16/04/2026
GRATULATION ZUR PREMIERE "Romeo und Julia" 12.04.2026 Altes Theater am Jerichower Platz Magdeburg Rezension von Dr. Volker Theune: Romeo und Julia in Magdeburg
Die Ballettschule Semenchukov hatte sich zum 12.4., dem orthodoxen Ostersonntag - passend zum traurigen Anlass dieses Festes!- die Premiere von Prokofjews Ballett Romeo und Julia als Jahreshöhepunkt vorgenommen - und um es vorweg zu nehmen - überaus bravourös gemeistert!
Wer - wie ich - Bedenken hatte, dass die inhaltsschwere Tragödie von William Shakespeare vielleicht zu anspruchsvoll oder zu traurig (4 junge Tote kommen darin vor) sei für die Eleven der Ballettschule ( überwiegend Kinder und Jugendliche), zumal der Trend im Literaturunterricht an deutschen Schulen eher weg von der Klassik zu sein scheint, wurde sehr schnell eines Besseren belehrt.... Hätte ich aber wissen sollen, diese unsterbliche Liebesgeschichte ist zeitlos, und: die Julia des Autors war ja vor 430 Jahren auch erst knapp 14 Jahre alt...
Die Aufführung- Premiere (war ausverkauft!) genannt, obwohl keine Folgevorstellungen geplant sind - geriet zum erstklassigen Kulturhöhepunkt dieser Saison für die Magdeburger Musiktheater- und Freunde von Ballett und Tanz, auf den sich die Ballettschule seit Monaten gewissenhaft und unermüdlich vorbereitet hatte, und das vom dankbaren Insider- Publikum unserer sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt ebenso lange ungeduldig erwartet, ja herbeigesehnt wurde.
Natürlich gebührt Dank und Anerkennung für das sehr emotionale Handlungsballett mit vielen Gänsehauteffekten in erster Linie allen Künstlern auf der Bühne selbst, ganz gleich, ob in der Gruppe, als Halbsolist oder in einer Hauptrolle tanzend. Aber wie klug/ geschickt/ mit wieviel Fingerspitzengefühl eingesetzt die jugendlichen Tänzer nach Alter und Leistungsvermögen wurden, ganz individuell/ quasi maßgeschneidert, das lag alles in den Händen des Leiters der Ballettschule und Chefchoreografen Alexander Semenchukov, unterstützt in erster Linie von seiner Frau Nadezda, die ebenfalls Choreografin und Tanzpädagogin ist und jetzt überwiegend mit Erwachsenen arbeitet.
Alexander Semenchukov, gebürtig in Weißrussland, arbeitet seit 1995 in Deutschland, wo er den Magdeburgern als 1.Solotänzer am hiesigen Opernhaus/ jetzt Theater Magdeburg (TM) bestens bekannt wurde. Parallel hatte er hier ein Choreografiestudium abgeschlossen, was parallel zur Tänzerarbeit auch schon zu eigenen Choreografien am TM führte, war dann Tanzpädagoge an der Theaterballettschule Magdeburg, bevor er seine eigene private Ballettschule im Jahre 2012 ( mit seiner Frau) gründete, immer mit hohem Anspruch an sich selbst und seine Tanzschüler.
Seither wird diese Ballettschule immer bekannter und gehört inzwischen zum festen Bestandteil der Kulturszene hier. Besonders schätzen in Magdeburg die Liebhaber des klassischen Balletts seine Inszenierungen, ist er doch der einzige, der hier noch klassische Ballettkunst choreografiert, womit er die schmerzliche Lücke schließt, die nach Ende der beruflichen Karrieren von Irene Schneider 1994- 2005 und Gonzalo Galguera 2005- 2022 entstanden ist, denn seitdem zeigt der Österreicher Jörg Mannes als Ballettdirektor der jetzigen Ballettkompanie den Magdeburgern ausschließlich modernen/ zeitgenössischen Tanz, der ein anderes Publikum begeistert als die Klassikfreunde...
Zurück zur gestrigen Aufführung.
Welche Freude war es zu sehen, mit welcher inneren Begeisterung, Bewegungs- und Lebensfreude, Vitalität, Ausdauer, Temperament und mit welchem hohen technischen Niveau die Tänzer agierten, unterstützt von überraschenden Effekten moderner Computervisualistik, das war auf jeden Fall die 30 Euro Eintrittsgeld für das Alte Theater wert, bekommen doch private Ballettschulen keinerlei staatliche Förderungen im Gegensatz zu millionenschwer gestützten staatlichen Theatern. Das/ die Kostenfrage erklärt auch das Fehlen eines angedeuteten Balkons in dem Drama, werden doch Veronatouristen nahezu ausschließlich zum Julia-Balkon gebracht (UNESCO-Welterbe!) . Stattdessen eine Art Klettergerüst, also ähnlich minimalistisch wie im grossen TM üblich...
Sehr schön die Unterstützung vom Theater Magdeburg durch den Theaterschneider Stanisic (Kostüme) und durch die kurzfristige "Ausleihe" der überzeugenden Theater-Ballettpraktikantin Sofia Simone, Italien ( heute 20. Geburtstag, Gratulation!) für die Rolle der Julia anstelle der verletzten Erstbesetzung Benita Döring (Beinbruch im Training, gute Besserung!). Ebenso Kompliment an Josselin Prat, Frankreich, als Romeo! Im Publikum viele alte Bekannte, Klassikfreunde wie ich, überall zufriedene Gesichter. Hoffnungsvoll auch, dass der Theaterballettdirektor Herr Mannes unter den Gästen war, mit seinen beiden Ballettmeisterinnen...
Optimistisch erschienen das Finale mit 2 weissen zum Himmel aufsteigenden Tauben, abschließend die Begeisterung des Publikums und das Blumenmeer für die Aktiven.
Dr.Volker Theune, Biederitz