06/06/2020
Brauchen wir „Movement Correctives“?
In den letzten Jahren habe ich über viele Übungen und Techniken geschrieben, um die Mobilität, Haltungskontrolle und Kraft zu verbessern. Dabei war es teilweise schwer sich von dem Begriff „Correctives“ zu trennen. Wenn wir Bewegungsdefizite, Dysfunktionen und Bewegungseinschränkungen haben, sprechen wir häufig von korrigierenden Maßnahmen oder halt von „Correctives“. Dabei wird nicht zwingend etwas korrigiert, sondern nur besser gemacht. Denn es ist nicht so, dass ein „Fehler“ vorliegen würde. Wenn wir in der Kniebeuge eine eingeschränkte Sprunggelenkmobilität aufweisen, gehen wir davon aus, dass dies „korrigiert“ werden müsste. Durch Mobility Drills „verbessern“ wir jedoch unsere Beweglichkeit, wir „korrigieren“ sie nicht. Eine Korrektur setzt voraus, dass etwas schief läuft, dass Probleme vorliegen. Manchmal kann dies auch der Fall sein. Wenn wir Bewegungsfehler aufweisen, die zu Schmerzen oder zu ineffizienten Bewegungsmustern führen können wir gerne von „Correctives“ sprechen. Ich würde diese Begrifflichkeit jedoch eher in den Bereich des motorischen Lernens unterbringen.
Wenn wir eine neue Bewegung erlernen müssen wir neue Bewegungsmuster erschaffen. Dabei haben wir das Ziel die Koordination zu verbessern, Co-Kontraktionen von Antagonisten zu reduzieren und die neuromuskuläre Ansteuerung zu optimieren. Dies passiert immer dann, wenn wir kräftiger werden. Daher ist Krafttraining eine der besten Möglichkeiten Bewegungsfehler zu „korrigieren“. Bevor wir also anfangen uns zu sehr auf vermeintliche Fehler oder Defizite zu konzentrieren, sollten wir unseren primären Fokus darauf setzen in bestimmten Bewegungen kräftiger zu werden. Und ich meine nicht im Sinne von „Powerlifting“ oder „Olympischen Gewichtheben“. Ich meine im Sinne von variablen Bewegungen in einer möglichst großen Bewegungsamplitude mit möglichst unterschiedlichen Lasten und Gewichten. Krafttraining hilft ungemein Bewegungsfehler zu beseitigen. Dabei solltest du in der Lage sein alles mögliche zu nutzen, was du finden kannst. Meiner Ansicht nach profitieren Anfänger am besten von Bodyweight Training, Kettlebell und Ringtraining. Bodyweight Training hilft den eigenen Körper zu spüren und kontrollieren zu können, ähnlich wie das früher beim „Ringen und Raufen“ der Fall war, wo wir unser Körpergefühl mit einem Partner entwickeln konnten. Die Kettlebell ist meiner Ansicht nach das vielseitigste Trainingstool. Es erfordert ein optimales Zusammenspiel aus Kraft, Mobilität und Koordination. Beim Kettlebell-Training lernst du deine Spannung zu kontrollieren und ballistisch zu arbeiten. Abschließend seien Ringe zu erwähnen, die sich nicht nur positiv auf deine Griffkraft und auf deine Oberkörperkraft auswirken, sondern dir auch die Möglichkeit geben deinen Körper dreidimensional in verschiedenen Positionen im Raum zu kontrollieren, was sich positiv auf die Wahrnehmung deines Körpers in Abhängigkeit deiner Umgebung auswirkt.
Kraft bedeutet nicht nur schwere Gewichte linear von A nach B zu bewegen. Kraft ist vielfältig und löst jede Menge Bewegungsprobleme. Bevor du also an spezielle „Movement Correctives“ denkst, werde erst einmal stärker.