21/03/2022
Immer wieder lese ich den Spruch: Give Respect, to get respect.
Respekt und Grüßen?
Respekt = Grüßen?
Mal meine (sehr subjektiven) Gedanken dazu!
Ich fahre Moped/Motorrad seit 48 Jahren.
In den 60/70/80ern gab es keine Öffis, und wenn doch, dann nicht im 20 Minuten Takt und vor allem nicht nach 22:00 Uhr.
Es gab auch nicht in jeder Familie ein, geschweige denn zwei bis drei Autos und Mama stand auch nicht rundum die Uhr bereit, um die Sprößlinge rund um die Uhr mit einem SUV (bis ins Foyer) der Disco zu fahren.
Ein Auto mit 18 war für die meisten utopisch. Das Moped, Mockick, KK und später Motorrad war selbstverdient - bei mir mit LKW-waschen, seit meinem 14.Lebensjahr.
Das Moped war die Gelegenheit, ganzjährig vom Land in die Stadt (in meinem Fall aus dem EN-Kreis nach Bochum, Hagen, Essen, Castrop, Dortmund) zu kommen und vor allem: nachts auch wieder zurück.
Es war es etwas besonderes, man war ausgegrenzt, in der klassischen Gesellschaft wurde man automatisch zum ‚Rocker‘.
Man grüßte die anderen ,Outsider‘, vor allem in den Wintermonaten.
Man kannte jede Schraube am Moped, half sich gegenseitig (vor allem weil es sonst niemand tat - auch kein ADAC) und hatte deshalb auch Respekt in dieser eingeschworenen Outsider-Gemeinschaft.
Heute :
- kaufen die Eltern den Jugendlichen erst ein Roller, Moped, LK,… mit 18 dann den ersten Wagen,…
- kaufen sich genau diejenigen, die uns in den 70ern ausgrenzten, in ihrer Midlifecrisis ein 30.000€-Moped mit Griffheizung und Gel-Sitzbank, kleiden sich in Leder-Fransenoutfit oder Goretex-Arktis-Vollausstattung (um ihre verlorene Jugend nachzuholen?) fahren am Sonntag Nachmittag in 10 km Umkreis die Bikercaffees an - wissen aber nicht mal was eine Zündkerze ist, kennen nicht mal den Unterschied zwischen Kette und Kardan, Vergaser und Einspritzer, etc. - der ADAC oder der Herstellerservice ist ja in mobiler Rufweite….
——————-
Heute fahre ich (immer noch) Motorrad - um Motorrad zu fahren - und nicht um ununterbrochen denen zuzuwinken die uns in den 70ern ausgrenzten, nur weil es heute ,State of the Art’ ist.
Grüßen?
Grüßen tue ich!
Immer noch, morgens um 6 auf dem Weg zur Arbeit und generell in den Wintermonaten - aber nicht am Sonntag-Sommer-Nachmittag rund um die klassischen Cafés in Eifel, Sauerland oder Berg. Land …
Respekt?
… ist etwas das man sich verdienen muss, den gibt’s nicht beim Mopedhändler um die Ecke mit dabei.
Respekt habe ich! Vor Jedem der etwas leistet, vor allem uneigennützig für Andere.
Respekt zolle ich! In dem ich auch heute noch, bei jedem liegengebliebene Moped anhalte und Hilfe anbiete aber nicht - in dem ich mir eine Winkehand an den Lenker montiere - um der oben beschriebenen Klientel das Gefühl zu geben dazu zu gehören.