11/09/2026
Manchmal zeigt uns ein Pferd ziemlich deutlich, dass unser Plan nicht funktioniert.
Wir müssen nur bereit sein, zuzuhören.
Greta kam zu uns, als sie knapp 18 Jahre alt war.
Sie wurde uns als ehemaliges Schulpferd als reitbar und Anfänger tauglich beschrieben - vermeintlich das perfekte Einsteigerpferd für ein Mutter-Tochter-Gespann.
Die Realität zeigte sich aber schonungslos anders und je mehr ich gegen ihren Widerstand arbeitete, desto größer wurde er.
Bis zu dem Moment, in dem ich nach einem weiteren Angriff mit einer Bisswunde am Oberarm dastand und mein Knie nur knapp davor bewahrt hatte, an der Reithallenbande zerquetscht zu werden.
Da wurde mir etwas sehr deutlich:
Greta war nicht das Problem.
Mein Plan war es.
Sie hatte die ganze Zeit ziemlich klar kommuniziert.
Ich hatte nur noch nicht gelernt, richtig hinzuhören.
Und genau da begann für mich ein anderer Blick auf Pferde.
Nicht:
Wie bekomme ich das Pferd dazu, das zu tun, was ich möchte?
Sondern:
Was versucht mir dieses Pferd gerade zu sagen?
Was braucht es?
Was kann es leisten?
Und ist das, was ich gerade von ihm verlange, überhaupt fair?
Greta hat mir damit etwas beigebracht, das bis heute einen großen Teil meiner Arbeit prägt:
Eine gute Ausbilderin ist nicht diejenige, die für jedes Problem die passende Methode aus dem Werkzeugkoffer zieht.
Sondern diejenige, die bereit ist, den eigenen Plan zu hinterfragen.
Denn manchmal liegt die Lösung nicht darin, das Pferd deutlicher zu machen.
Sondern darin, selbst genauer hinzusehen.
Vielleicht sehe ich Dinge deshalb anders.
Und vielleicht liegt genau dort der Unterschied zwischen mit einem Pferd arbeiten und mit einem Pferd in Beziehung treten.
Danke Gretchen 🤎