13/06/2026
SG 47 Bruchmühle II - TSG Fredersdorf Fussball Männer 2:3 (Kreisliga Nord, Ostbrandenburg), Stadion Bruchmühle, 71 Zuschauer, Spielnote 4
SV Blau-Weiß Petershagen/Eggersdorf e.V. - Zweigverein Fußball - MSV 1919 Neuruppin, Abt. Fußball 1:2 (Brandenburgliga), Waldsportplatz, 211 Zuschauer, Spielnote 4
Der letzte Ritt stand in vielen Ligen unseres Bundeslandes an, so auch in Ostbrandenburg und ganz besonders auf Landesebene sollte heute ein Finale auf dem Programm stehen, was für Herzkasper sorgen sollte. Ich war ein wenig hin und her gerissen, was ich denn nun mache. Klar, der Besuch im Doppeldorf stand fest, aber die Partie davor machte mir noch unbehagen. Dank Seppi und der Organisatiion von Reno, konnte ich endlich den Ground in Bruchmühle kreuzen. Da der Storkower SC ja in die Landesklasse aufgestiegen ist, würde mir das in der neuen Spielzeit verwehrt bleiben. Es ging also mit reichlich Puffer an Zeit mit Liam und Seppi in Richtung Bruchmühle, wo man schon um 10:30Uhr auf der Matte stehen sollte. Zwischenzeitlich hatte ich die Sorge, wir wären die ersten Menschen vor Ort und müssten den Laden aufschließen - aber weit gefehlt. Es wurde nämlich alles für die große Abschlussfeier der Herrenmannschaften vorbereitet. Am Kassenhaus bekamen wir sogar eine schicke Eintrittskarte für 2€ in die Kralle. Hierbei achtet der Verein wirklich auf die Zuschauer, die auch beim Spiel der 1.Mannschaft im Anschluss bleiben. Ein Kombi-Ticket aus beiden Spielen würde also 4€ kosten.
SG Bruchmühle II - TSG Fredersdorf Fußball 2:3
Natürlich sollte es zuerst gleich einmal darum gehen, diesen herrlichen Ground unter die Lupe zu nehmen. Ich bin der Meinung, man hat hier absolut geile Bedingungen und muss eigentlich auf Landesebene spielen. Neben dem wirklich tollen und charmanten Vereinsheim, gibt es diesen speziellen Kabinentrakt, der auf dem Dach gleichzeitig als Tribüne dient. Wer diese geniale Idee hatte und das es auch so imposant für den Gast erscheinen lässt, dem gehört zumindest ein Denkmal gebaut. Der Rasenplatz, die LED-Anzeige und der kleine Wall mit Bänken runden diese schöne Anlage ab.
Beim wirklichen netten Duo (Kneiper im Vereinsheim, Grillmeister draußen), konnte man die Cola für 2,80€ im Vereinsbecher und auch die solide Bratwurst für den gleichen Preis erwerben. Wahlweise hätte man auch ein Hähnchensteak vernaschen können.
Wenn ich auf die Partie blicke oder besser gesagt auf die Ausgangslage, wird man bei den Gästen immer noch die letzte Woche in den Köpfen haben. Beim RBB-Amateurspiel der Saison gegen Mitkonkurrent SV Prötzel ließ man sich vor über 1000 Zuschauer und im TV eine 2:0-Führung aus der Hand nehmen, spielte nur Remis und musste mit ansehen, wie der größte Widersacher in dieser Kreisligaspielzeit auf eigener Anlage und unter diesen speziellen Rahmenbedingungen den Aufstieg in die Kreisoberliga feierte. Es gibt Momente im Fußball, die werden einen immer wieder bis ins Mark treffen. Das was letzte Woche passierte, wird der TSG wohl auf ewig verfolgen. Daher war ich gespannt, wie man die Nummer heute gegen fast faktisch gerettete Reserve-Kicker der SG47 aus der Kleidung schütteln wollte. Meine Vorahnung hat sich so ein wenig bestätigt, weil die Hausherren aus dem Nichts nach einem lahmen Beginn durch Dennis Dreetz in Führung gingen und folglich mutiger wurden. Die beste Chance der TSG hatte Marc Eiling, der einen Freistoß unter die Latte knallte. Nach dem Seitenwechsel staubte Maurice Völckert zum Ausgleich ab und als sich die Nummer wieder ein wenig beruhigte, sollte Roth aus Nahdistanz Florian Ottomann zu einem Handspiel zwingen und es gab Strafstoß für Bruchmühles zweite Garde. Aus Sicht der Hausherren hielt die Führung vom Punkt durch Olaf Krüger aber nur zwei Minuten. Scheib glich nämlich fix aus und der Unglücksrabe Ottomann, der vor dem Führungstor der SG47-Reserve das Handspiel beging, sollte am kurzen Pfosten einen Eckball zum 3:2 für den nur noch Dritten der Nordstaffel ins Tor lenken. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball und so schleppten sich die Gäste mit dem Kraftakt zum Auswärtssieg und einem guten Gefühl im neuen Jahr wieder anzugreifen. Als Tabellenzehnter schließt die Zweite aus Bruchmühle die Saison mit dem Klassenerhalt ab, was durchaus okay ist.
Mehr als okay ist es hier bei der selbsternannten Macht vom Mühlenfließ. Diese Anlage hat es verdient Fußball auf Landesebene zu sehen. Es gibt gutes Futter, eine Eintrittskarte, Becher, Menschen die für Bruchmühle leben und man kann einfach richtig toll Fußball gucken. Es passt rundum für mich und jedem Hopper ist es allein schon wegen der besonderen Tribüne zu empfehlen, hier in der neuen Saison mal anzurücken.
SV Blau-Weiß Petershagen/Eggersdorf - MSV Neuruppin 1:2
Mit Abpfiff der Partie in Bruchmühle, stand Reno schon bereit und sammelte Liam und mich ein, um dann den "Waldi", wie ihn die einhemischen Vereinsmitglieder gerne nennen, anzusteuern. Das Doppeldorf feierte heute den sportlichen Abgesang nach 20 Jahren auf Landesebene. Freiwillig geht man runter bis in die Kreisoberliga, will sich konsolidieren und vor allem mit Eigengewächsen einen Neustart wagen. Respekt vor dieser mutigen Entscheidung. Bedeutete aber auch, dass der große Brandenburger Fußballzirkus fortan an der Waldsportanlage vorbei fährt und die Gegner künftig Steinhöfel, Tauche/Ahrensdorf oder Hennickendorf/Rehfelde sind, statt TuS Sachsenhausen, der BSC Süd 05 oder die BSG Stahl Brandenburg. Heute kam mit dem MSV Neuruppin noch einmal ein "Big Player" der Liga zum Duell Tabellenletzter gegen den Zweiten um die Ecke und bei Punktverlusten des 1.FC Frankfurt in Brandenburg bei Stahl, wäre der MSV mit einem Sieg nach einer wilden Saison noch der lachende Aufsteiger in die Oberliga. Es war also alles angerichtet für ein Krimi, wie man ihn am letzten Spieltag sehen wollte.
Reno lud uns drei, weil Seppi nach seinem Spiel mit Tauche in Erkner nachkam, zu dieser Partie ein. Normalerweise musste der Fan hier ein letztes Mal für die Brandenburgliga 6€ über die Theke reichen und bekommt eine schicke Eintrittskarte + Stadionheft dazu. Allein das ist schon großartig für uns Stadionsammler.
In Ruhe scannte ich gleich den "Waldi" ab, wo gerade die Reservemannschaft mit reichlich Rauch verabschiedet wurde. Der durch eine blaue Bande eingerahmte Rasenplatz wird durch das Funktionsgebäude, der Vereinskneipe "Kayserschnitzel", einer Anzeigetafel und ganz komisch angeordneter Sitzschalenkonstruktionen komplettiert. Warum man nicht eine durchgehene Tribüne gebaut oder eine Stahlkonstruktion installiert hat, bleibt mir tatsächlich ein Rätsel. Ist doch viel hübscher in der Gesamtbetrachtung.
Nicht nur hübsch, sondern auch lecker, war die Bratwurst für 3€. Die Coke für 3,50€ im Vereinsbecher, den ich aber schon im Besitz habe, rundete meine Bestellung ab.
Als ich MSV-Coach Jan Kistenmacher noch fix fragte, ob wir nach dem Spiel für die MAZ plauschen könnten, sollten die Spieler für den Einmarsch bereitstehen. Supportet wurde der Heimanhang übrigens von der "Ziegenkurve". Diese bestand aus sieben Junioren, die viele Fahnen wehen ließen und fast durchweg ein und das selbe Lied sangen. Die "Fontanebande" formierte sich hinter ihrem Banner und zogen zum Spielbeginn eine Blockfahne mit dem Vereinswappen hoch. Akustisch war das jetzt von beiden kein Brecher, aber wer seinen Verein, egal in welcher Form anfeuert, bekommt von mir immer den größten Respekt.
Es war eine zähe Nummer an Fußballspiel. Der MSV hatte deutlich mehr vom Geschehen, kam aber gegen leidenschaftlich arbeitende Hausherren so gut wie nie gefährlich durch. Zum Überfluss der Gäste spielte das "Doppeldorf" sich einmal herrlich durch und Raif Yaman schloss mit dem Außenspann zum 1:0 ab. Es war nun nach der Pause klar, dass die Neuruppiner mit mächtig Wut aus der Kabine kommen würden. So war es dann auch und nach einem Handspiel von Dittrich gab es Elfmeter für den MSV, den Konstiantyn Hramatik sicher zum 1:1 verwandelte. Nun setzte der Regen ein und gegen immer stärker werdende Fontanestädter versuchte Blau-Weiß noch einmal alles an Herzblut für zumindest einen Zähler zu investieren. Es sah lange danach aus, als würde man dem 1.FC Frankfurt Schützenhilfe leisten können. By the way: Diese war nach dem späten Führungstreffer im Fernduell mit Stahl Brandenburg nicht mehr nötig. Die eigenen Hausaufgaben wollten die Neuruppiner mit der letzten Aktion aber noch erledigen. Eine Ablage nach kurz ausgeführten Freistoß, zimmerte Komnos in die Box, wo Achraf El Mhamdi die Murmel zum Siegtor über die Linie drosch. Die Spieler des MSV jubelten ausgelassen, doch als nach Abpfiff die Nachricht aus Brandenburg kam das man nur Vizemeister ist, weinten einige Spieler hemmungslos und ließen ihrer Trauer freien Lauf. Respekt auch an Jan Kistenmacher, der mir sehr aufgeräumt und fair sein Statement zum Spiel gab und Glückwünsche an die Oder sendete.
Mit dem Doppeldorf verlässt dagegen ein angenehmer Verein die Landesebene, mit einer repräsentativen Anlage, gutem Catering und Menschen, die zu 100% hinter dem Verein stehen. Ob Eintrittskarte oder Stadionheft, man bekommt als Hopper alles in die Hand. Ob das allerdings noch in der Kreisoberliga umgesetzt werden kann bleibt abzuwarten. Ich bedanke mich bei Reno für die Einladung und wünsche dem Gesamtverein und das Doppeldorf Alles Gute für die Zukunft.