01/05/2026
Der letzte Tanz? – Meisterstück der Wölfe am vergangenen Wochenende
Der Mensch denkt, Gott lenkt. Man kann planen wie man will, doch manche Sachen – und das macht das Leben so spannend und schön – kann man nicht beeinflussen, die passieren einfach. Am Wochenende brachte eine gute Mischung aus eigener Leistung und dem notwendigen Quäntchen Glück den Wölfen die verdiente Meisterschaft. Und wer die Mannschaft kennt, der weiß, dass das nicht das Ergebnis einer einzigen Saison ist, sondern von jahrelanger harter Arbeit. Stetig hat die Mannschaft an sich gefeilt, hat bittere Niederlagen weggesteckt und sich immer wieder zurückgebissen. Auch in dieser Saison musste man zweimal schlucken, nach dem Hinspiel in Saarlouis als man ausgerechnet am heiligen Viezfest mit zehn Toren abgefertigt wurde und beim Rückspiel zuhause gegen Völklingen, als der schöne Sieg im Hinspiel egalisiert wurde. Keine der beiden Mannschaften hatte damit den direkten Vergleich für sich entschieden und nachdem eine sehr talentierte aber noch zu junge Mannschaft aus Saarlouis sich beim HCD von den alten Hasen aufs Glatteis führen ließ und sich aus dem Titelkampf verabschiedete, war klar, am Ende würde der Meister Merzig oder Völklingen heißen.
Aufgrund des Gleichstandes lief alles auf zwei Entscheidungsspiele hinaus. Nachdem die HSG Völklingen ihr Nachholspiel gegen Zweibrücken deutlich gewann, waren die Wölfe gleich doppelt am Zug. Samstags gegen den TV Homburg 2, Sonntags zum letzten großen Derby. Irgendwann mal, war plötzlich alles Derby, was zwischen TuS und HSV gespielt wurde, aber eigentlich gab es immer nur dieses eine, das die Hallen aus allen Nähten platzen ließ, Zuschauer elektrisierte und in den schlechtesten Zeiten auch dazu führte, dass erwachsene Männer und Frauen sich wie Kinder verhielten und Freundschaften auf die Probe gestellt wurden. Das Derby der Herren 1, das Derby zwischen den Wölfen und den Wombats!
Doch vor dem Doppelspielwochenenden wurden zuallererst die Nerven der Wölfe erprobt. Donnerstagabends -. Das Herrentraining war gerade aus – kam plötzlich eine Mail aus Homburg, deren Inhalt gleich darauf durch die Halle geisterte.-Der TVH würde absagen, man habe keine spielfähige Mannschaft. Also doch ohne Umwege zum Derby und ein Tag Pause? Die Mannschaft drängelte, man wollte die Fans informieren, die sich ihren Samstagabend freihielten. Es folgte am Freitag ein Drama in drei Akten. Der HSV postete, dass das Spiel gegen Homburg entfallen würde. Doch man hatte die Rechnung ohne den Klassenleiter gemacht. Denn der korrekte Weg einer Spielabsage war nicht eingehalten worden. Stefan Hawner verwies auf die Spielordnung und informierte den THV über die immensen Kosten einer Absage beim letzten Spiel. Homburg entschied daraufhin doch anzutreten. Circa 40 Wölfe-Fans und die Mannschaft reisten nach Erbach, wo 8 Feldspieler, 2 Torhüter und 2 Fans warteten. Die Mannschaft, die sich im Hinspiel noch als ernster Gegner profiliert hatte, demonstrierte ihre Unlust, durch zu spät kommen einzelner Spieler und ein bescheidenes Warm-up. Die Wölfe ließen sich davon aber nicht beirren oder ablenken. Vielmehr zeigten die Jungs sich professionell, machten sich heiß für die Partie und zeigten von Anfang an, dass sie gewinnen wollten. Kapitän Rudolph hatte genau im Blick, dass keiner den Lockeren machte. Auch wenn beim TVH zumindest ein paar erfahrene Handballer auf der Platte standen, war das Spiel eindeutig, was die Fans nicht daran hinderte das Rudel konstant anzufeuern. Richtig spannend wurde es aber erst nach Abpfiff. Denn in Völklingen wurde noch gespielt. Bereits der Halbzeitstand hatte den Wölfe-Fans Hoffnung gemacht. Die junge Saarlouiser Truppe ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen und führte mit einem Tor. Aber da waren es noch 30 Minuten. Doch als die HGS 3 Minuten vor Schluss noch immer mit 2 führte und Niklas Louis im Stream der auf vielen Handy lief den Siebenmeter verwarf, ging ein Raunen durch die Menge und dann Jubel als Max Josten das 28:31 warf. Die Stimmung entlud sich. Die Meisterschaft war plötzlich in Griffweite, die jungen Wilden aus Saarlouis hatten Völklingen besiegt und 100 Liter Bier (bzw. Spezi 😊) gewonnen.
Doch Feiern war jetzt noch nicht – sondern innehalten, Luft holen für die letzte Aufgabe. Auch wenn TuS und HSV nächste Saison als HF an den Start gehen – beide Vereine wollten nochmal zeigen, was das Derby ausgemacht hat, warum diese Partien zu den besten der Saarlandliga gehörten. Und es gab wieder viele schöne Momente: Sei es das Duell zwischen den Brüdern Sven und Sebastian Klein – drei freie Würfe nahm Sven seinem Bruder ab, bevor dieser netzte, Timmy Reinerts Heber über Vincent Hein, der trotz seiner Größe hier das Nachsehen hatte oder der athletisch perfekte Kempa von Jonas Bornmann nach einem überragenden Anspiel von Marcel Rudolph. Insgesamt lautete das Motto „weniger Abwehr, mehr Tempo, mehr Tore“ Obwohl die Wölfe anfangs schnell davonziehen konnten und zwischenzeitlich sogar mit 7 führten, gaben die Wombats sich nicht auf und kämpften sich auf 3 zurück. Doch ein Blick auf die Gästebank machte schnell deutlich, der Kader des Tabellenvierten hatte einfach nicht mehr die Breite für 60 Minuten Vollstoff. Meister-Coach László Kincses und sein Co Niklas Eberhard konnten hingegen das ganze Rudel auf die Platte schicken, das niemals aufhörte zu laufen und in diesem letzten Tanz noch einmal alles zeigen wollte. Am Ende kam er dann endlich – der verdiente Gänsehautmoment. Sekt spritze durch den Thielspark, Meisterkronen wurden aufgesetzt und HV Saar Präsident Christoph Rehlinger, der Klassenleiter der Oberliga Saar Stefan Hawner, HSV-Präsident Dr. Christian Quintes und Herrenwart Jörg Waerder beglückwünschten die Mannschaft, während „We are the Champions“ von Queen lief. Weder die Wölfe noch die Wombats ließen sich davon beirren, dass am nächsten Tag Werktag war und verbrachten gemeinsam noch viele schöne Stunden im Thielspark, in denen, wie es sich gehört, Geschichten für die Ewigkeit geschrieben wurden. Auch wenn solche Berichte natürlich immer subjektiv sind, so ist der Autor dieser Zeilen der festen Überzeugung, dass diese Mannschaft sich die Meisterschaft mehr als verdient hat. Man könnte über jeden einzelnen Spieler schreiben, wie er sich entwickelt hat und wie er zur Meisterschaft beigetragen hat, aber auch das ist immer eine Frage der Perspektive und langatmig. Handball ist ein Mannschaftssport und die Mannschaft als ganzes hat sich diesen Titel hart erkämpft. Es sei aber trotzdem besonders dem Kapitän gedankt, Marcel Rudolph, dem letzten, der noch übrig ist vom ganz alten Rudel, der immer gebissen hat für die Wölfe und nun, da die Jungs die Meisterschaft gewonnen haben, sein Versprechen einlöst und noch eine Saison dranhängt. Glückwunsch also an Marci, Timo, Jones, Karsten, Leo, Lukas, Marv, Matthis, Michael, Nils, Paul, Uwe, Henkel, Samir, Sascha, Simi, Sven, Vinni, Frido, Borni, Julius, Stefan, Christian, Hoffi, Niklas, Laci.
Ich bin stolz auf euch, Männer!
Quincy
Bevor die Mannschaft nun auf die verdiente Mannschaftsfahrt darf, gilt es aber noch Relegation für die Regionalliga Südwest zu spielen. Leider mit zwei Auswärtsspielen. Kommt also vorbei und unterstützt die Jungs 🔥🔥🔥
Termine
https://www.handball.net/mannschaften/handball4all.ol-rheinland-pfalz-saar.1424456/spielplan?dateFrom=2025-07-01&dateTo=2026-06-30
Fotos: Digitale Fotografie Heiko Britz