16/10/2026
Hommage an „dä Platz“: Wo der Koblenzer Streetball lebt und die GSL Lahnstein seinen Geist atmet
Koblenz-Lützel. Es gibt Orte, die sind mehr als nur Sportstätten. Sie sind Sehnsuchtsorte, Heimat und der Puls einer ganzen Subkultur. Unter der Moselbrücke an der Weinbergstraße in Koblenz-Lützel liegt ein solcher Ort: „Dä Platz“. Der legendäre Basketball-Freiplatz ist der unbestrittene Nabel des Koblenzer Basketballs und das emotionale Wohnzimmer von Generationen von Ballern. Während andernorts über Lärm geklagt wird, dreht man hier erst richtig auf. Das urbane Flair aus Graffiti, dem dumpfen Hallen der Bälle und dem Rauschen des Verkehrs auf der Brücke darüber macht diesen Freiplatz zu einem einzigartigen Kosmos in der Region.
Härter, freier, intensiver: Das Gesetz des Asphalts
„Dä Platz“ ist nichts für Weicheier. Der raue Asphaltboden formt den Charakter der Spieler. „Hier habe ich meine Freunde kennengelernt, hier haben wir die ersten Basketball-Skills gelernt und hier können wir wirklich ich sein“, beschreiben die Spieler Yamal, Dyllan und Servan die Magie des Courts. Streetball unter der Brücke, das bedeutet Unabhängigkeit und Intensität. Es ist die perfekte, freie Ergänzung zum klassischen Vereinssport – ein Spirit, der so stark ist, dass die Spieler ihm sogar ein eigenes Video gewidmet haben. Wenn Spieler wie Mike, Yasmani, Chesster, Mo, Jupp oder Erich auflaufen, verschmelzen Leidenschaft und Gemeinschaft.
GSL Lahnstein öffnet die A**e für die Streetball-Szene
Genau diesen ungezähmten Geist macht sich nun die GSL Lahnstein zunutze. Ganz im Sinne des Deutschen Basketball Bundes (DBB), der die A**e weit für Streetballer öffnet, bietet die GSL Lahnstein den Freiplatz-Spielern eine neue, strukturierte sportliche Heimat.
Rudi Stieling, Co-Trainer der GSL Lahnstein und Leiter der Grundschulliga Rhein-Lahn, blickt mit viel Nostalgie und Stolz auf diese besondere Ecke in Lützel, die auch die Heimat des ältesten Basketballvereins der Region (Lützel Baskets/VfB Lützel) ist. „Ich habe in meiner Lützeler Zeit selbst gerne das Mannschaftstraining dort abgehalten. Die Jungs haben es geliebt, die Treppen zur Brücke hochzusprinten“, erinnert sich Stieling. „Leider ist dieses Ambiente einmalig, wir können es nicht nach Lahnstein importieren. Aber durch die Spieler des Freiplatzes haben wir dieses Underground-Flair und diesen unbändigen Geist mit zu uns genommen. Das macht die heutige GSL Lahnstein so spannend und dynamisch.“
In Gedenken an eine Legende: Der Geist von Klaus Hirschner
Wer an diese Ecke in Lützel denkt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Klaus Hirschner. Der einstige Basketballkreisvorsitzende, BVRP-Präsident und Damentrainer betrieb dort mit seiner Frau Ulla einen legendären Basketballshop, der für die Szene als herzlicher Mittelpunkt fungierte.
„Sein Geschäft war einfach Kult“, schwelgt Rudi Stieling in Erinnerungen. „Auf ein paar Quadratmetern war die ganze Basketballwelt bis zur Decke gestapelt. Für Außenstehende sah es aus wie ein riesiges Chaos, aber Klaus wusste haargenau, wo jedes NBA-Plakat, jede Sammelkarte und jeder Basketballschuh lag. Er hat meine Mannschaften später immer wieder mit Fanartikeln unterstützt. Ein solcher Mittelpunkt fehlt der Region heute sehr.“
Auch wenn sich die Zeiten ändern und „dä Platz“ mittlerweile modern renoviert wurde: Seinen unverwechselbaren Charme hat er behalten. Er bleibt die Schmiede für echte Charakterköpfe – und die GSL Lahnstein sorgt dafür, dass dieser Geist auf und neben dem Vereinsfeld weiterlebt.
Video: der Sound des Lebens und von Walhalla