01/07/2016
******Pressemitteilung zum neuen Slackline-Park am Hörnle*******
ZUSAMMENFASSUNG: Der Verein Konstanz Slackt e.V. begrüßt die Errichtung eines öffentlichen Slackline-Parks am Konstanzer Hörnle, äußert aber gleichzeitig deutliche Kritik am derzeitigen Aufbau, sowie der Planung und Durchführung des Projektes. Da aktuell kein bzw. kein ausreichender Baumschutz vorhanden ist, wird zum jetzigen Zeitpunkt von einer Benutzung der Anlage abgeraten. Die grundsätzliche Sicherheit der Anlage für den Benutzer ist davon aber nicht betroffen.
Unverständnis äußert der Verein außerdem bezüglich des Vorgehens der Projektverantwortlichen, da die jetzt aufgetretenen Mängel durch eine bessere Einbeziehung des Vereins in die Planung und Durchführung leicht hätten vermieden werden können.
IM DETAIL: Nach der Eröffnung des neuen Slackline- und Boulder-Parks am Strandbad Horn in Konstanz waren Mitglieder von Konstanz Slackt e.V. am Mittwoch vor Ort um die Anlage zu besichtigen. Insgesamt wurden vier Slacklines für Anfänger auf der Thermalwiese fest installiert sowie vier ca. 2m hohe künstliche Boulderfelsen aufgestellt. Die Finanzierung erfolgte durch eine von Graf Björn Bernadotte zu diesem Anlass gesammelte, großzügige Spende.
Während der Verein ausdrücklich die Existenz einer solchen Anlage begrüßt, welche der Allgemeinheit eine Gelegenheit bietet, den Sport Slacklinen kennen zu lernen und auch selbst auszuprobieren, musste leider festgestellt werden, dass die Slacklines nicht fachgerecht angebracht wurden.
Konkret äußert der Verein folgende Kritikpunkte:
• Eine der verwendeten Lines der Marke Gibbon ist für eine dauerhafte Installation ungeeignet, da sie durch Ankerstiche mit der Line selbst, und nicht mithilfe separater Schlingen an den Bäumen befestigt ist. Die durch diesen Aufbau bedingte Reibung an der Line führt vergleichsweise schnell zur Abnutzung bis hin zum Versagen des Bandes.
• Die Gibbon-Line ist nicht mittig am Baum angebracht, was zu hohen Scherkräften an der Rinde führen und diese dadurch stark beschädigen kann.
• Eine Form von Baumschutz an dieser Slackline fehlt komplett, der Baumschutz an den anderen angebrachten Lines ist in vielen Fällen nicht korrekt installiert und daher wirkungslos.
•Der bei drei von vier Slacklines verwendete Baumschutz der Marke Slackline-Tools lässt sich vergleichsweise leicht auch aus aufgebauten Lines entfernen und ist zudem öffentlich kaum sichtbar. Wir halten diesen Baumschutz daher für einen fest installierten Slackline-Park ungeeignet.
• Derzeit bieten die für die Anbringung eigener Slacklines freigegebenen Bäume nur die Möglichkeit, Lines mit einer Länge von bis zu ca. 30m zu spannen. Für geübtere Slackliner ist der Park damit kaum geeignet.
Gerade bei öffentlichen Anlagen sollte aufgrund der Signalwirkung im Bereich Baumschutz mit gutem Beispiel vorangegangen werden, dies ist derzeit leider nicht der Fall. Der Verein Konstanz Slackt e.V. tritt für nachhaltiges und baumfreundliches Slacklinen ein . Deshalb wird von der Benutzung der Anlage zum jetzigen Zeitpunkt sowohl aus Gründen des Umweltschutzes, als auch aufgrund der öffentlichen Signalwirkung hinsichtlich der Verwendung von Baumschutz abgeraten. Eine Einschränkung der Sicherheit der Anlage für Benutzer besteht allerdings nicht.
(Mehr Infos zu korrektem Baumschutz gibt es z..B. hier als PDF: http://bit.ly/29dfbCi)
Nach Besichtigung der Anlage wurde diese Kritik gegenüber der zuständigen Bädergesellschaft und dem Südkurier geäußert. Diese wurde besonders in Bezug auf den mangelhaften Baumschutz zunächst positiv angenommen und Besserung gelobt. Es gilt jetzt zu sehen, wie schnell den Worten Taten folgen und die Mängel ausgebessert werden. Hinsichtlich der geringen möglichen Länge wurde darauf hingewiesen, dass man zunächst sehen wolle wie der Park von der Öffentlichkeit angenommen wird, bevor man über die Erweiterung auf größere Längen nachdenke. Aus Sicht des Vereins wurde dadurch eine Chance vergeben, die aktiveren Mitglieder der Konstanzer Slackline-Community für den neuen Standort zu gewinnen. Der Verein ist selbstverständlich gerne bereit, bei der Beseitigung der von uns genannten Mängel und der weiteren Entwicklung des Parks beratend mitzuwirken.
Auf großes Unverständnis im Verein stößt die Antwort des Projektverantwortlichen Alexander Klaußner im Südkurier auf die geäußerte Kritik. In dem Artikel von 30. Juni wird er wie folgt zitiert: "Aufgrund des gegebenen Baumbestands und des erwarteten Nutzerverhaltens haben wir uns für diesen Baumschutz entschieden. Sollte diese Einschätzung nicht ausreichend sein, werden wir die Anbringung der Slacklines entsprechend anpassen." Da ein Baumschutz wie oben erwähnt teilweise noch nicht einmal vorhanden und teilweise falsch angebracht ist, geht diese Stellungnahme auf die geäußerte Kritik kaum ein. Der nicht fachgerechten Aufbaus der Slacklines, welcher die ordentliche Verwendung von Baumschutz sowie die mittige Anbringung einer Line beinhaltet und somit für zwei der oben genannten Kritikpunkte verantwortlich ist, lässt wichtige Grundlagenkenntnisse des Slackline-Sports vermissen. Daher bestehen aus Sicht des Vereins ernsthafte Zweifel an der Expertise Herrn Klaußners für den Sport Slacklinen.
Vor diesem Hintergrund ist besonders unverständlich, warum der Verein Konstanz Slackt e.V. nicht stärker in die Planung und Durchführung des Projekts eingebunden wurde, da die jetzt geäußerte Kritik leicht zu vermeiden gewesen wäre. Nachdem der Verein zu Beginn für die Konzeption mit verantwortlich war und symbolisch auf dem Geburtstag des Grafen im vergangenen Jahr durch eine Highline-Show beim Sammeln der Spenden half , wurden er bei der weiteren Planung leider nicht mit einbezogen. Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme durch den Verein mit der Stadt bzw. der Bädergesellschaft wurde er über weite Strecken des Prozesses außen vor gelassen und dessen Fachkenntnis nicht mehr berücksichtigt. Die jetzige Umsetzung orientiert sich nur grob an dem ursprünglichen, von Vereinsmitgliedern erstellten Konzept. Von der Eröffnung des Parks am Montag erfuhr der Verein erst durch die Kontaktaufnahme des Südkuriers am darauffolgenden Tag.
Insgesamt wurden für den Park knapp 40.000 Euro an Spendenmitteln bereitgestellt. Da die bislang verbauten Slacklines am Hörnle nur einen Wert von ca. 500 Euro haben und an bereits vorhandenen Bäumen befestigt wurden stellt sich außerdem die Frage, wofür die restlichen Spendenmittel verwendet wurden und wodurch die mehrmonatige Verzögerung des Projektes zustande kam. Der Verein Konstanz Slackt e.V. wird sich bemühen, dieser Frage weiter nachzugehen.
Während der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt den neuen Boulder- und Slackline-Parcours, der auf der Thermalwiese am Strandbad Horn errichtet wurde, als "innovativ" feiert, der "viele Menschen ansprechen wird", gibt es bereits erste Kritik an der Anlage.