26/07/2026
Der Islam zieht weltweit Menschen an – und das schon lange, bevor Maxime Rodinson dies 1980 dargetan hat. Trotz all der Nachrichten über Gewalt, Extremismus und Anschläge, zuletzt über den Angriff auf den Christopher Street Day in Berlin, entscheiden sich weltweit jedes Jahr Hunderttausende für eine Konversion. Viele fragen sich, wie das möglich ist. Andere spüren eine echte Faszination. Für mich ist klar: Man muss tiefer schauen.
Ich habe 1999-2010 bei Tilman Nagel zum islamischen Recht promoviert, mich intensiv mit der Nasser-Enzyklopädie beschäftigt und anschließend viele Jahre für die Encyclopedia of the Bible and Its Reception geschrieben. Aus dieser wissenschaftlichen Perspektive ist es besonders interessant, dass mein letzter Artikel dort wegen seiner genderkritischen Passagen abgelehnt wurde – obwohl genau dieser Punkt aus meiner Sicht entscheidend ist. Schon 2007 habe ich in der FAZ beschrieben, wie bestimmte Entwicklungen im Westen eine Gegenbewegung auslösen, die den Islam für viele Menschen attraktiv macht.
Die Gründe dafür sind vielfältig: der Ruf zur Gemeinschaft in den frühen islamischen Quellen, die lebendige Konkurrenz der Rechtsschulen, die unbeabsichtigte Rolle westlicher Gelehrter, der moderne Genderdiskurs und die neuen digitalen Räume, in denen Religion heute verhandelt wird. Am Ende zeigt sich, dass der Islam für viele Menschen ein klares Angebot darstellt, das Orientierung, klare Strukturen und Gemeinschaft bietet – gerade in einer Zeit, die vielen als unübersichtlich erscheint.
Die weltweite Anziehungskraft des Islams gehört zu den bemerkenswertesten religiösen Entwicklungen unserer Gegenwart, nicht erst seit Maxime Rodinson dies in seinem berühmten Buch 1980 feststellte. Obwohl die Medien immer wieder über Gewalt, Extremismus und Anschläge berichten – zuletzt über...