05/10/2026
Viezstädter trotzen dem Viezfest-Fluch und entführen zwei Punkte aus St. Ingbert-Hassel
Was für ein heißer Tanz in St. Ingbert!
Die Viezstädter der HF Unteren Saar haben beim letztjährigen Regionalliga-Absteiger HC St. Ingbert-Hassel, besser bekannt als die Tigers, nicht nur ihre sportliche Qualität unter Beweis gestellt, sondern auch gleich mehrere Flüche gebrochen.
Mit einem hart erkämpften 30:29-Auswärtssieg beim bis dahin ungeschlagenen Gastgeber krönten die amtierenden Meister einen Abend, der alles zu bieten hatte: 80er-Jahre-Schnauzer, eine bärenstarke erste Halbzeit, eine zwischenzeitliche Zitterpartie und ein Happy End.
Schon vor Anpfiff war klar: Das wird kein gemütlicher Spaziergang. Die Tigers, im vergangenen Jahr noch in der Regionalliga unterwegs, hatten ihre ersten vier Saisonspiele allesamt gewonnen und standen damit bei makellosen 8:0 Punkten. Mit einem weiteren Sieg wollten die Gastgeber ihre Erfolgsserie auf 10:0 Punkte ausbauen. Doch die Viezstädter hatten offenbar andere Pläne und waren optisch ohnehin schon bestens auf eine Zeitreise in die 80er vorbereitet. Ein Großteil der Mannschaft hatte sich im Vorfeld von seiner Gesichtsbehaarung verabschiedet und lief stattdessen mit stilechtem Oberlippenbart auf. Ob das nun taktische Verwirrung bei den Tigers auslösen oder einfach nur die eigene Attraktivität steigern sollte, ist bis heute nicht abschließend geklärt.
Sportlich lief es zunächst jedenfalls wie am Schnürchen. Die HF erwischte einen Traumstart, stand in der Abwehr kompakt und ließ in der gesamten ersten Halbzeit gerade einmal 13 Gegentore zu. Im Angriff griff ein Rädchen ins andere, die Kombinationen saßen und sobald die HF ins Tempospiel kam, schienen die Tigers nur noch die Frage zu haben, wo eigentlich der Ball und wo der Gegenspieler abgeblieben war. Mit einer verdienten 18:13-Führung ging es in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel wurde es allerdings deutlich weniger gemütlich. Anstatt den Vorsprung souverän auszubauen, begannen die Viezstädter, sich das Leben selbst schwer zu machen. Technische Fehler häuften sich, klare Chancen blieben liegen und wenn dann doch einmal ein Abschluss aufs Tor kam, stand dort mit Jannik Klöckner ein Schlussmann, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, der HF in Erinnerung zu bleiben.
Besonders bitter: Als Philipp Kewenig, der bis dahin ein wichtiger Baustein im Angriffsspiel gewesen war, verletzungsbedingt ausfiel, ging ein spürbarer Ruck durch das Spiel. Sein Ausfall brachte die Mannschaft aus dem Rhythmus und die Tigers nutzten die Gelegenheit, um Tor um Tor heranzukommen. Die Gastgeber witterten ihre Chance und schafften tatsächlich zehn Minuten vor dem Ende den Ausgleich. Plötzlich war aus einer komfortablen Führung ein völlig offenes Spiel geworden.
Zeit für eine Auszeit. Trainer Laszlo Kincses nahm seine Mannschaft zusammen und erinnerte daran, was die Viezstädter in der ersten Halbzeit so stark gemacht hatte: wieder konsequenter verteidigen, im Angriff das eigene Spiel aufziehen und vor allem wieder mutig ins Eins-gegen-eins gehen.
Gesagt, getan. Die HF fand zurück zu ihrer Linie, übernahm wieder die Kontrolle und setzte sich erneut auf vier Tore ab. Vier Minuten vor dem Ende schien die Messe gelesen. Doch die Tigers hatten noch längst nicht genug. Mit einer offensiveren Abwehrformation stellten die Gastgeber die Viezstädter vor neue Aufgaben und fanden insbesondere über den Kreis immer wieder Lösungen. So wurde es in der Schlussphase noch einmal richtig eng und die letzten Minuten glichen eher einem Krimi als einem Handballspiel.
Doch die Viezstädter behielten die Nerven, verteidigten den knappen Vorsprung und retteten den 30:29-Auswärtssieg über die Zeit.
Eine besondere Randnotiz verdient an diesem Abend allerdings noch der berüchtigte Viezfest-Fluch. Pünktlich zum Beginn des Viezfestes scheint bei der HF normalerweise auch die Zeit der Siege vorbei zu sein. Umso bemerkenswerter, dass die Gastgeber aus St. Ingbert-Hassel nach eigener Aussage keine Möglichkeit sahen, die Partie zu verlegen. Man könnte fast meinen, die Tigers hätten vom berüchtigten Viezfest-Fluch gewusst und wollten der HF ausgerechnet an diesem Wochenende nicht die Gelegenheit geben, ihm aus dem Weg zu gehen. Doch daraus wurde bekanntlich nichts: Statt Katerstimmung gab es diesmal zwei Punkte zu feiern.
Und so bleibt neben einem hart erkämpften Auswärtssieg auch die Erkenntnis, dass sich selbst alteingesessene Flüche mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, starken Nerven und einer ordentlichen Portion 80er-Jahre-Charme überwinden lassen.