seien wir ehrlich, der große Fußball begeistert die meisten von uns auch mehr, als die allwöchentlichen Dramen auf lokaler Ebene. Maximal Skandale vermögen es, prominenter beleuchtet zu werden. Die Interessen der „Großen“ wiegen folglich ungleich schwerer. Die Dominanz im Fußballgeschäft ist klar. Folglich ist auch klar, dass Reformwünsche und –vorstellungen von unten nur wenig Chance auf Gehör oder gar Durchsetzung haben.

Nun wollen wir das Thema aber nicht allzu pessimistisch beenden – es ist so oder so eher als Debattengrundlage gedacht. Dafür braucht es aber auch Vorschläge. Angedeutet haben wir schon eine Reserverunde, wie sie zum Beispiel in England weiterhin üblich ist. Daneben können sich die gewillten Vereine auch zu eigenen regionalen Wettbewerben zusammenfinden. Nur dadurch wird deren Spielern schließlich auch bewusst, dass sie eben als Ziel die 1. Mannschaft haben, die dann auch vor dem großen Publikum spielt. Dafür lohnt es sich allein schon, in der Reserve alles zu geben.

Auf der anderen Seite würde sich auch sportlich viel bewegen, wenn es keine 2. Mannschaften mehr im Spielbetrieb gäbe. Mehr Orte wären dabei, die Ligen wären vielfältiger – die Freunde der „Tradition“ hätten sofort mehr Grund zur Freude.

Gab es das alles schon einmal? Natürlich – dankenswerterweise dokumentiert dies die FuWo auf ihren historischen Seiten sogar ab und an. Selbst in Berlin gab es neben dem regulären Spielbetrieb eine Reserverunde, sogar auf unteren Ebenen. Reserveteams haben also im ernsthaften Spielbetrieb nichts zu suchen, sie verderben den Wettbewerb.

PS: Glückwunsch an alle, die tatsächlich bis zum Ende gelesen haben. Und an alle mit Vereinsbrille auf: absetzen.

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13/03/2023

Big City Club ade?

Es war einmal ein Berliner Verein, der anders war, als alle anderen – schon allein, weil er eben viel größer war. Irgendwann kam ein jünglinghafter Geldspendierer mit schier unbegrenzten Möglichkeiten und Träumen. Er kreierte den Begriff des Big City Club für die Hertha neu. Nun ja, Großstadtclub war der Verein auch schon zuvor, genau wie alle anderen. Man wollte und sollte nun aber noch besonderer, noch imposanter, noch berliniger sein. Der geneigte Beobachter erkannte schnell, dass Hertha wieder einmal das tat, was am besten zum Verein passt: Hertha-Sachen.

Hertha was nun?

Der windige Horst und seine aberwitzigen Millionensummen sind nun jedoch Geschichte, der nächste Investor übernimmt dessen Anteile. Weiter geht die wilde Fahrt! Eine Kapitalerhöhung von lediglich 100 Millionen klingt schon fast unwürdig für die großen Träume und Ambitionen der vergangenen Zeit. Allerdings will man es jetzt auch ruhiger angehen lassen. Der Hertha-Präsident verkündete denn auch: „Wir werden das Label „Big City Club“ heute ein für alle Mal beerdigen“. Man will vom „Größenwahn" der vergangenen Jahre nichts mehr wissen. Hört hört!

Der übersetzungsgeneigte Leser wird sich nun aber zurecht fragen, was aus dem Großstadtclub nun wird. Will man jetzt einfach nur Fußballverein sein? Will man nun gar zum alternativen Provinzialismus übergehen? All die schönen und weitgehend inhaltsleeren Phrasen der vergangenen Jahre hat man ja schon durch das schnöde wie eingängige „Ha Ho He – Hertha BSC“ ersetzt. Wird Hertha jetzt etwa ganz normal, also ein Hertha, vollkommen ohne Hertha-Sachen? Uns würde gewiss etwas fehlen – großstädtisches Gehabe ist schließlich auch fest mit der Hertha verbunden.

Wir bleiben folglich dabei: Hertha ist und bleibt ein schrullig-liebenswerter Großstadtclub – ein wahrer Big City Club. Wie alle anderen Berliner Vereine irgendwie auch. Dabei bleiben sie irgendwie aber auch anders – genau wie alle anderen gleichermaßen.

Das wichtigste aber zum Schluss: Hertha ist wieder liquide. Das gegenwärtig so schnell und umfänglich abfließende Geld hat wieder eine neue Quelle angezapft. Man muss also vorerst keine Abflüsse stopfen, es kann vermutlich sogar weiter mit vollen Händen Geld in die nahe Havel umschüttet werden. Wir sind also gespannt auf die kommende Nachrichtenlage, schon allein, weil Hertha BSC am Freitag, 24.3.2023, 18 Uhr, erstmals überhaupt auf den Berliner AK trifft. Zwar nur in einem Benefizspiel, aber der gute Zweck steht dann im Vordergrund.

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Sportpark Poststadion
Moabit
10557

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