29/06/2022
Oliver möchte uns an seinem Segelabenteuer vom letzten Freitag teilhaben lassen:
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Ein ganz normaler Tag auf unserem Boot, der INSANE:
Endlich, die Stopfbuchse ist gewechselt und die Welle wieder dicht. Also heißt es heute Morgen: früh aufstehen und um 06.00 Uhr beim SVT in Lübeck abzulegen.
Das Wetter ist gut, der Motor läuft alles passt. So früh morgens sind sogar die Fähren in Travemünde nicht so zügig am hin und her fahren und ich kann sie entspannt passieren.
Um diese Uhrzeit ist auch noch keine Regatta und auch die übrige Schifffahrt zeigt sich nicht. Also raus aus Travemünde, den Kurs festgelegt, Autopilot an und entspannt nach Großenbrode fahren. So ist der Plan für heute.
Und dann, etwa 10.20 Uhr Höhe Kellenhusen, ohne Vorwarnung oder Geräusche plötzlich kein Vortrieb mehr, nix. Der Motor läuft noch und ich bewege den Ganghebel hin und her und es passiert nichts. Schnell in den Salon, kein Rauch kein Qualm gar nix. Abdeckung Motorraum geöffnet und dann sehe ich das Drama: Der Monteur hat beim Befestigen des Wassersammler den Bowdenzug vom Gashebel so verlegt, dass dieser sich an der Kupplung der Welle aufgescheuert hat und den Bowdenzug durchtrennt hat.
Ganz toll. Große Freude breitet sich aus. Meine Begeisterung kennt keine Grenzen. Na gut, ich hab ja ein Segelboot. Also, Segel raus und dann zurück nach Grömitz. Aber, wie es denn so ist auf der INSANE, wenn es läuft, läuft es. Zu dem Zeitpunkt kommt der Wind aus allen Richtungen und das Segel weht wild hin und her.
Also, in Grömitz angerufen, an die DGZRS verwiesen worden und dann per Funk bei Bremen Rescue den Seeabschlepper, das Tochterboot Saphir, kommen lassen. Das war am Ende die richtige Entscheidung. Dadurch war ich so zeitig in Grömitz fest, dass der Yachtservice Gutowsky noch besetzt war und ein freundlicher Monteur binnen 1,5 Stunden einen neuen passenden Bowdenzug aufgetrieben und montiert hat. So konnte ich gegen 15.00 Uhr meine Fahrt nach Großenbrode fortsetzten.
Das hat auch so weit alles entspannt geklappt, bis ich im Salon sitzend, plötzlich sehe, dass das Boot eine volle Kurve nach Steuerbord fährt. Schnell hoch an die Pinne und siehe da, der Autopilot hat sich verabschiedet. Der Stift, der in der Halterung an der Pinne arretiert wird, rutscht aus dem Plastikkopf an der Schubstange. Mehrer Versuche ihn wieder reinzudrücken blieben leider erfolglos. Also die letzten 2 Stunden nach Großenbrode selbst steuern. Die Letzten 30 Minuten wurden auch wettermäßig noch mal spannend. Plötzlich drehte der Wind von Ost auf West und ging in Böen hoch auf bis zu 27 Knoten. Na toll, genau das was ich brauche, um in Ruhe in die Box zu fahren. Bei meiner „großen Erfahrung“ ja überhaupt kein Problem.
Und so kam es, wie es kommen musste, ich habe den ersten Anlauf in die Box versemmelt, wirklich nicht gut gemacht von mir, und bin dann vom Wind bis an das Ende der Boxengasse „getrieben worden“. Drehen ging nicht mehr, da die Boxengasse immer schmaler wurde. Ich habe es aber, unter wohlwollenden Augen, geschafft, keine anderen noch unser Boot zu beschädigen.
Freundlicherweise wurde mir dann Hilfe von 3 Seglern zu Teil und wir sind dann in eine Leine eingedampft und konnten so Boot drehen und auch erfolgreich in die Box fahren und festmachen. Hat zum Glück auch alles nur ca. 20 Minuten gedauert.
Dann waren noch 15 Minuten Zeit zum Aufklaren und Leinen nachjustieren. Das bestellte Taxi stand schon auf der Pier und wartete. Ich habe den Zug um 19.36 nach Lübeck noch erwischt und war um ca. halb zwölf nach diesem erfolgreichen Tag zu Hause.
Was soll ich sagen, das ist Schifffahrt. Zum Glück aber nur ganz selten. In diesem Sinne, Hand breit ...